ÖGB-Schuberth: Arbeitskosten allein sagen nichts über Wettbewerbsfähigkeit aus

Wien. (OTS) – „Die aktuellen Vergleiche der Arbeitskosten erzählen
nur die halbe
Geschichte“, kommentiert ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene
Schuberth. Österreich hatte 2025 im EU-Vergleich die fünfthöchsten
Arbeitskosten. Gleichzeitig ist auch die Wertschöpfung je geleisteter
Arbeitsstunde hoch.

„Für die Wettbewerbsfähigkeit ist nicht entscheidend, was eine
Arbeitsstunde allein kostet, sondern vor allem, was in dieser
Arbeitsstunde erwirtschaftet wird“, so Schuberth. Länder mit
niedrigeren Arbeitskosten weisen vielfach auch eine geringere
Wertschöpfung je Arbeitsstunde auf.

Hohe Löhne brauchen hohe Produktivität

„Unser Wohlstand beruht darauf, dass wir ein vergleichsweise
hohes Lohnniveau mit hoher Produktivität verbinden. Wir werden nicht
wettbewerbsfähiger, wenn wir versuchen, zum Niedriglohnland zu
werden“, sagt Schuberth.

Richtig sei allerdings, dass sich die Produktivität in Österreich
zuletzt schwach entwickelt habe. „Die Antwort darauf kann aber nicht
lauten, Löhne oder soziale Absicherung zu reduzieren. Wir müssen
vielmehr dafür sorgen, dass die Produktivität wieder stärker wächst.“

Dafür brauche es Investitionen in Forschung und Innovation,
Digitalisierung und Infrastruktur, eine Fachkräfteoffensive sowie
leistbare Energie. „Wenn wir wettbewerbsfähiger werden wollen, müssen
wir die Wertschöpfung erhöhen – nicht die Arbeit billiger machen.“

Lohnnebenkosten finanzieren Sozialstaat

Auch die Debatte über Lohnnebenkosten greife zu kurz, wenn deren
Funktion ausgeblendet werde. „Die Darstellung, Lohnnebenkosten, die
ja Teil der Arbeitskosten sind, wären eine zu große Belastung für
Unternehmen, ist nicht seriös. Zudem finanzieren zentrale Leistungen
des Sozialstaats – von Pensionen und Gesundheitsversorgung über
Familienleistungen bis zur Absicherung bei Arbeitslosigkeit und
Insolvenzen“, so Schuberth: „Die entscheidende Standortfrage lautet
daher nicht: Wie machen wir Arbeit möglichst billig? Sondern: Wie
schaffen wir mehr Wertschöpfung pro Arbeitsstunde?“