ORF-„matinee“: Premiere „Musik im Blut – Die Neuen Wiener Concert Schrammeln“, Dokus über H. C. Artmann und „Der Duft von Wien“

Wien (OTS) – Die „matinee“ am Sonntag, dem 30. November 2025, um 9.05
Uhr in ORF 2
und auf ORF ON steht ganz im Zeichen des Wienerischen. So würdigt
zunächst das von Astrid Bscher gestaltete neue Porträt „Musik im Blut
– Die Neuen Wiener Concert Schrammeln“ jene Musikergruppe, die das
Erbe der Gebrüder Schrammel bis heute lebendig hält, zum 30-jährigen.
Danach widmet sich der Film „H. C. Artmann – Freibeuter der Sprache“
(9.40 Uhr) von Gustav W. Trampitsch dem österreichischen
Sprachkünstler, dessen 25. Todestag sich am 4. Dezember jährt. Die
anschließende Dokumentation „Der Duft von Wien“ (10.25 Uhr) von
Katharina Reigersberg führt durch das olfaktorische Wien und erkundet
die Geschichte der Düfte der Stadt. Den von Clarissa Stadler
präsentierten ORF-Kulturvormittag beschließt „Die Kulturwoche“ (10.50
Uhr) mit aktuellen Berichten und Tipps.

„Musik im Blut – Die Neuen Wiener Concert Schrammeln“ (9.05 Uhr)

Die Schrammelmusik entstand im Wien des 19. Jahrhunderts und
verbindet Elemente der Volksmusik mit kunstvoller
Kompositionstechnik. Es ist eine Musik, die Österreich weltweit
repräsentiert. „Brahms war immer bei den Schrammeln zu hören, Johann
Strauss sowieso und diese klassischen Komponisten haben sich mit den
Volksmusikanten nicht verbündet, aber sie haben sich gegenseitig
befruchtet“, so Peter Havlicek, der es sich gemeinsam mit den Neuen
Wiener Concert Schrammeln zur Aufgabe gemacht hat, das Erbe der
Gebrüder Schrammel nicht nur zu bewahren, sondern zeitgemäß zu
interpretieren. Im Oktober 2025 wurde das Ensemble 30 Jahre alt.

Das Filmporträt zum Jubiläum erzählt von fünf außergewöhnlichen
Musikern, die ihr Leben der Schrammelmusik widme(te)n: Peter Uhler
ist hauptberuflich Geiger im ORF Radio-Symphonieorchester Wien und
bewirtschaftet zudem einen Weinberg hoch über der Stadt.
Kontragitarrist Peter Havlicek spielt in unzähligen Wienerlied- und
Schrammel-Formationen und macht gemeinsam mit Dudlerin Margit Ulm und
Geigerin Theresa Aigner besinnlich-musikalische Spaziergänge auf
Wiener Friedhöfen, bei denen er auch Einblicke in die Geschichte der
Wiener Musik und ihrer Persönlichkeiten gibt. Im Alltag und Leben von
Helmut Stippich – und seiner Frau, der Sängerin und Musikerin Maria
Stippich – dreht sich alles um die Liebe zur Musik, die in seiner
Familie von Generation zu Generation weitergegeben wird. Nikolai
Tunkowitsch spielt nicht nur Violine, er fertigt die Instrumente auch
an – wie bereits sein Vater, der Geigenbaumeister Peter Tunkowitsch.
Das neueste Mitglied der Neuen Wiener Concert Schrammeln ist der aus
einer Musikerfamilie stammende Geiger Johannes Fleischmann, über den
André Heller – seines Zeichens ein langjähriger Freund und
künstlerischer Wegbegleiter des Ensembles – meinte, er sei ein
„Paganini des Wienerischen“.

Was verbindet die unterschiedlichen Musiker? Wie sieht ihr Alltag
aus, und was fasziniert sie jeweils an der Schrammelmusik? Diesen
Fragen geht Regisseurin Astrid Bscher nach und zeichnet ein sehr
persönliches Bild der fünf Künstler, die im Film auch ihres
langjährigen, im März 2025 verstorbenen Bühnenkollegen Walther Soyka
gedenken.

„H. C. Artmann – Freibeuter der Sprache“ (9.40 Uhr)

Der Film von Gustav W. Trampitsch über den österreichischen
Lyriker und Schriftsteller vergegenwärtigt den Menschen, Partner und
Kollegen Artmann sowie sein Werk und dessen Wirkung. Was zuvor von
manchen als vulgärer Dialekt abgetan worden war, adelte H. C. Artmann
zur Kunstsprache – zur Mund-Art. Mit dem Lyrikband in kräftigem
Wienerisch „Med ana schwoazzn dintn“ gelang Hans Carl Artmann 1958
ein Sensationserfolg, ein Bestseller, in dem er den „Dialekt an den
Wurzeln“ packte, wie ein Kritiker vermerkte. Tatsächlich war der
literarische Kosmos des vor 25 Jahren verstorbenen H. C. Artmann
ungleich größer. Gustav W. Trampitsch schildert in seinem Porträt,
wie der Dichter aus der Enge der Vorstadt aufbrach, um die Welt
schreibend zu erobern.

Schon das Kind H. C. träumte sich weg aus der Realität, in ein
erfundenes Idyll: in das Dorf St. Achatz am Walde. Die Lust am
Fabulieren, das Spiel mit dem Surrealen sollte Artmann ein Leben lang
nicht loslassen. Zunächst aber wird er zur Wehrmacht eingezogen und
mehrfach verwundet. Er desertiert, wird in ein Strafbataillon
überstellt, entkommt seiner Hinrichtung und kann abermals fliehen. Er
taucht unter und gerät in US-Kriegsgefangenschaft. Dort entstehen
erste literarische Texte.

Prägend sind die Nachkriegsjahre. Artmann wird Mitglied des Art
Club, Epizentrum der Wiener Avantgarde und Geburtsstätte der
literarischen Nachkriegsmoderne. Mit Gerhard Rühm, Friedrich
Achleitner, Konrad Bayer und Oswald Wiener arbeitet er in der
sogenannten Wiener Gruppe zusammen, von der er sich später
distanziert. Artmann ist platzgreifend, holt weit aus. Er schreibt in
den Sprachen aller Kontinente und wenn diese ihm nicht genügen,
erfindet er eigene. Paris ist ihm ein wichtiger Ort der Inspiration,
er beschäftigt sich mit spanischer Literatur und mittelalterlichen
Balladen. Legendär ist seine Reise mit Helmut Qualtinger, Peter
Turrini und Verleger Ulrich Schulenburg nach Los Angeles. Dort kommt
es zum Wortgefecht mit Charles Bukowski. Und Turrini wird zu Artmanns
Lebensretter, als dieser beinahe ertrinkt. Schulenburg hat für
Regisseur Trampitsch sein Privatarchiv mit Filmen der US-Reise
geöffnet.

Auch privat ist H. C. Artmann keiner, der sich bescheidet. Fünf
Kinder hatte er mit fünf Frauen. Freunde beschreiben ihn als
jemanden, der die Frauen tatsächlich verehrte und liebte. Dass er
Alimentationszahlungen schuldig blieb, steht auf einem anderen Blatt.
Zu Wort kommen in dem filmischen Porträt u. a. die Musiker Ernst
Molden und Skero, der Freund und Schwager Artmanns, Peter Rose und
seine Witwe Rosa Pock-Artmann.

„Der Duft von Wien“ (10.25 Uhr)

Wien, die Stadt der Düfte, erzählt ihre Geschichte durch die
Nase. Von der barocken Kosmetikherstellung bis zu modernen
Parfümeuren – der Film von Katharina Reigersberg zeigt, wie Wiener
Düfte die Welt eroberten. Der Besuch im Pharma- und Drogistenmuseum
gibt Einblicke in die Geschichte der Drogerie, der Herstellung von
Kosmetika anno dazumal sowie in alte Traditionen und Rezepturen.
Innovative Kosmetikherstellerinnen wiederum erzählen, wie zum
Beispiel Bienenprodukte in Schönheitscremes transformiert werden
können oder die Essenz der Stadt in Fläschchen und Tiegeln
eingefangen werden kann.