Offener Brief: Ende des Zuverdienstes zum Arbeitslosengeld gefährdet Existenzen in der Filmbranche

Wien (OTS) – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Christian Stocker,
sehr geehrter Herr Minister für Kunst und Kultur Andreas Babler,
sehr geehrte Frau Ministerin für Soziales Korinna Schumann,
sehr geehrte Abgeordnete zum Nationalrat im Kultur- wie
Sozialausschuss,

Ab 1. Jänner 2026 wird es Filmschaffenden in Österreich kaum mehr
möglich sein, zum Arbeitslosengeld oder zur Notstandshilfe
geringfügig dazuzuverdienen.
Die beschlossene Änderung im Arbeitslosenversicherungsgesetz (AlVG)
bedroht die Existenzgrundlage zahlreicher Menschen in der Filmbranche
– und damit auch die Vielfalt und Zukunft unserer Kulturproduktion.

Derzeit können Arbeitslose oder Notstandshilfebeziehende in
geringfügigem Ausmaß arbeiten, ohne ihren Leistungsanspruch zu
verlieren. Doch ab 2026 soll das nur noch in wenigen Ausnahmefällen
möglich sein. In den meisten Fällen wird der Bezug von
Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe gestrichen, sobald eine
geringfügige Beschäftigung aufgenommen wird – selbst bei nur
einzelnen Tagen oder wenigen Stunden Arbeit.
Das bedeutet: Kurzfristige, projektbezogene Jobs, wie sie in der
Filmbranche üblich sind, dürfen künftig nicht mehr angenommen werden,
um den bereits erworbenen Anspruch auf Arbeitslosengeld nicht zu
verlieren.

Zwtl.: Katastrophale Folgen für die Filmbranche

In kaum einer Branche sind kurze Engagements und projektbezogene
Beschäftigungen so selbstverständlich wie beim Film: Ein Drehtag
hier, ein Synchrontermin dort, ein Lichtaufbau für zwei Tage – diese
Flexibilität ist kein Ausnahmezustand, sondern Berufsalltag.
Sie ermöglicht Filmschaffenden in Engagementpausen, überhaupt im
Beruf zu bleiben.

Typisch ist diese Mischung aus Beschäftigung und Zwischenphasen
beispielsweise für Regisseur:innen, Schauspieler:innen, Kameraleute,
Beleuchter:innen, Maskenbildner:innen und Produktionsmitarbeitende.
Geringfügige Tätigkeiten halten sie im Beruf, sichern Kontakte und
schaffen Übergänge in neue Projekte. Das geplante Gesetz zerstört
dieses fragile, aber funktionierende System – und drängt viele in die
Existenznot.

Fakten, die zählen

Atypische Beschäftigungen sind typisch für die Filmbranche.

Geringfügige Jobs verhindern keine Vollzeitbeschäftigung – sie
sind oft der Einstieg dorthin.

Der Wegfall des Zuverdienstes würde viele Filmschaffende unter
die Armutsgrenze drücken.

Zwtl.: Ein klarer Widerspruch zum Regierungsprogramm

Im Regierungsprogramm steht ausdrücklich, dass die besonderen
Erwerbsrealitäten im Kunst- und Kulturbereich berücksichtigt werden
sollen. Die geplante Änderung im AlVG jedoch tut das genaue
Gegenteil: Sie ignoriert die Arbeitsrealität tausender Kunst- und
Kulturschaffender, die in projektbasierten, nicht-linearen Strukturen
tätig sind.

Künstler:innen haben dann keine Möglichkeiten mehr in Stehzeiten
in ihrer Branche bzw. der Öffentlichkeit präsent zu bleiben und
können die oftmals sehr geringe AMS-Leistung so auch nicht auf ein
existenzsicherndes Niveau anheben.

Zwtl.: Unser Appell an die Bundesregierung

Wir, die Filmschaffenden Österreichs, fordern die Bundesregierung
auf, die Änderungen im Arbeitslosenversicherungsgesetz (AlVG), die im
Rahmen des Budgetbegleitgesetzes 2025 beschlossen wurden,
zurückzunehmen.

Ein funktionierendes, bewährtes System darf nicht durch eine
bürokratische Vereinheitlichung zerstört werden. Wir brauchen
Sicherheit statt weiterer Verunsicherung und Respekt vor der
Lebensrealität derer, die unsere Kultur tragen.

Aufruf zur Unterstützung
Für Respekt, Gerechtigkeit und Zukunftssicherung – für die
Filmschaffenden Österreichs

Wir bitten alle Kolleg:innen, Verbände, Kulturinstitutionen,
Medien und kulturinteressierten Bürger:innen: Schließt euch unserer
Forderung an!

Teilt diesen offenen Brief in euren Netzwerken.

Unterstützt Initiativen gegen die geplante Gesetzesänderung.

Setzt ein Zeichen, dass Kunst und Kultur in Österreich nicht nur
Applaus, sondern auch soziale Absicherung verdienen.

Für eine lebendige Filmkultur in Österreich

Kunst und Kultur sind kein Luxus – sie sind das Fundament unserer
Gesellschaft.
Wer sie schafft, muss auch davon leben können.

Dachverband der österreichischen Filmschaffenden

www.filmschaffende.at

Links zum Thema:

Laufende gemeinsame Instagram Kampagne mit dem Kulturrat
Österreich

Offener Brief des Kulturrats Österreich vom 27. Oktober 2025

Kulturrat Österreich zur Gesetzesnovelle, durch die der
Zuverdienst zum Arbeitslosengeld weitgehend abgeschafft wird.