Wien (OTS) – Mut, Zivilcourage und Engagement – damit zeichnen sich
die Held:innen
der Straße aus, sorgen für mehr Sicherheit auf Österreichs Straßen
und retten Leben. Heute (Dienstag) wurden sie für ihren
außergewöhnlichen Einsatz mit den Ö3-Verkehrsawards geehrt: Hitradio
Ö3, das Bundesministerium für Inneres und das Bundesministerium für
Innovation, Mobilität und Infrastruktur haben Marlene Sapotnik und
Alexander Goriupp („Ö3ver:innen des Jahres“), den
Niederösterreichischen Straßendienst, die Ortsfeuerwehr Rankweil (
„Einsatzhelfer:innen des Jahres“), das Bezirkspolizeikommando Zell am
See sowie das Team ASFINAG ASG („Idee des Jahres“) mit den 23. Ö3-
Verkehrsawards prämiert.
Verliehen wurden die Ö3-Verkehrsawards heute im Ö3-Haus am
Küniglberg von ORF-Radiodirektorin Ingrid Thurnher, Bundesminister
für Inneres Gerhard Karner und Bundesminister für Innovation,
Mobilität und Infrastruktur Peter Hanke.
Kategorie „Ö3ver:innen des Jahres“:
Preisträger:innen: Marlene Sapotnik aus Deutschlandsberg und
Alexander Goriupp aus Gamlitz
Zivilcourage statt Wegschauen – Rettung im letzten Moment
Marlene Sapotnik und Alexander Goriupp, zwei Mitarbeiter:innen
eines steirischen Energieversorgers, waren am 12. November am späten
Nachmittag auf dem Heimweg von einem Einsatz bei einem
Windkraftprojekt nahe Soboth. Die Bedingungen auf der südsteirischen
Grenzstraße (B69) waren schlecht – dichter Nebel, einsetzende
Dunkelheit. Dennoch fiel den beiden ein flackerndes Licht abseits der
Straße auf. Was zunächst wie ein harmloser Lichtschein aussah,
entpuppte sich Sekunden später als ein in Brand geratenes
Unfallfahrzeug. Ohne zu zögern, wendete Marlene Sapotnik das Auto und
fuhr zurück zur Stelle. Alexander Goriupp, ausgebildeter
Feuerwehrmann und Ersthelfer, rannte los. Im Unfallwrack saß der
bewusstlose Lenker – unter dem Fahrzeug schlugen bereits Flammen
heraus. Goriupp riss die Tür auf, ertastete den Verletzten und zog
ihn mit aller Kraft aus dem Auto. Nur Augenblicke später stand das
Fahrzeug in Vollbrand. Währenddessen blieb Marlene Sapotnik ruhig,
alarmierte die Einsatzkräfte und koordinierte den Notruf mit
erstaunlicher Klarheit – trotz des Schocks und der schlechten
Netzabdeckung.
Der Lenker überlebte schwer verletzt – nur dank des couragierten
Handelns der beiden Ersthelfer:innen. Wochen später meldete sich
seine Lebensgefährtin telefonisch bei den beiden, um sich persönlich
zu bedanken. Der Lenker selbst hat keine Erinnerung an den Unfall –
wohl aber daran, dass ihm zwei Menschen das Leben gerettet haben.
Was viele in einem flüchtigen Moment übersehen hätten, hat dank
der Aufmerksamkeit und dem Mut von Sapotnik und Goriupp ein Leben
gerettet. „Wir wussten sofort: Da stimmt etwas nicht“, so Sapotnik.
„Da war kein langes Überlegen. Man bleibt stehen, man hilft.“ Gerade
in Zeiten, in denen oft aus Unsicherheit oder Angst im Ernstfall
nicht reagiert wird, ist diese Geschichte ein leuchtendes Beispiel
für echte Zivilcourage.
Für diesen selbstlosen Einsatz erhalten Marlene Sapotnik und
Alexander Goriupp den diesjährigen Ö3-Verkehrsaward in der Kategorie
„Ö3ver:innen des Jahres“.
Kategorie „Einsatzhelfer:innen des Jahres“:
Preisträger:innen: Bezirkspolizeikommando Zell am See
Verkehrspolizeiliche Spitzenleistung bei der Ski-WM in Saalbach
Bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2025 in Saalbach zeigten
nicht nur die Sportler:innen Höchstleistungen, sondern auch die
Verkehrsplanung. Bis zu 12.000 Gäste täglich, Ferienzeit, nur eine
zentrale Talzufahrt – eine hochkomplexe Aufgabe.
In enger Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft Zell am
See hat die Landespolizeidirektion Salzburg ein umfassendes
Verkehrskonzept für das enge Glemmtal entwickelt, das Maßstäbe
setzte: Großparkplätze außerhalb, eng getaktete Shuttlebusse,
Einbahnregelungen und lückenlose Kontrolle entlang der gesamten
Strecke. Unterstützt wurde die Polizei Salzburg von rund 45
Beamt:innen täglich – aufgeteilt auf mehrere Abschnitte. Freiwillige
aus allen Bundesländern kamen zum Einsatz. Während der Großteil der
Verkehrsteilnehmer:innen diszipliniert agiert hat, gab es auch
Herausforderungen. Einige wenige hielten sich nicht an die Regeln,
etwa durch Missachtung von Sperrzonen. Doch mit Präsenz, Ruhe und
Fingerspitzengefühl wurde auch das souverän gelöst und durch rasche
Maßnahmen vor Ort entschärft.
Für die konsequente Umsetzung und die enge Zusammenarbeit mit
allen Beteiligten erhält das Bezirkspolizeikommando Zell am See –
stellvertretend für die vielen, die mitgeholfen haben:
Bezirkshauptmannschaft, Einsatzorganisationen, Freiwillige etc. – den
Ö3-Verkehrsaward in der Kategorie „Einsatzhelfer:innen des Jahres“.
Preisträger:innen: Ortsfeuerwehr Rankweil
Einsatz unter Hochspannung: Feuerwehr Rankweil meistert Einsatz nach
E-Bus-Unfall mit höchster Präzision
Am Morgen des 12. Juni 2024 kam es im Zentrum von Rankweil zu
einem schweren Unfall mit einem vollelektrischen Linienbus. Der
Fahrer erlitt einen medizinischen Notfall, verlor die Kontrolle über
das Fahrzeug und durchbrach mit dem Bus eine Werbesäule, ein
Bushäuschen und die Schaufensterfassade eines Geschäfts. Erst an der
Mauer eines Kindergartens kam das Fahrzeug zum Stillstand. Glück im
Unglück: Der Unfall ereignete sich gegen 7.20 Uhr – wenige Minuten
bevor Kinder und Pendler:innen die Bushaltestelle am Konkordiaplatz
normalerweise frequentieren. Dass sich zu diesem Zeitpunkt niemand im
direkten Gefahrenbereich befand, war ein außergewöhnlicher
Glücksfall.
Gefährliches Einsatzszenario: Hochvolt-Akkus unter Spannung
Was den Einsatz nach dem Unfall besonders anspruchsvoll machte:
Es handelte sich um ein vollelektrisches Fahrzeug mit Hochvolt-
Batterien. Bricht bei einem solchen Bus ein Brand aus, kann sich die
Lithium-Ionen-Batterie thermisch verselbstständigen. Der Brand ist
dann kaum zu löschen und es können über Stunden hinweg giftige Gase
und extreme Hitze freigesetzt werden. Schon im Normalbetrieb ist der
Umgang mit diesen Hochvoltsystemen gefährlich, wenn das Fahrzeug
nicht fachgerecht abgeschaltet wird.
Die Feuerwehr Rankweil ist auf genau solche Szenarien
vorbereitet. Mithilfe einer eigens vom Landesfeuerwehrverband
Vorarlberg zur Verfügung gestellten App können die Einsatzkräfte
direkt am Einsatzort auf hersteller- und fahrzeugspezifische
Rettungsdaten zugreifen – etwa auf die Position der Notabschaltung,
die Stromkreisläufe und Gefahrenzonen des Fahrzeugs. Dank
regelmäßiger Schulungen zu Elektromobilität und digital gestütztem
Wissen konnte das Team das Fahrzeug schnell und sicher spannungsfrei
schalten – ein entscheidender Schritt, um weitere Gefahren für
Einsatzkräfte und Umfeld zu verhindern.
Für diesen technisch anspruchsvollen Einsatz erhält die Feuerwehr
Rankweil den Ö3-Verkehrsaward in der Kategorie „Einsatzhelfer:innen
des Jahres“.
Preisträger:innen: Niederösterreichischer Straßendienst
Wenn das Land stillzustehen droht
Wenn in Österreich die Straßen untergehen, steht das Leben still.
Denn unsere Straßen sind mehr als Asphalt – sie sind die Lebensadern
des Landes. Sie bringen Hilfe dorthin, wo sie gebraucht wird. Und
wenn diese Wege versperrt sind, dann braucht es Menschen, die sie
freimachen – zu jeder Tages- und Nachtzeit. Beim verheerenden
Hochwasser im September 2024 stand in Niederösterreich vieles unter
Wasser. Mehr als 370 Straßen waren gleichzeitig gesperrt. Ortsteile
waren von der Außenwelt abgeschnitten, Rettung unmöglich – wären da
nicht jene gewesen, die einfach geblieben sind. Die nicht gefragt
haben, wie spät es ist, wie lange sie schon unterwegs sind – sondern
einfach gemacht haben, was getan werden musste.
Straßenmeistereien wie Pottenbrunn und Kirchberg an der Pielach
rückten im Dauereinsatz aus. Mit schwerem Gerät und noch schwererem
Herzen, denn viele waren selbst betroffen und wussten nicht, wie es
der eigenen Familie ging. Sie blieben. Weil sie gebraucht wurden. Sie
räumten Muren, zersägten entwurzelte Bäume, schaufelten Schlamm von
Fahrbahnen – oft mitten in der Nacht, oft ohne zu wissen, wann sie
selbst wieder schlafen würden. „Unsere Priorität war immer, dass die
Einsatzkräfte durchkommen – selbst wenn das bedeutete, dass wir
mitten in der Nacht in einem LKW saßen, um Wege freizuräumen“,
erzählt Stefan Handschuh, Leiter der Straßenmeisterei Pottenbrunn.
Gemeinsam mit Feuerwehren, Gemeinden und Landesgeologie wurden
unpassierbare Strecken wieder befahrbar gemacht – für Rettung,
Katastrophenhilfe, Lebensmitteltransporte. Und während draußen noch
das Wasser stand, flossen aus den Stützpunkten bereits aktuelle
Informationen zur Ö3-Verkehrsredaktion, um ganz Österreich
rechtzeitig warnen und leiten zu können.
Für diesen selbstlosen Einsatz, für den Mut, die Ausdauer und das
stille Heldentum hinter den Absperrbändern wird der
Niederösterreichische Straßendienst mit dem Ö3-Verkehrsaward in der
Kategorie „Einsatzhelfer:innen des Jahres“ ausgezeichnet.
Kategorie „Idee des Jahres“:
Preisträger:innen: ASFINAG ASG
Kommunikation statt Chaos: Neue Verkehrsführung über die Luegbrücke
Die Luegbrücke auf der Tiroler Brennerautobahn A13 hat nach über
55 Jahren ihre statische Lebensdauer erreicht. Ein kompletter Neubau
ist geplant, doch bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2027 muss
der Verkehr über die Transitroute weiter fließen. Im Zentrum steht
eine neuartige Spurführung: Während PKW bis 3,5 Tonnen wie gewohnt
rechts fahren, wird der Schwerverkehr aus statischen Gründen auf die
linke Fahrspur geleitet – also über die stabilere Brückenmitte.
Unterstützt wird diese Maßnahme durch technische Einrichtungen wie
Wiegesensoren, automatische Ampelanlagen und LED-Anzeigen sowie durch
Personal vor Ort. Täglich sind rund 10 bis 12 Mitarbeiter:innen im
Einsatz, um mithilfe eines Live-Kontrollsystems die Einhaltung der
Spurregelung sicherzustellen.
Die Umsetzung war eine kommunikative Herausforderung:
Verkehrsteilnehmer:innen mussten umlernen, internationale
Speditionsunternehmen wurden im Vorfeld informiert, und kurzfristige
Anpassungen – etwa die Umstellung auf Einspurigkeit – werden über
digitale Anzeigetafeln, Websites, Apps und Verkehrsmeldungen
verbreitet. Auch die Polizei und der Ö3-Verkehrsservice sind aktiv
eingebunden. Ein eigens entwickelter Kalender legt im Voraus fest,
wann welche Spurführung gilt. Testphasen im August 2024 zeigten
bereits die Wirksamkeit des Systems, das seit 1. Jänner 2025 in
Betrieb ist. Fazit: Selbst zu Spitzenzeiten, wie etwa rund um
Pfingsten mit bis zu 40.000 Fahrzeugen pro Richtung, funktioniert die
Verkehrsführung ohne Staus – ein Musterbeispiel für moderne
Verkehrslösungen.
Mit diesem innovativen Verkehrskonzept sichert sich das Team
ASFINAG ASG den Ö3-Verkehrsaward in der Kategorie „Idee des Jahres“.
Innovationen im Ö3-Verkehrsservice
Ö3-Verkehrsservice jetzt in ORF Sound verfügbar
Mit einer wegweisenden Neuerung sorgt der ORF für mehr Sicherheit
und Komfort im Alltag: Das Ö3-Verkehrsservice ist ab sofort direkt in
ORF Sound integriert – und bringt aktuelle Verkehrsmeldungen
automatisch und in Echtzeit in jeden ORF-Audioinhalt. Egal ob
Podcast, Nachrichtensendung oder Musikstream – sobald eine neue
Meldung aus der Ö3-Verkehrsredaktion vorliegt, wird der laufende
Inhalt kurz unterbrochen, die Meldung eingeblendet und danach das
Programm nahtlos fortgesetzt.
Dieses Projekt wurde vom ORF selbst entwickelt und durch die
Europäische Rundfunkunion (EBU) gefördert. Es zeigt eindrucksvoll,
wie moderne Medientechnologie mit praktischer Alltagsrelevanz
verbunden werden kann. Die Idee, Verkehrsinformationen dynamisch in
Audioinhalte einzubetten, stößt europaweit auf großes Interesse und
gilt als Vorbild für andere öffentlich-rechtliche Sender. Gerade für
Menschen, die regelmäßig unterwegs sind – ob mit dem Auto oder
öffentlichen Verkehrsmitteln – bietet diese Innovation einen echten
Mehrwert. Sie müssen nicht mehr aktiv nach Verkehrsinformationen
suchen, sondern erhalten sie automatisch und kontextbezogen, ohne den
gewohnten Medienkonsum zu unterbrechen.
„High Scene“ – KI-gestütztes System zur automatisierten
Auswertung von Kamerabildern
Beim 23. Ö3-Verkehrsaward präsentierte Thomas Ruthner, Leiter der
Ö3-Verkehrsredaktion, „High Scene“ – ein KI-gestütztes System zur
automatisierten Erkennung von Verkehrsereignissen anhand von
Kamerabildern. Bislang mussten Redakteur:innen der Ö3-
Verkehrsredaktion die rund 10.000 Verkehrskameras der ASFINAG manuell
durchsuchen, um relevante Ereignisse wie Staus oder Unfälle zu
identifizieren. Dieser zeitintensive Prozess wird künftig durch ein
intelligentes System unterstützt, das im Hintergrund kontinuierlich
Bilddaten und Verkehrssensoren analysiert. Sobald eine Auffälligkeit
– etwa ein plötzlicher Rückstau oder ein blockierter Fahrstreifen –
erkannt wird, schlägt das System automatisch Alarm.
Das von der ASFINAG und der TU Graz entwickelte System erkennt
mithilfe künstlicher Intelligenz Verkehrsbehinderungen wie Staus,
Unfälle oder Baustellen und verarbeitet diese in Echtzeit. Das
Besondere daran: Die KI generiert nicht nur automatisch eine passende
Verkehrsmeldung, sondern liefert auch das zugehörige Kamerabild samt
relevanter Zusatzinformationen. Die Mitarbeiter:innen der Ö3-
Verkehrsredaktion können diese Daten unmittelbar übernehmen,
redaktionell evaluieren und direkt in die Live-Berichterstattung
einfließen lassen. „High Scene“ markiert damit einen bedeutenden
Schritt in Richtung schneller und präziser Verkehrsberichterstattung.
Das System zeigt eindrucksvoll, wie moderne Technologien den
Journalismus unterstützen können – nicht als Ersatz, sondern als
wertvolles Werkzeug, das die Arbeit erleichtert und die Qualität der
Information deutlich erhöht.