Wien (OTS) – Die zunehmende Digitalisierung des Autos eröffnet
Kfz-Herstellern ein
zusätzliches Geschäftsfeld: Funktionen wie Navigation, App-Steuerung
oder Remote-Zugriff auf Fahrzeugdaten sind immer häufiger mit
Zusatzkosten verbunden. Daraus ergeben sich völlig neue
Problemstellungen, beispielsweise in Hinblick auf Preistransparenz,
Kosten für sicherheitsrelevante Funktionen oder eine eventuelle
Wertminderung, weil nur Erstbesitzer:innen bestimmte Dienste
kostenlos nutzen können. Grund genug für den Mobilitätsclub,
gemeinsam mit seinen Partnern die digitalen Angebote ausgewählter Kfz
-Hersteller und entsprechende Drittanbieter-Apps zu untersuchen.
Zwtl.: Nutzungszeit, Kosten- und Produktstruktur bei Kfz-Hersteller-
Apps kaum zu durchschauen
Für ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl ergibt sich aus der
Untersuchung ein konfuses Gesamtbild: “Preisgestaltung,
Funktionsumfang, Transparenz – es gibt keine Möglichkeit, die
tatsächlichen Kosten und den Mehrwert digitaler Dienste realistisch
einzuschätzen. Ohne klare, frei verfügbare Informationen ist jeder
Vergleich im besten Falle unvollständig und häufig nicht einmal nach
dem Fahrzeugkauf möglich.”
Bereits beim kostenlosen Nutzungszeitraum für Remote-Dienste
wurden große Unterschiede festgestellt: Während bei manchen Marken –
darunter Audi, Opel oder VW – bis zu zehn Jahre inkludiert sind,
fallen bei anderen schon nach deutlich kürzerer Zeit Zusatzkosten an.
„Wieder andere Hersteller kommunizieren überhaupt keinen klar
definierten Zeitraum für die freie Nutzung“, hält Kerbl fest.
Dauerhaft kostenlosen Zugriff bot von den untersuchten Marken
lediglich NIO an.
Die mangelnde Transparenz betrifft auch die Preisgestaltung an
sich: Bei Navigation und Infotainment reichen kostenlose Phasen von
drei Monaten bis zu mehreren Jahren. Die teils erheblichen Gebühren
nach diesem Zeitraum folgen keinem klaren Muster: Manche Hersteller
verrechnen ihre Kosten jährlich, manche pro Monat, oft findet man –
je nach Funktionsumfang – auch unterschiedlich teure Pakete. „Es gibt
sogar Hersteller, die die Kosten erst kurz vor Ende der gratis-Phase
kommunizieren“, so der ÖAMTC-Experte. “Zusätzlich leiden viele
Produkte unter mangelnder Bedienfreundlichkeit und ‚verstecken‘
wichtige Infos.”
Zwtl.: Drittanbieter-Apps als Alternative?
Analysiert wurden auch Hersteller-unabhängige Apps, die speziell
für E-Auto-Nutzer:innen relevant sind. Kerbl: “Gerade hier spielt die
Konnektivität eine wichtige Rolle – sei es zur Planung von Ladestopps
oder zur Verfolgung des Ladefortschritts per Smartphone. Hier bieten
Apps von Drittanbietern vergleichbare Funktionen wie die der
Hersteller, sind aber oft günstiger und flexibler.”
Auf kostenlose Alternativen, die mit den integrierten Lösungen
der Kfz-Hersteller mithalten können, sollte man allerdings nicht
hoffen. „Gratis-Dienste wie Google Maps bleiben funktional reduziert
und eignen sich vor allem für sehr erfahrene Nutzer:innen. Wer ‚mehr‘
möchte oder braucht, muss auch bei den Drittanbietern mit einem
kostenpflichtigen Abo kalkulieren, erhält dann aber sehr detaillierte
und umfangreiche Funktionen“, erklärt Kerbl.
Zwtl.: Digitale Dienste und deren Nutzung – die Forderungen des
Mobilitätsclubs
Von den Kfz-Herstellern fordert ÖAMTC-Experte Kerbl: “Digitale
Dienste, die für die sichere und zuverlässige Nutzung des Fahrzeuges
relevant sind, müssen über dessen gesamten Lebenszyklus kostenfrei
verfügbar sein – darunter fallen etwa Sicherheitsupdates und
Diagnoseinformationen. Bei Komfortfunktionen, beispielsweise Karten-
Updates für die Navigation, braucht es volle Transparenz bei Preisen
und Leistungsumfang – es kann nicht sein, dass man sich erst
registrieren muss, um zu erfahren, wie viel nach Ablauf einer
kostenlosen Testphase zu bezahlen ist.”
Auch in Hinblick auf den Wertverlust eines Fahrzeugs ergeben sich
aus der zunehmenden Digitalisierung Problemstellungen. Aus Sicht des
Mobilitätsclubs muss gewährleistet sein, dass digitale Abos beim
Fahrzeugwechsel nicht einfach verfallen: “Wenn Kund:innen für einen
Dienst bezahlt haben, muss dieser entweder unkompliziert übertragbar
sein oder vollständig mit dem Fahrzeug an Folgenutzer:innen
weitergegeben werden können.”
Ein wichtiger Tipp des ÖAMTC-Experten: „Wer Smartphone und Auto
per App miteinander gekoppelt hat, sollte beim Verkauf des Fahrzeugs
unbedingt alle Verbindungen zurücksetzen. Umgekehrt sollten auch
Gebrauchtwagenkäufer:innen darauf achten, dass alle vorherigen
Verbindungen getrennt wurden – nur so ist sichergestellt, dass fremde
Personen keinen Zugriff auf sensible Daten oder Kfz-Funktionen
haben.“ Tipps und Infos dazu gibt es auf der Website des
Mobilitätsclubs.
Grundsätzlich fordert der Mobilitätsclub als Interessenvertretung
für über 2,6 Millionen Mitglieder, EU-weit endlich eine
konsument:innenfreundliche Regelung zum Umgang mit Daten aus dem Auto
zu schaffen. Mehr dazu gibt es auf der Website des ÖAMTC.
Aviso an die Redaktionen: Fotos zu dieser Aussendung gibt es im
ÖAMTC-Presseportal zum Download.