ÖH warnt vor neuen Studiengebühren für ausländische Studierende

Wien (OTS) – Immer wieder tauchte medial in den letzten Wochen die
Forderung nach
deutlich höheren Studiengebühren für Studierende aus Drittstaaten
auf. Wie auch Bundesministerin Holzleitner lehnt die Österreichische
Hochschüler_innenschaft diese Forderung klar ab. Gerade in Zeiten, in
denen fremdenfeindliche Stimmen die Debatten dominieren und
rassistische Ressentiments Fahrt aufnehmen, sei die Signalwirkung
dieser Forderungen fatal. „Österreich muss weltoffen und
international ausgerichtet sein – genau wie seine Hochschulen.
Ausländische Studierende sind keine Belastung für das Budget, sondern
eine Bereicherung für unsere Gesellschaft und die Forschung“, so
Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz.

Zwtl.: Situation schon jetzt prekär

Die Situation von vielen Studierenden aus Drittstaaten ist schon
jetzt alles andere als rosig. Die finanzielle Lage hat sich im
vergangenen Jahr nochmal verschärft: Im Referat für ausländische
Studierende der ÖH ist die Zahl der Beratungen um rund 33% gestiegen
. Das hat auch mit der Zunahme globaler Krisen zu tun: Zuletzt stieg
die Unsicherheit mit dem Krieg im Iran. Die Folgen sind unter
iranischen Studierenden noch heute spürbar. Mit dem SAFE Fund konnte
die ÖH gemeinsam mit dem BMFWF hunderte Studierende finanziell
unterstützen.

Ausländische Studierende kämpfen schon jetzt mit massiven
bürokratischen Hürden. Während sich Personen mit einem EU-Pass
zumindest mit einem Nebenjob über Wasser halten können, haben viele
Studierende aus Drittstaaten diese Möglichkeit nur sehr
eingeschränkt. Trotzdem müssen sie schon jetzt doppelte
Studiengebühren entrichten – über 700 Euro pro Semester. Die ÖH
fordert, dass diese diskriminierende Regelung abgeschafft wird: “Wie
erklären wir Studierenden aus dem Iran oder der Ukraine, dass ihre
Gebühren vervielfacht werden? Diese Forderung geht völlig gegen den
Gleichheitsgrundsatz. Eine Umsetzung wäre nicht nur unmoralisch,
sondern diskriminierend,” kritisiert Selina Wienerroither aus dem ÖH-
Vorsitz.

Zwtl.: Beitrag zum Budget überschaubar

Ehrlich sei die Forderung nach höheren Gebühren ohnehin nicht.
Denn wer wirklich ein Interesse an abgesicherten Universitätsbudgets
hat, erkennt, dass diese mit Studiengebühren nicht zu retten sind.
Studiengebühren machen nur ungefähr 1% des Universitätsbudgets aus,
eine Erhöhung bringt Einnahmen im Promillebereich, stellt jedoch eine
weitere Hürde für Studierende dar. So rückt der freie Hochschulzugang
wieder ein Stück weiter außer Reichweite. Es entsteht der Eindruck,
dass auf Kosten einer Minderheit politisches Kapital geschlagen
werden soll.

„Wer ausländische Studierende jetzt zur Kasse bitten will, ist
nicht an einer Lösung orientiert, sondern betreibt billigen
Populismus. Wer wirklich will, dass der Staat auch wirtschaftlich
profitiert, muss am Abbau der massiven Hürden für internationale
Absolvent_innen arbeiten“, so Umut Ovat aus dem ÖH-Vorsitz. Viele
internationale Studierende verlassen Österreich nach dem Studium
wieder, weil Restriktionen und Hürden die Chancen am Arbeitsmarkt
untergraben. Statt ihnen neue Gebühren aufzuerlegen, muss Österreich
den Zugang erleichtern und neue Perspektiven schaffen, um
Absolvent_innen im Land zu halten.