PEKABE zur Staatsfonds-Debatte und Evaluierung der zweiten Säule des Pensionssystems

Wien (OTS) – PEKABE fordert eine rasche, umfassende Evaluierung der
zweiten Säule
mit voller Transparenz über Performance, Kosten, Pensionshöhen und
Kaufkraftentwicklung, weil 1,1 Millionen Berechtigte nur so
verlässlich beurteilen können, ob ihre Beiträge und die
kapitalgedeckten Pensionen fair, effizient und zukunftsfähig
verwaltet werden.

Bundeskanzler Stocker schlägt vor, einen Staatsfonds mit Gewinnen
aus Staatsbeteiligungen zur teilweisen Finanzierung der Pensionen zu
nutzen. Diese Debatte ist ein wichtiger Anlass, zuerst die bereits
bestehende kapitalgedeckte zweite Säule konsequent zu prüfen und
weiterzuentwickeln. Als Vorbild gelten erfolgreiche Modelle wie
Dänemark und Norwegen, die breit in internationale Aktienmärkte
investieren. Die FCG-Pensionist:innen haben in der Presseaussendung (
OTS 0186 vom 1.9.2026 ) eine Weiterentwicklung der zweiten Säule
eingefordert und auf fehlende Informationen zu Firmenpensionen,
Kaufkraftverlusten und Kosten hingewiesen. Die von PEKABE
durchgeführte Analyse der österreichischen Pensionskassen seit dem
Jahr 2000 zeigt eindeutig massiven Handlungsbedarf auf.

Entwicklung der Firmenpensionen

Für die Berechnung der Pension sind zwei Größen entscheidend: die
jährliche Performance und der Rechnungszins, also jener Wert, den die
Pensionskasse jedes Jahr mindestens erwirtschaften muss, um eine
gleich hohe Pension auszuzahlen. Seit dem Jahr 2000 erzielten die
Pensionskassen durchschnittlich 3,36 % Performance; lag der
Rechnungszins darüber – zulässig waren bis zu 6,5 % –, waren
Pensionskürzungen praktisch vorprogrammiert. Viele
Leistungsberechtigte waren daher wiederholt betroffen: Eine
monatliche Pension von 500 Euro reduzierte sich seit dem Jahr 2000
beispielsweise auf rund 300 Euro (ohne Berücksichtigung der
Generationentafel und des versicherungstechnischen Ergebnisses).

Kaufkraftverluste

Die Inflation hat seit dem Jahr 2000 zusätzlich massive
Kaufkraftverluste verursacht: 500 Euro sind heute nur noch etwa halb
so viel wert. In Verbindung mit den realen Pensionskürzungen bedeutet
das für viele Berechtigte einen Gesamtverlust von mindestens zwei
Dritteln der ursprünglichen Firmenpension. Damit wird aus einer
rechnerischen Performancefrage ein unmittelbares Vertrauens- und
Lebensstandardproblem.

Internationaler Vergleich

Die österreichischen Pensionskassen liegen im internationalen
Ertragsvergleich deutlich hinter Ländern wie Dänemark, den
Niederlanden oder Norwegen; dort liegt die Performance um rund zwei
Prozentpunkte über jener in Österreich. Daraus folgt unmittelbar der
Bedarf an verbindlicher Transparenz, nachvollziehbaren
Standardlösungen, konsequenter Kostenkontrolle und einer stärkeren
Ergebnisverantwortung der Pensionskassen. Eine einfache Veranlagung
in einem ausgewogenen Portfolio aus 50 % Aktien (ETF MSCI World) und
50 % Zinsanlagen (Taggeld) hätte mit 5,5 % Ertrag deutlich besser
abgeschnitten und wäre zugleich kostengünstiger gewesen als
intransparente Dachfonds-Konstruktionen.

Aktuelle Ergebnisse der Pensionskassen

Ein Vergleich der aktuellen Performance per Ende Juli 2026 zeigt
auch zwischen den einzelnen Pensionskassen große Ertragsunterschiede
bis zu drei Prozent auf. Die Ursachen dafür bleiben mangels
detaillierter Informationen unklar, die Berechtigten können nur
Vermutungen anstellen, ein insgesamt unbefriedigender Zustand.

Reformschritte

Die derzeit diskutierten Änderungen im Pensionskassengesetz im
Zusammenhang mit dem „General-Pensionskassenvertrag“ werden von
PEKABE ausdrücklich begrüßt, gehen aber nicht weit genug. Aus Sicht
der Berechtigten sind drei Reformschritte vorrangig: erstens
vollständige Transparenz über Veranlagung, Kosten, Pensionshöhen und
Kaufkraftentwicklung; zweitens faire Vergleichbarkeit der Performance
zwischen Pensionskassen; drittens klare Ergebnisverantwortung und
stärkere Mitbestimmung der Berechtigten.

– Transparenz und Vergleichbarkeit: Offenlegung der Veranlagung,
aller Kosten – insbesondere der Dachfonds – sowie der Entwicklung von
Pensionshöhen und Kaufkraft.

– Rechte der Berechtigten: Stärkung der Mitbestimmung im Aufsichtsrat
und in den Beiräten sowie Auszahlung des Kapitals in Härtefällen wie
Krankheit oder Pflegebedarf analog zum BMSVG.

– Ergebnisverantwortung: Klare Verantwortung der Pensionskassen für
langfristige Performance, Kostenkontrolle und nachvollziehbare
Standardlösungen.

Peter Weller, Vorsitzender von PEKABE, betont: „Die
Pensionskassen verwalten aktuell für 1,1 Millionen Berechtigte ein
Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro. Jetzt braucht es eine
umfassende Evaluierung der zweiten Säule mit Offenlegung von Kosten,
Performance und Kaufkraftentwicklung sowie verbindliche Reformen für
Transparenz, Vergleichbarkeit und Ergebnisverantwortung. Nur so kann
das Vertrauen in eine kapitalgedeckte Pension wieder gestärkt
werden.“

Zwtl.: Über PEKABE

Der Schutzverband der PEnsionsKAssenBErechtigten, PEKABE,
vertritt unabhängig und überparteilich die Interessen der
Berechtigten der österreichischen Pensionskassen.