Wien (OTS) – Die Arktis erwärmt sich schneller als der globale
Durchschnitt – mit
direkten Folgen für seltene Tiere. Weniger Meereis, wärmere
Ozeanoberflächen und verschobene Nahrungsketten treffen besonders
jene Arten, die an das Leben im Eis angepasst sind – darunter
Eisbären, Walrosse, Ringelrobben und spezialisierte Seevögel wie die
Elfenbeinmöwe. Hinzu kommt die Lebensraumzerstörung durch die rasant
voranschreitende Öl-Industrie in vormals unzugänglichen Gebieten
Grönlands und Kanadas. Der Schiffsverkehr beeinträchtigt Meeressäuger
wie Grönlandwale bei der Kommunikation und auf ihren Wanderungen:
„Als hätten es die Tiere in der Arktis nicht schon hart genug, mit
den Folgen der Erderhitzung zurecht zu kommen. Politische Interessen
und Ressourcengier machen es ihnen noch schwerer, ihre Jungen
großzuziehen und genügend Nahrung zu finden ”, sagt WWF-Artenschutz-
Experte Georg Scattolin.
Neben dem Ausstieg aus fossiler Energie und effizienten
Klimaschutzmaßnahmen fordert der WWF daher ausgewiesene
Schutzgebiete, in die sich die Tiere zurückziehen können. „Vor allem
während der Aufzucht ihrer Jungen brauchen die Tiere ungestörte Ruhe
vor menschlichen Aktivitäten. Langfristig braucht es aber die
Ausweisung von unantastbaren Gebieten, in denen Bohrungen,
Schifffahrt oder sonstigen Eingriffe in die Natur verboten sind –
ansonsten werden wir die seltenen arktischen Arten für immer
verlieren”, sagt Georg Scattolin.
Fehlendes Packeis mit verheerenden Folgen für die Tierwelt
Die Folgen des fehlenden Packeises für die Tierwelt sind vielfältig:
Eisbären sind auf Meereis als Jagdgebiet angewiesen. Wenn das Meer
später zufriert und früher schmilzt, sinken ihre Jagdchancen – das
ist besonders kritisch für Weibchen mit Nachwuchs. Walrösser nutzen
das Packeis als Ruheplatz zwischen ihren Tauchgängen. „Bei fehlendem
Eis weichen sie zunehmend auf sogenannte Massen-„Haulouts“ – also
überfüllte Ruheplätze – an den Küsten aus. Das erhöht den Stress, den
Energieaufwand und das Risiko von den eigenen Artgenossen zertrampelt
zu werden – vor allem für Jungtiere”, sagt Scattolin vom WWF
Österreich.
Auch Ringelrobben sind auf stabile Eisflächen und ausreichend Schnee
für ihre Wurfhöhlen angewiesen. Was passiert, wenn sie fehlen, zeigt
das jüngste Update der roten Liste für gefährdete Tierarten: Gleich
drei arktische Robbenarten wurden 2025 auf der Roten Liste
hochgestuft. Die Klappmütze ( Cystophora cristata ) gilt nun als
„stark gefährdet“, nachdem ihr Bestand stark gesunken ist. Auch die
Bartrobbe ( Erignathus barbatus ) und die Sattelrobbe ( Pagophilus
groenlandicus ) wurden neu als „gering gefährdet“ eingestuft, vorher
galten sie als „nicht gefährdet“. Der Status der Walrosse (Odobenus
rosmarus) als „gefährdet“ wurde 2025 erneut bestätigt. „Wir sehen
schon deutlich, welche dramatischen Folgen die menschlichen Einflüsse
auf diese sensible Tierwelt haben. Wenn wir nicht schnell umlenken
und die verbleibenden Gebiete schützen, riskieren wir die Tiere der
Arktis für immer zu verlieren”, sagt Scattolin.
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