Neue WWF-Studie: Ankerschäden bedrohen artenreiche Seegraswiesen im Mittelmeer

Wien/Rom (OTS) – Seegraswiesen speichern pro Fläche 15-mal mehr CO₂
als Regenwälder
und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Meere. Allein im
Mittelmeer beheimaten sie über 400 Tier- und 1.000 Pflanzenarten,
darunter Jungfische, Seepferdchen und Weichtiere. Doch die Vielzahl
ankernder Boote gefährdet diesen wichtigen Lebensraum zusehends, wie
ein neuer Bericht der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund
for Nature) zeigt. Demnach könnten allein im Jahr 2024 mehr als
50.000 Hektar des ökologisch wichtigen Seegrases Posidonia oceanica
oder “Neptungras” betroffen sein. Das entspricht einem jährlichen
wirtschaftlichen Verlust in Form von Ökosystemleistungen von über
vier Milliarden Euro. “Das Neptungras ist die Kinderstube zahlreicher
Fischarten und unterstützt damit die Fischerei. Es schützt zudem
Küsten vor Erosion und bindet riesige Mengen an Kohlenstoff –
vergleichbar mit dem jährlichen CO₂-Ausstoß von 430 Millionen Autos.
Dennoch wurde in den letzten 50 Jahren ein Drittel der Seegraswiesen
im Mittelmeer zerstört” , sagt WWF-Expertin Simone Niedermüller. Der
WWF fordert daher von der Politik unter anderem strengere Anker-
Vorschriften und mehr Schutzzonen für die wertvollen Seegraswiesen.

Mithilfe von Daten des automatischen Identifikationssystems (AIS) von
Global Fishing Watch, kartiert der WWF-Bericht den Druck durch Anker
auf Seegraswiesen in der gesamten Mittelmeerregion. Dabei zeigt sich,
dass die Auswirkungen in Gebieten mit strengen Vorschriften für das
Ankern, wie beispielsweise in Südfrankreich deutlich geringer sind.
„Die Erhaltung und Wiederherstellung von Seegraswiesen ist nicht nur
eine ökologische Aufgabe, sondern auch eine strategische
Notwendigkeit für den Klimaschutz. Die Regierungen müssen jetzt
handeln, um schädliche Praktiken zu verbieten und eine nachhaltige
Meeresnutzung zu fördern“, sagt Simone Niedermüller vom WWF.

Seegras-Schutz durch Ankerverbote
Dem WWF-Bericht zufolge haben im Jahr 2024 mehr als 179.000 Schiffe
auf Seegras geankert, davon waren 45 Prozent länger als 24 Meter.
Diese großen Schiffe sind für fast 60 Prozent der zerstörten Gebiete
verantwortlich. Zu den Hotspot-Regionen gehören Italien, Spanien, die
Türkei, Griechenland und Frankreich. In einigen Gebieten wurden durch
unkontrolliertes Ankern bis zu 50 Prozent der Wiesen beschädigt.
„Ankerschäden heilen nur langsam. Die betroffenen Ökosysteme brauchen
teilweise mehr als 100 Jahre, um sich zu erholen. Schutz und
verbessertes Management der Boots- und Schifffahrt sind die
einfachsten und wirksamsten Mittel, um diese wertvollen Naturräume zu
schützen“, sagt WWF-Expertin Simone Niedermüller.

Der WWF arbeitet in mehreren Mittelmeerländern, um die vielfältigen
Bedrohungen für das Neptungras zu verringern – von der Verankerung
bis zur illegalen Fischerei und Verschmutzung. Das Ziel lautet, bis
2027 150.000 Hektar zu regenerieren.

Zum neuen WWF-Bericht hier .
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