Neuroblastom: Neue Kombinationsmethode spürt versteckte Tumorzellen zuverlässig auf

Wien (OTS) – Verborgene Tumorzellen im Knochenmark sind eine der
größten
Herausforderungen bei der Behandlung des Neuroblastoms, einer der
häufigsten Krebsarten im Kindesalter. Die St. Anna
Kinderkrebsforschung und internationale Partnerzentren haben in einer
neuen Studie entscheidende Fortschritte erzielt: Durch die
Kombination dreier moderner Analyseverfahren können bislang schwer
erkennbare Tumorzellen zuverlässiger identifiziert werden.

Das Neuroblastom ist der häufigste solide Tumor außerhalb des Gehirns
bei Kindern. Besonders bei Hochrisiko-Patient*innen ist die Prognose
kritisch: Bereits bei der Diagnose sind bei über 90 % dieser Kinder
Tumorzellen ins Knochenmark vorgedrungen. Das ist vor allem deshalb
problematisch, weil Rückfälle größtenteils genau wegen dieser Zellen
entstehen, meist aber trotz regelmäßiger Überwachung unentdeckt
bleiben. Die herkömmlichen Methoden verfehlen rund 60 % der Fälle mit
minimaler Resterkrankung – ein Risiko, das nun durch neue Diagnostik
deutlich reduziert werden könnte.

Zwtl.: Drei Verfahren, ein Ziel: Tumorzellen frühzeitig finden

Dr. Sabine Taschner-Mandl, Leiterin der Forschungsgruppe für
Tumorbiologie an der St. Anna Kinderkrebsforschung, analysierte
gemeinsam mit der Labdia Labordiagnostik und einem internationalen
Forschungsteam am Princess Maxima Center (Niederlande) 509
Knochenmarksproben von 108 Hochrisiko-Neuroblastom-Patient*innen aus
Österreich und den Niederlanden. „ Dabei verwendeten wir eine
Kombination aus drei verschiedenen Analysemethoden. Dadurch konnten
wir deutlich mehr versteckte Tumorzellen als mit den herkömmlichen
Untersuchungsverfahren erkennen “, erklärt Dr. Taschner-Mandl.

Besonders effektiv zeigte sich eine Computer-gesteuerte
automatisierte Immunfluoreszenz-Methode zusammen mit der molekularen
Analyse mittels PCR sogenannter adrenerger Zellen, die selbst
kleinste Mengen an Tumorzellen im Knochenmark nachweist. Ergänzend
liefert die Immunfluoreszenz-Methode entscheidende Hinweise auf
potenzielle Angriffspunkte für Immuntherapien und hilft bei der
Auswahl von Patient*innen für die Anti-GD2-Antikörpertherapie.. Durch
die Kombination entsteht ein deutlich präziseres Bild der Erkrankung
und bietet somit eine hoch-sensitive Diagnostik.

Zwtl.: Optimierte Probenentnahme führt zu weniger Belastung für
Kinder

Eine weitere wichtige Erkenntnis betrifft den Ablauf der
Knochenmarkentnahme: Während bei der Erstdiagnose Tumorzellen meist
in beidseitig im Knochenmark nachweisbar sind, treten Zellreste
später, während der Therapie und in der Nachsorge, oft nur einseitig
auf. Das bedeutet: Künftig könnte bei der Erstdiagnose eine
einseitige Probenentnahme genügen, was die Belastung für die kleinen
Patient*innen deutlich senken würde. Eine beidseitige Entnahme wäre
für die Nachsorge reserviert, wenn sich nur noch sehr wenige
Tumorzellen im Knochenmark befinden.

Zwtl.: Forschung mit klinischer Relevanz

Ein zentrales Ziel der Studie war außerdem, die praktische
Umsetzbarkeit der hoch-sensitiven Diagnostik zu testen. Mit Erfolg:
Die neuen Methoden lassen sich mit den herkömmlichen Untersuchungen
kombinieren, auch über Ländergrenzen hinweg. Zudem reichen bereits
sehr kleine Probenmengen, um zuverlässige Ergebnisse zu erzielen.

Zwtl.: Neue Hoffnung für betroffene Patient*innen

„ Die neuen Methoden werden das Erkennen des Voranschreitens der
Krankheit und Rückfälle früher ermöglichen. “ sagt Marie Bernkopf,
eine der Co-Autorinnen. Dadurch können Ärzt*innen rechtzeitig
eingreifen und weitere Diagnostik und Behandlung individuell
anpassen. Zusätzlich können Veränderungen der Tumorzellen und
potenzielle Angriffspunkte für Immuntherapien überwacht werden, was
dabei hilft Therapieresistenzen und mögliche Rückfälle besser zu
verstehen.

Publikation

Gelineau, N.U., Bozsaky, E., van Zogchel, L.M.J. et al. Sensitive
detection of minimal residual disease and immunotherapy targets by
multi-modal bone marrow analysis in high-risk neuroblastoma – a multi
-center study. J Exp Clin Cancer Res 44 , 224 (2025).
https://doi.org/10.1186/s13046-025-03481-w