Wien (OTS) – Der Pflegekongress ist das größte Branchenevent
Österreichs im
Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege. Am 27. und 28. November
öffnet er wieder seine Pforten im Austria Center Vienna. Über 4.000
Besucher*innen werden erwartet, über 90 Expert*innen geben Einblick
in aktuelle Entwicklungen, eine wissenschaftliche Posterausstellung
begleitet das Programm und zahlreiche Aussteller*innen bieten
Informationen über neue Möglichkeiten der Versorgung.
„Pflegequalität entsteht aus Sicherheit, Vertrauen und
Beziehung“, erläutert Claudia Kastner-Roth, Veranstalterin und
Geschäftsführende Gesellschafterin von Medical Update/pflegenetz, das
Motto des diesjährigen Kongresses „sicherheit:vertrauen:beziehung =
pflegequalität“. „Mit dem Pflegekongress wollen wir dazu beitragen,
dass Fachkräfte und Führungskräfte aus dem Gesundheits- und
Pflegewesen nützliche Impulse für ihre praktische Arbeit mitnehmen,
aber auch Raum für Diskussion, Austausch und Vernetzung in der
Branche schaffen“, sagt Kastner-Roth. „Die Anforderungen an
Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegewesen steigen kontinuierlich.
Wir sehen heute nicht nur komplexere fachliche Problemstellungen, wir
sehen auch viel Druck. Der Pflegeberuf ist ein großartiger, aber er
braucht vernünftige Rahmenbedingungen, damit Qualität entstehen
kann“, ist Kastner-Roth überzeugt.
Zwtl.: Zukunft nicht verpassen: Mehr Tempo, klarere Ziele,
vernünftige Transformationspfade!
Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich und
Unterstützerin des Pflegekongresses seit der ersten Stunde, meint
dazu: „Ja, wir sehen zunehmenden Druck in der Branche. Der
demografische Wandel und der damit einhergehende wachsende und
veränderte Bedarf im Gesundheits- und Pflegesystem stellen erhebliche
Anforderungen an alle Berufsgruppen im Sektor. Es muss uns gelingen,
Rahmenbedingungen zu schaffen, die uns helfen, Menschen im Beruf zu
halten und dazuzugewinnen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
Wir brauchen mehr Fachkräfte!“ Anselm weist darauf hin, dass die
Ausbildungsoffensive der Bundesregierung mit voller Kraft
weitergeführt werden müsse. Aber auch eine Evaluierung sei vonnöten.
Hinsichtlich der Rahmenbedingungen sei es laut Anselm dringend
notwendig, Fachkräfte zu entlasten – das könne beispielsweise durch
intelligentere Prozesse, besseres Schnittstellenmanagement, Abbau von
Bürokratie, aber auch Digitalisierung und Technologie geschehen. „In
der Digitalisierung geht viel zu wenig weiter. Wir warten
beispielsweise immer noch auf den angekündigten Digitalisierungsfonds
für die Langzeitpflege. Wo bleibt er? Das Jahr neigt sich dem Ende zu
und wir hängen noch immer in der Luft“, kritisiert die Hilfswerk-
Geschäftsführerin. Auch auf eine der letzten Novellen des
Gesundheitstelematikgesetzes geschuldete Aktualisierung der ELGA-
Verordnung warte man laut Anselm immer noch vergeblich. „Wir brauchen
im Bereich Digitalisierung und Technologie unbedingt mehr Tempo,
klarere Ziele, vernünftige Transformationspfade. Davon sind wir weit
entfernt. Wenn wir so weitertun, verpassen wir die Zukunft! Und das
gilt nicht nur für Digitalisierung und Technologie“, warnt Anselm.
Zwtl.: Vertrauen nicht verspielen: Pflegebonus auszahlen,
Kollektivverträge anerkennen
Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, sieht
Sicherheit und Vertrauen insbesondere auch dann gefährdet, wenn
finanzielle Zusagen nicht halten: „Wie soll Vertrauen entstehen, wenn
die Politik so agiert wie gerade in Salzburg? Man verkündet, den
Pflegebonus nicht mehr an die Pflege- und Betreuungskräfte
auszuzahlen, obwohl der Bund die Mittel dafür zur Verfügung stellt.
Das ist ein verheerendes Signal an die Betroffenen.“ Fenninger
verweist auch auf die Belastungen dieses Vorgehens für die aktuell
laufenden Kollektivvertragsverhandlungen in der Branche. „Die
Kollektivvertragsverhandlungen sind in diesem Jahr ohnehin schon
außergewöhnlich schwierig, da ist ein solcher Vorgang nicht sehr
hilfreich“, sagt der Volkshilfe-Direktor.
Erich Fenninger verhandelt als Vorsitzender des
Arbeitgeberverbandes Sozialwirtschaft Österreich selbst einen der
größten Kollektivverträge in der Branche. Die Verhandlungen gehen am
27. November, während der Pflegekongress tagt, in die dritte Runde.
„Es schmerzt uns außerordentlich, dass wir in diesen
Kollektivverhandlungen laufend auf die äußerst schwierigen Umstände
aufgrund des Budgetdrucks hinweisen müssen. Wir haben es bereits mit
Stellenabbau, Schließungen von Einrichtungen und der Einstellung von
Diensten zu tun. So etwas haben wir in dieser Form noch nicht
erlebt“, berichtet Fenninger. „Umso wichtiger ist es, dass die
Politik nicht mit kontraproduktiven Manövern wie in Salzburg noch
mehr Unruhe schafft, oder uns aus einzelnen Bundesländern quasi
ausrichtet, dass die Ergebnisse der Kollektivvertragsverhandlungen
nicht anerkannt werden. Die Politik muss trotz des Spardrucks
Perspektiven schaffen. Es braucht leistungsfähige
Versorgungskonzepte, weil Herausforderungen in Gesundheit und Pflege
nicht einfach verschwinden werden – im Gegenteil. Und es braucht
faire und ordentliche Rahmenbedingungen für die Arbeit im Sektor.
Sonst wird es uns weder gelingen, die Menschen im Beruf zu halten
noch neue Kräfte hinzuzugewinnen“, sagt Fenninger, und schließt mit
der Aufforderung: „Wir werden um eine Diskussion zur solidarischen
Finanzierung der künftigen Pflegeversorgung nicht herumkommen –
fangen wir endlich damit an!“
pflegekongress2025 „sicherheit:vertrauen:beziehung=
pflegequalität“
27. und 28.11.2025
Austria Center Vienna
Information und Programm: pflegekongress25