Online-Glücksspiel: Ziele der Glücksspielreform nur mit Öffnung des Marktes zu erreichen

Wien (OTS) – S tatt das Betreibermonopol einzuzementieren wäre die
Marktöffnung
der bessere Weg – für den Spielerschutz und die kränkelnden
Staatsfinanzen, zeigt eine umfassende Analyse des Online-
Glücksspielmarktes von BRANCHENRADR Marktanalyse.

Aus Anlass der anstehenden Novellierung des österreichischen
Glücksspielgesetzes hat das BRANCHENRADAR Marktanalyse soeben eine
Studie mit Fokus auf das Online-Glücksspiel in Österreich vorgelegt.
Unter dem Titel „Neuausrichtung des Online-Glücksspiels in
Österreich“ kommen die Experten darin zu einem klaren Ergebnis: Der
derzeit vorliegende Gesetzesentwurf zur Neuregulierung des Online-
Glücksspiels verfehlt die gesteckten Ziele völlig. Vielmehr
verschärft dieser die bestehenden Probleme massiv: Statt
Spielerschutz zu stärken, den Schwarzmarkt einzudämmen und
Steuereinnahmen zu erhöhen, führt der Vorschlag zu einer
Einzementierung des Monopols, einer Verlagerung in den illegalen
Markt und damit zu sinkendem Spielerschutz sowie dramatischen
Steuermindereinnahmen.

Zwtl.: Kontraproduktive Annahmen im Gesetzesentwurf

Der Reformvorschlag basiert unter anderem auf der Annahme,
produktspezifische Verschärfungen – wie signifikant niedrigere
Einsatz- und Gewinngrenzen, obligatorische wöchentliche bzw.
monatliche Verlustlimits sowie Spielverlangsamungen – allein würden
bei gleichzeitiger Beibehaltung des Monopols zu einer besseren
Kanalisierung in den legalen Markt führen. Diese Annahme wird aber
durch empirische Daten und Verhaltensanalysen klar widerlegt.

„Ohne Wettbewerb und bei Fehlen eines attraktiven, legalen
Angebots drängen solche Restriktionen die Spieler unweigerlich in den
unregulierten, internationalen Online-Markt– mit fatalen Folgen für
Spielerschutz und Staatshaushalt“, so Studienautor Andreas Kreutzer.

Zwtl.: Szenarien bis 2031: Reformvorschlag schwächt den legalen Markt

Basisszenario 1 (Status Quo): Bei unveränderter Rechtslage wird
ein Marktwachstum des Bruttospielertrags (BSE) von Ꞓ 496 Mio. (2024)
auf Ꞓ 1 Mrd. (2031) prognostiziert. Die Kanalisierungsrate in den
legalen Markt (win2day.at) würde jedoch von aktuell 46,7 % auf 39 %
sinken. Die kumulierten Steuereinnahmen von 2026 bis 2031 würden sich
auf ca. Ꞓ 901 Millionen belaufen.

Szenarien 2 & 3 (Umsetzung der Reform) : Diese Modelle zeigen die
negativen Konsequenzen der Reform. Durch die unattraktiven
Spielbedingungen, etwa durch ein Einzahlungslimit , ist eine massive
Spielerabwanderung in den unregulierten Markt zu erwarten. Selbst
unter optimistischen Annahmen zur Wirksamkeit von DNS- und Payment-
Blocking-Maßnahmen bricht die Kanalisierungsrate dramatisch ein:

– Im „Worst-Case“ (Szenario 2) sinkt die Kanalisierungsrate bis 2031
auf 27,8 %. Die kumulierten Steuereinnahmen (2026-2031) würden auf
nur noch Ꞓ 600 Millionen fallen – ein Verlust von Ꞓ 300 Millionen
gegenüber dem Status Quo.

– Im „Best-Case“ der Reform (Szenario 3) sinkt die Rate auf 35,6 %
und die Steuereinnahmen auf Ꞓ 726 Millionen – immer noch ein Minus
von Ꞓ 175 Millionen.

Damit würde der regulierte Markt marginalisiert werden, während
der illegale Markt weiter wächst – ein Szenario, das sowohl den
Spielerschutz als auch die fiskalischen Interessen des Staates
untergräbt. Hinzu kommt, dass die Annahme, Sperrmaßnahmen, wie IP-
und Payment Blocking allein würden wirken, sowohl durch diese Analyse
als auch durch einen Rundruf bei europäischen Glücksspielbehörden
klar widerlegt wird.

Zwtl.: Kontrollierte Marktöffnung als Erfolgsmodell

Als Alternative präsentiert die Studie eine umgehende,
kontrollierte Marktöffnung auf Basis der Landesausspielungen (§ 5
Glücksspielgesetz) mit strengen, und marktkonformen
Spielerschutzauflagen, durchgeführt von Betreibern, die
ordnungspolitisch zuverlässig sind und über Jahre ohne Beanstandungen
im Rahmen aufsichtsbehördlicher Kontrollen von den zuständigen Ämtern
der Landesregierungen auditiert wurden.

– Teilöffnung mit 9 Lizenzen (6 bestehende
Landesausspielungsbewilligte plus potentiell 3 zusätzliche
Konzessionäre in Salzburg als Übergangslösung):
Kanalisierungsraten von bis zu 81 % und kumulierte Steuereinnahmen
von bis zu Ꞓ 1,66 Mrd. – das entspricht Mehreinnahmen von bis zu Ꞓ
760 Mio. gegenüber dem Status quo.

– Liberalisierung mit 15 Lizenzen (Neuausschreibung von Lizenzen
während der Übergangsphase):
Kanalisierungsraten von bis zu 85,5 % und Steuereinnahmen von bis zu
Ꞓ 1,88 Mrd. – nahezu eine Verdopplung der Einnahmen im Vergleich zur
aktuellen Rechtslage.

Zwtl.: Spielerschutz funktioniert nur im regulierten Markt

Die Studie betont, dass wirksamer Spielerschutz nur dort greifen
kann, wo Spieler tatsächlich erfasst werden. Instrumente wie
Identitäts- und Alterskontrollen, Limitierungen, Sperrsysteme,
Monitoring des Spielverhaltens und geschulte Mitarbeitende – wie sie
bei Landesausspielungen gängige Praxis sind – verlieren ihre Wirkung,
wenn ein Großteil der Spieler in den illegalen Markt abwandert. „Ein
restriktives Monopol schützt nicht die Spieler, sondern treibt sie
aus der Regulierung heraus“, so das Fazit der Studie.

Branchenradar.com empfiehlt daher eine Neuausrichtung der Online-
Glücksspielpolitik , die sich an realen Marktmechanismen orientiert:
mehr legale Anbieter, klare Regeln, konsequente Aufsicht – und damit
mehr Spielerschutz und mehr Steuereinnahmen .