Wien (OTS) – Mit scharfer Kritik reagieren Gemeinderätin Caroline
Hungerländer und
Gemeinderat Hannes Taborsky auf die Ablehnung des VP-Beschlussantrags
zur Verurteilung des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich
durch SPÖ und Neos im Wiener Gemeinderat.
„Dass ausgerechnet die Vertreter der Regierung der
selbsternannten Menschenrechtsstadt Wien nicht bereit sind, den
Genozid an den Armeniern zu verurteilen, ist ein beschämendes
Signal“, erklärt Hungerländer. „Die Haltung der SPÖ ist beschämend
und zeigt, wie sehr diese Partei bereits auf Interessen von
türkischen Nationalisten Rücksicht nehmen muss.“
Der Antrag wurde anlässlich des 110. Gedenktages eingebracht und
erinnert an die Massaker, Todesmärsche und Vertreibungen an rund 1,5
Millionen Armeniern sowie an weiteren christlichen
Bevölkerungsgruppen im Osmanischen Reich. Ziel war ein klares
Bekenntnis zu historischer Verantwortung, Gedenken und Versöhnung.
Taborsky zeigt sich über das Abstimmungsverhalten von SPÖ und
Neos fassungslos: „Hitler verwies 1939 in einer berüchtigten Aussage
auf das Vergessen des Genozids an den Armeniern. Dieser Genozid wurde
von den Nazis als Beweis für die internationale Ignoranz ihres
späteren Handelns verwendet. Umso wichtiger ist es heute, das
Gedenken daran aufrechtzuerhalten. Ich verstehe nicht, wie SPÖ und
Neos gegen diesen Antrag stimmen können.“
Zudem bleibt auch der Wunsch der armenischen Community nach einem
würdigen Denkmal in Wien bislang unerfüllt. „Wer ständig von
Erinnerungskultur spricht, darf diese nicht nach politischer
Opportunität betreiben. Gerade Wien sollte hier ein klares Zeichen
setzen“, betonen Hungerländer und Taborsky.
Für die Wiener Volkspartei ist klar: Erinnerungspolitik müsse
universell gelten und dürfe nicht ideologisch selektiv sein. „Für
manche historische Figuren findet man in Wien Platz, für das Gedenken
an Opfer eines Genozids offenbar nicht. Das ist der falsche Umgang
mit Geschichte“, so Hungerländer und Taborsky abschließend.