Vatikanstadt/Salzburg/Graz (OTS) – Die österreichischen Bischöfe
haben das Sozialschreiben von Papst Leo
XIV. als „Programm und Prophetie“ begrüßt. „Dilexi te“ stehe in
großer Kontinuität zur Sozialverkündigung des Vorgänger-Papstes
Franziskus, setze aber eigene Akzente, so der Salzburger Erzbischof
und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Franz
Lackner, in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress am Donnerstag:
„Dieses erste Schreiben unseres Heiligen Vaters ist Mahnung und
Anleitung zugleich.“ Es erinnere daran, dass die Hinwendung zu den
Armen für Christen „keine religiöse Kür“, sondern Fundament des
Glaubens und der Einheit im Glauben sei.
Programmatisch und prophetisch sei „Dilexi te“, insofern das
Schreiben eine Grenzen überwindende und verbindende Liebe beschreibe,
die selbst Feindschaft zu verwandeln trachte. Papst Leo mache
deutlich, dass es gelte, für eine solche Kirche heute einzutreten, in
der auch die Armen einen Platz hätten. Insofern gehe Leo den von
Papst Franziskus begonnenen Weg „mit klaren Worten und festen
Schritten weiter“, schloss Lackner – und er lud zugleich die
Gläubigen ein, das Dokument zu lesen und zu studieren.
Erstes Lehrschreiben von Papst Leo
Im ersten Lehrschreiben von Papst Leo XIV. geht es um die
verschiedenen Facetten der Armut – materiell, sozial, moralisch wie
geistlich, kulturell, arm an Rechten oder Freiheit – und darum, dass
sie auch in westlichen Ländern zunimmt. Es geht zugleich um den
Einsatz für soziale Gerechtigkeit durch Menschen und Institutionen in
der katholischen Kirchengeschichte und um den Aufruf an alle
Christen, diesen Einsatz fortzuführen. Bis hin zu einer
grundsätzlichen Kapitalismuskritik.
In „Dilexi te“ greift Leo XIV. nach eigener Aussage Vorarbeiten
seines Vorgängers Franziskus (2013-2025) auf, der sie zu seinen
Lebzeiten nicht mehr abschließen konnte. Ein zentrales Element ist
die von den Bischöfen in Lateinamerika seit 1968 entwickelte
Forderung, dass die Kirche sich bevorzugt den Armen zuwenden und an
der Überwindung sozialer Missstände aktiv mitwirken solle. „Die Armen
gehören zur Mitte der Kirche“, so eine der zentralen Aussagen des
Dokuments. Mehrfach fordert der Papst dazu auf, die strukturellen
Ursachen der Armut zu beseitigen.
Krautwaschl: Gelungenes Gemeinschaftswerk
Als ein gelungenes „Gemeinschaftswerk mit seinem Vorgänger“
bezeichnete der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl das neue Papst-
Schreiben. Es betone vieles, das Papst Franziskus stets hervorgehoben
habe – die gleiche Würde aller Menschen, die Anliegen der Armen und
die Hinwendung zu den Menschen am Rande der Gesellschaft.
„Papst Leo betont, dass die Meisten nicht selbst Schuld sind an
ihrer Not, sondern hineingeboren oder davon überfallen werden. Man
denke nur an die Kriege unserer Tage“, so Krautwaschl. Dabei bleibe
Leo nicht bei der Analyse stehen, sondern nenne auch „Gegenmittel“:
„Eine gute Bildung für alle, eine Sozialpolitik, die die Armen ernst
nimmt, und schließlich ein Umdenken von allen Menschen, Not
anzuerkennen und zu helfen, wie das möglich ist.“
Elbs: „Ein gutes Leben für alle ist keine Utopie“
Aus Sicht des österreichischen „Caritasbischofs“ Benno Elbs
gelingt Papst Leo XIV. mit seinem neuen Schreiben „Dilexi te“ die
inhaltliche Anknüpfung sowohl an die von Papst Franziskus (2013-2025)
betonte „Option für die Armen“ als auch an die Soziallehre von Papst
Leo XIII. (1878-1903), der bereits im 19. Jahrhundert die prekäre
Situation der Arbeiter und Arbeiterinnen in den Mittelpunkt stellte.
Der Feldkircher Bischof versteht das Sozialschreiben von Leo XIV.
zudem als Bestätigung und Orientierung der Arbeit der Caritas und
vieler großer und kleiner Initiativen der Nächstenliebe und
Solidarität, wie er am Donnerstag erklärte.
„Die Not unserer Mitmenschen darf uns nicht kalt lassen. Mehr
noch: Als Christinnen und Christen muss uns der ‚Schrei der Armen‘ in
unserem Innersten berühren“, sagte Elbs. „Solidarität mit den
Menschen am Rande, die bedingungslose Liebe zu ihnen durchzieht als
eine der großen Lebensadern den christlichen Glauben.“
Das erste Lehrschreiben Papst Leos lese er als Weiterentwicklung
in großer Kontinuität des solidarisch-mitmenschlichen Gedankens, so
der Bischof: „Als Geschöpfe Gottes sind wir Brüder und Schwestern.
Das Leid der Anderen ist auch unser Leid und das Arbeiten an einem
guten Leben für alle ist keine Utopie, sondern Auftrag an uns alle.“
(Apostolisches Schreiben Dilexi te im gesamten Wortlaut auf der
Vatikan-Website: https://www.vatican.va/content/leo-
xiv/de/apost_exhortations/documents/20251004-dilexi-te.html)
(Kathpress-Themenpaket mit allen aktuellen Meldungen zur
Veröffentlichung des Papstschreibens „Dilexi te“ abrufbar unter
www.kathpress.at/dilexi-te)
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