Tiefgraben/Mondsee/Purkersdorf (OTS) – Im Naturschutzgebiet Wildmoos
am Mondseeberg (OÖ) setzen die
Österreichischen Bundesforste (ÖBf) aktuell eine in Österreich
bislang einzigartige Maßnahme um: Ein ehemaliger Torfstich aus den
1950er Jahren – eine durch Torfabbau entstandene Geländevertiefung in
der Moorlandschaft – wirkt bis heute entwässernd auf das umliegende
Moor. Nun wird er erstmals in dieser Größenordnung mit rund 3.000 m³
Spendertorf verfüllt. Ziel ist es, den Wasserhaushalt zu
stabilisieren und die Grundlage für eine natürliche Regeneration zu
schaffen.
„Moore sind wertvolle Lebensräume und gleichzeitig stark bedroht.
Gerade in Zeiten des Klimawandels spielen sie als Wasser- und CO 2 –
Speicher eine zentrale Rolle. Die Bundesforste engagieren sich daher
bereits seit vielen Jahren im Moorschutz“, sagt Andreas Gruber,
Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz der Bundesforste. „Mit
der Revitalisierung des Torfstichs im Wildmoos gehen wir neue Wege,
um einen geschädigten Moorbereich mit einer gezielten Maßnahme wieder
ins Gleichgewicht zu bringen.“
Moorrevitalisierung mittels Spendertorf
Wird ein Moor entwässert, verliert es nicht nur seine typischen
Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, sondern auch
seine Funktion als Kohlenstoffspeicher – und setzt dabei große Mengen
CO 2 frei. Um die Wiedervernässung des Wildmoos gezielt zu
unterstützen, bringen die Bundesforste im nordöstlichen
Hochmoorbereich auf einer Länge von insgesamt 65 Metern Spendertorf
ein. Das Material stammt aus einem regionalen Bauprojekt in
Seekirchen am Wallersee, einer Region mit natürlich torfhaltigen
Böden, und wurde vorab auf seine moorphysiologische Eignung und
bodenchemische Unbedenklichkeit geprüft.
Die Revitalisierungsarbeiten erfolgen schrittweise und abgestimmt
auf die sensiblen Bedingungen im Moor: Zunächst wurde die Fläche
vorbereitet, von Bewuchs befreit und der Oberboden abgetragen.
Anschließend wird der antransportierte Torf mittels Bagger
eingebracht und an das umliegende Gelände angepasst, um die frühere
Vertiefung vollständig zu schließen. Abschließend wird der Oberboden
behutsam wieder aufgetragen. Nach Beendigung der Arbeiten wird der
Bereich seiner natürlichen Entwicklung überlassen, sodass dort eine
standorttypische Moorrandvegetation aufkommen kann.
Bundesheer ermöglicht Umsetzung im sensiblen Gelände
Bei der Umsetzung des Projekts unterstützt das Pionierbataillon 3
des Bundesheers, auch bekannt als „Melker Pioniere“. Mithilfe von
vier Faltstraßengeräten errichteten sie eine temporäre Zufahrt, über
die der Spendertorf bodenschonend in das Moorgebiet transportiert
werden kann. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Infrastruktur
wieder rückgebaut. „Mit unserem pioniertechnischen Know-how leisten
wir einen Beitrag dazu, dieses anspruchsvolle Naturschutzprojekt
unter möglichst schonenden Bedingungen umzusetzen“, sagt der
Militärkommandant von Oberösterreich, Brigadier Dieter Muhr. „Die
Zusammenarbeit zeigt, wie militärische Fähigkeiten auch im Umwelt-
und Naturschutz sinnvoll eingesetzt werden können.“
Mehr Wasser – mehr Leben im Moor
Bereits vor einigen Jahren setzten die Bundesforste in
Kooperation mit der Abteilung Naturschutz des Landes OÖ gezielte
Revitalisierungsmaßnahmen zur Wiedervernässung des Wildmoos um. „Der
Einsatz von Spendertorf ist für uns ein weiterer wichtiger Baustein,
um das Moor vor dem Austrocknen zu bewahren. Damit leisten wir einen
Beitrag zum Klimaschutz und erhalten es als Lebensraum für Flora und
Fauna“, so Andreas Gruber. Steigt der Wasserspiegel wieder an, kann
die zentrale Moorpflanze, das Torfmoos, wieder anwachsen. Aber auch
seltene und gefährdete Arten wie der im Wildmoos heimische Sonnentau
oder die Sumpf-Pirat-Spinne sind auf ein intaktes Ökosystem
angewiesen.
Die Projektumsetzung wird im Rahmen einer Kooperation mit der
Bundesanstalt Statistik Österreich finanziert. Teilnehmer*innen an
Umfragen erhalten als Dankeschön Einkaufsgutscheine, deren Wert sie
auch gezielt Naturschutzprojekten widmen können. So können im Rahmen
des Naturschutzprojekts „Alpenmoore“ auch Revitalisierungsmaßnahmen
wie jene im Wildmoos umgesetzt werden.
Mehr als 50 Moorschutzprojekte bei den Bundesforsten
Moore entstehen über Jahrtausende – und wachsen extrem langsam:
Ein Torfkörper legt im Schnitt nur rund einen Millimeter pro Jahr zu.
Eingriffe wirken daher oft über lange Zeiträume nach. Umso wichtiger
ist aktiver Moorschutz: Die Österreichischen Bundesforste haben ihre
insgesamt mehr als 2.000 Hektar Moorflächen bereits vor Jahrzehnten
freiwillig unter Schutz gestellt. Schwerpunktgebiete befinden sich im
Salzkammergut, im Lungau in Salzburg, im Karwendel in Tirol und im
Ausseerland in der Steiermark. Über 50 Moorschutzprojekte gab und
gibt es bisher, um diese einzigartigen Ökosysteme zu bewahren.
Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, Naturschutzprojekte der
Bundesforste – darunter auch Moorprojekte – im Rahmen der „Allianz
für Biodiversität“ zu unterstützen.
Mehr zur „Allianz für Biodiversität“ und
Beteiligungsmöglichkeiten
Pressefotos und Videomaterial unter www.bundesforste.at