Österreichischer Anti-Korruptionstag 2026: Homo corruptus – ist der Mensch von Natur aus korrupt?

Wien (OTS) – Der Österreichische Anti-Korruptionstag 2026 des
Bundesamts zur
Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK), der am 8.
April 2026 in Wien stattfand, widmete sich dem Thema „Homo corruptus?
Korruption (sozial-) wissenschaftlich erklärt“. Rund 150
Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vorrangig aus der öffentlichen
Verwaltung und staatsnahen Betrieben, besuchten die Veranstaltung.

„Trägt der Mensch etwas Korruptes in sich? Gibt es so etwas wie
einen „Homo corruptus“? Oder sind es die äußeren Einflüsse, das
organisationale und gesellschaftliche Umfeld, die einen Menschen
korrupt werden lassen?“, sagte Otto Kerbl, Direktor des BAK, in
seinen Begrüßungsworten und stellte damit die zentralen Fragen für
die diesjährige Veranstaltung. Das Befassen mit dem Thema aus
unterschiedlichen Perspektiven und Disziplinen sei nicht nur
hochinteressant, sondern auch wichtig. „Wie auch internationale
Erfolgsbeispiele zeigen, kann jedenfalls mit der Schaffung richtiger
institutioneller Rahmenbedingungen Korruption verhindert und das
Vertrauen in die öffentliche Verwaltung gestärkt werden.“

„Durch die Kombination aus psychologischen, soziologischen und
politikwissenschaftlichen Perspektiven kann ein umfangreich(er)es
Verständnis von Korruption (weiter)entwickelt werden, das die
komplexen Wechselwirkungen zwischen individuellen, organisationalen
und institutionellen Faktoren berücksichtigt. Nur so können effektive
Strategien zur Prävention und Bekämpfung von Korruption erfolgreich
umgesetzt werden“, sagte BMI-Sektionschef Mathias Vogl in seinen
einleitenden Worten.

“Der Öffentliche Dienst hat eine besondere Vorbildfunktion
hinsichtlich Transparenz, Integrität und verantwortungsvollem
Handeln. Das sind zentrale Voraussetzungen für das Vertrauen der
Bürgerinnen und Bürger in einen gut funktionierenden Staat. Das
Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung leistet
dazu einen wichtigen Beitrag”, hielt Reinhard Zimmermann,
Vorsitzender-Stellvertreter der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und
Gastgeber der Veranstaltung, in seinen Eröffnungsworten fest.

Korruption aus psychologischer, soziologischer und
politikwissenschaftlicher Perspektive

Der renommierte Kriminalpsychologe, Fallanalytiker und Buchautor
Thomas Müller ordnete das Thema Korruption aus
kriminalpsychologischer Sicht bei seiner Keynote-Rede ein: „Das
Phänomen Korruption ist derart komplex, dass nur eine
interdisziplinäre Betrachtungsweise Hoffnung auf ein breiteres
Verständnis von Ursache, Wirkung und vor allem Prävention
ermöglicht.“

Auch Markus Pohlmann, Professor für Soziologie am Max-Weber-
Institut der Universität Heidelberg, Deutschland, schilderte seine
Sichtweise bei seiner Rede mit dem Titel „Geld ist nur die halbe
Wahrheit – Organisationale Kriminalität und Korruption“. Laut
Pohlmann ist aktive Korruption weder einfach eine Funktion
individueller Kriminalität noch illegalen persönlichen Nutzens.
Vielmehr sind es die ungeschriebenen Regeln des Unternehmens, welche
dem regelwidrigen Verhalten Legitimität verleihen.

Abschließend hob Ina Kubbe, Politologin und Adjunct Professor an
der Tel Aviv University, Israel, die aufgrund der Sicherheitslage
online zugeschaltet wurde, die Wichtigkeit einer mehrdimensionalen
Betrachtung des Themas in ihrer Keynote-Rede „Fehlverhalten mit
System: Warum Korruption individuell beginnt – und politisch stabil
bleibt“ hervor. Für Kubbe entsteht Korruption nicht im Verborgenen,
sondern in institutionellen Strukturen und politischen Ordnungen, die
wir alle mitgestalten.