„Österreich ist für die heimischen Universitäten kein sicherer Hafen mehr“

Wien (OTS) – Die Bundesregierung hat die Universitätenkonferenz
informiert, dass
sie eine Kürzung der Universitätsbudgets plant. Die Kürzung soll in
einer bisher beispiellosen Form erfolgen, nämlich nicht nur durch ein
Einfrieren des derzeitigen Budgets und eine Nicht-Abgeltung von
Kostensteigerungen. Es soll eine volle Milliarde vom derzeitigen
Budget gekürzt werden.

Die Ausgangslage der laufenden Leistungsvereinbarungsperiode 2025
– 2027 sind 16,5 Milliarden inklusive Ärzt:innengehälter an den
Universitätskliniken. Die Universitäten hatten moderat auf Basis der
WIFO-Prognosen errechnet, dass es in der kommenden LV 2028-2030 einen
Bedarf von 18 Milliarden gibt, nur um Kostensteigerungen abzufangen.
Die Universitäten hatten auf Rücksicht auf die ernste Lage des
Bundeshaushalts auf Offensivforderungen verzichtet.

Die Antwort der Bundesregierung ist, die
Universitätenfinanzierung auf 15,5 Milliarden zu kürzen. Das bedeutet
ein Minus von sechs Prozent gegenüber der Ausgangsbasis und ein Minus
von 2,5 Milliarden oder 13,9 Prozent gegenüber dem tatsächlichen
Finanzierungsbedarf .

Zwtl.: “Offenbarungseid der Bundesregierung”

Die Regierung will im Doppelbudget 27/28 2,5 Milliarden Euro
einsparen. Im Vergleich dazu ist die Einsparung bei den Universitäten
von 2,5 Milliarden in drei Jahren absolut unverhältnismäßig. Der
Anteil der Universitäten am Gesamtbudget beträgt vier Prozent, an den
Universitäten entfalten Kürzungen in genannter Größenordnung
verheerende Wirkung.

„Das ist ein Offenbarungseid, welchen Stellenwert diese
Bundesregierung den Universitäten einräumt“, sagt uniko-Präsidentin
Brigitte Hütter auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem uniko-
Vizepräsidenten, MedUni Wien-Rektor Markus Müller, dem Rektor der
Universicht Wien, Sebatian Schütze und dem Rektor der Technischen
Universität Wien, Jens Schneider. Es sei „ernüchternd“ und
„enttäuschend“, so Hütter, gerade von dieser Regierung mit einem
derartigen Vertrauensbruch konfrontiert zu werden. „Sie hat sich als
safe haven für Wissenschafter:innen präsentiert, die vor Trump
fliehen. Nun ist Österreich nicht einmal für die heimischen Unis ein
sicherer Hafen.“

Zwtl.: EU will Wissenschaftsbudget verdoppeln, Österreich kürzt

Wie in der Wirtschaft sind gerade auch in der Wissenschaft
Verlässlichkeit und langfristige Finanzierungen Voraussetzungen für
Erfolg. Deswegen spielt auch die Planungssicherheit im
Universitätsgesetz eine große Rolle. Das UG, die Autonomie der
Universitäten, sind eine Erfolgsgeschichte, um die uns viele in
Europa beneiden. Für den bisherigen Erfolgsweg sind die geplanten
Kürzungen ein mehr als herber Schlag und es wird lange dauern, sich
davon zu erholen.

Auf EU-Ebene versucht man gerade, das Budget für Wissenschaft und
Forschung zu verdoppeln, jedenfalls massiv zu erhöhen (von knapp 100
auf mindestens 175 Milliarden), um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der
uniko wurde im Zuge der Budgetinformation wortwörtlich mitgeteilt:
„Wissenschaft und Forschung sind keine Schwerpunkte dieser
Bundesregierung.“

Hütter: „Wenn das wirklich so ist, kann ich dazu nur sagen: Dann
sind Investitionen in die Zukunft, dann sind die Ausbildung von
Fachkräften, die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft des
Landes sowie die Forschung zur Lösung von drängenden Problemen wie
dem Klimawandel keine Schwerpunkte dieser Bundesregierung.“

Zwtl.: Auswirkung von Kürzungen in Zahlen

Die Expertinnen und Experten in den Universitäten haben sich am
Dienstag mit den Kürzungsplänen der Bundesregierung
auseinandergesetzt und errechnet, was sie bedeuten.

2,5 Milliarden Fehlbetrag in der LV 28/30 bedeutet
durchschnittlich 800 Millionen Fehlbetrag pro Jahr .

Ein paar Vergleichswerte:

– Studienbeiträge aller Universitäten: knapp 60 Mio. (2024)

– Drittmittel aller Universitäten: rd. 1 Mrd. (2024)

– Personalaufwand aller Universitäten (inkl. Drittmittel): rd. 4 Mrd.
(2024)

Zwtl.: Finanzierungslücke trifft wissenschaftlichen Nachwuchs und
Personal

700 Mio. Ꞓ im Jahr bedeuten eine Kürzung um rund 20 Prozent des
Personals, damit kann jede fünfte Person nicht mehr beschäftigt
werden .

Frage an die Politik: Wie sollen Lohnrunden künftig bezahlt
werden? Durch Kompensationskündigungen? Und wie sollen die
geforderten Entfristungen von Jungwissenschafter:innen möglich
werden?

Zwtl.: Auswirkung auf die Studienqualität

Die Betreuungsverhältnisse zwischen Lehrenden und Studierenden
sind eine Grundvoraussetzung guter Studienqualität und werden auch in
einigen wichtigen Rankings bewertet. Bezogen auf „Professor:innen und
Äquivalente“ würde die geplante Budgetkürzung eine Reduktion von
insgesamt 1000 Vollzeitarbeitsplätzen bedeuten. Das
Betreuungsverhältnis würde dadurch von derzeit 1:34 auf 1:42 steigen.
Das würde die Ziele des Wissenschaftsministeriums im österreichischen
Hochschulplan 2030 konterkarieren, dort ist ein Zielwert von 1:35
vorgegeben.

Zwtl.: Die Finanzierungslücke trifft den Arbeitsmarkt

Verlängert sich die Studiendauer um ein zusätzliches Jahr, hat
das weitreichende Folgen für den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche
Wertschöpfung. Absolvent:innen treten dadurch später in den
Arbeitsmarkt ein, wodurch Fachkräfte fehlen.

Allein im Wintersemester 2025 betrifft dies knapp 40.000
Absolvent:innen (= 40.000 Lebensjahre(!)), die infolge der
Studienverlängerung erst ein Jahr später dem Arbeitsmarkt zur
Verfügung stehen würden.

Zwtl.: Verlust der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der
österreichischen
Wirtschaft

Eine faktische Kürzung um 14 % gegenüber dem inflationsbedingt
erforderlichen Budget trifft nicht nur die Universitäten – sie trifft
die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs als Technologie- und
Wirtschaftsstandort im Kern. Weniger Absolvent:innen aus den
Universitäten – genau wenn Wirtschaft und Forschung mehr brauchen,
nicht weniger. Vor allem in neuen Technologien wie KI oder
Cybersecurity.

Zwtl.: Kollaps der universitätsmedizinischen Versorgung

Die vier Universitätskliniken Wien, Graz, Linz und Innsbruck
stellen das Rückgrat der spitzenmedizinischen Versorgung in
Österreich dar und sind in vielen Fällen die einzige und letzte
Anlaufstelle für schwere und spezielle Erkrankungen. Das
Universitätsklinikum AKH Wien leistet aktuell etwa ein Drittel der
Versorgungsleistung in Wien. Darüber hinaus werden ein Großteil der
österreichischen Fachärzt:innen und Medizinabsolvent:innen an den
vier Unikliniken ausgebildet. Einsparungen in der von der Regierung
geplanten Größe hätten einen Kollaps der universitätsmedizinischen
Versorgung und einen massiven Abbau von Ärzt:innen in Österreich zu
Folge.

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