Wien (OTS) – Forschende der Medizinischen Universität Wien haben
einen bislang
wenig verstandenen Bestandteil des Immunsystems näher untersucht: das
Eiweißmolekül TRAT1 (T Cell Receptor Associated Transmembrane Adaptor
1) spielt eine zentrale Rolle dabei, wie sogennante T Helfer-Zellen (
eine spezialisierte Untergruppe von Immunzellen) zwischen Angriff und
Selbstkontrolle unterscheiden – ein wichtiger Mechanismus, um
Entzündungen einzudämmen und Autoimmunerkrankungen zu verhindern. Die
Ergebnisse wurden aktuell im Fachjournal Cell Communication and
Signaling veröffentlicht.
T Helfer-Zellen sind die „Dirigenten“ der Immunabwehr, indem sie
die Funktion und Spezialisierung anderer Immunzellen steuern und
dadurch die Immunreaktion gegen den jeweiligen Erreger
„maßschneidern“. Dabei gibt es effektorische T Helfer-Zellen, die
aktiv gegen Eindringlinge vorgehen, und regulatorische T-Zellen (Treg
), die eine übermäßige Abwehrreaktion verhindern. Wie diese Balance
gesteuert wird, war bisher nur teilweise verstanden. Das
Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien rund um die
Arbeitsgruppe von Ralf Schmidt und Klaus Schmetterer (Klinisches
Institut für Labormedizin) konnte nun zeigen, dass TRAT1 wie ein
Schalter in diesen Prozessen wirkt. In den „Angriffs“-Zellen (
effektorischen T-Zellen) sorgt TRAT1 dafür, dass die Aktivierung
kontrolliert abläuft. Wird TRAT1 mittels der Genschere CRISPR/Cas9
ausgeschaltet, werden diese Zellen zwar aktiver, verlieren aber die
Fähigkeit, bestimmte Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-17 zu
bilden. In den „Schutz“-Zellen (Treg) dagegen unterstützt TRAT1 deren
bremsende Funktion – allerdings auf komplexe Weise: Es verstärkt die
Unterdrückung anderer Abwehrzellen, aber nicht gleichmäßig für alle
Zelltypen. „Unsere Daten zeigen, dass TRAT1 ein doppelter Regler des
Immunsystems ist“, erklärt Studienleiter Klaus Schmetterer. „Es
dämpft einerseits übermäßige Immunaktivität, stärkt aber gleichzeitig
die gezielte Immununterdrückung durch regulatorische T-Zellen.“
Diese in der Zellkultur ermittelten Ergebnisse haben aber auch
eine hohe klinische Relevanz: in Datenreihen von Immunzellen aus
Patient:nnen mit Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD) und Systemischem
Lupus Erythematodes wurden veränderte Expressionsmuster von TRAT1
festgestellt. Daraus lässt sich rückschließen, dass bei diesen
Erkrankungen die Signalfilterung in T-Helfer-Zellen fehlerhaft
abläuft. „Die Erkenntnisse könnten langfristig auch helfen, neue
zellbasierte Immuntherapien zu entwickeln – etwa maßgeschneiderte CAR
-Treg-Zellen, die gezielt unerwünschte Immunreaktionen verhindern.
Dies konnten wir in einem neuartigen 3-dimensionalen Zellkultur-
Modell für Transplantations-Abstoßung bereits beweisen“ erläutert
Tobias Frey, Erstautor der Studie.
Publikation: Cell Communication and Signaling
T cell receptor associated transmembrane adaptor 1 (TRAT1) modulates
human Th17 and Treg responses via PI3-kinase and STAT dependent
mechanisms.
Tobias Frey, Christina Kandolf-Zumpf, Anna Kaempf, Kristin Schaffer,
Marlene Hollenstein, Annika Lampl, Johannes J. Kovarik, Johanna
Strobl, Georg Stary, Julia Eckl-Dorna, Ralf Schmidt and Klaus G.
Schmetterer
Cell Communication and Signaling (2025) 23:431
https://doi.org/10.1186/s12964-025-02429-z