Neßler/Disoski ad IVF Fonds: Kinderwunsch darf nicht vom Beziehungsstatus abhängen

Wien (OTS) – Die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, und die
Familiensprecherin der Grünen, Barbara Neßler, begrüßen die
angekündigte Ausweitung des IVF-Fonds und die Senkung des
Selbstbehalts für künstliche Befruchtungen. Die finanzielle
Entlastung bei In-vitro-Fertilisation (IVF) sei ein wichtiger Schritt
für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Gleichzeitig machen die
Grünen darauf aufmerksam, dass eine wesentliche Ungleichbehandlung
weiterhin besteht: Alleinstehende Frauen sind nach wie vor vom Zugang
zum IVF-Fonds ausgeschlossen, weil die staatliche Förderung an eine
Partnerschaft geknüpft ist.

„Die finanzielle Entlastung ist ein wichtiger Schritt.
Gleichzeitig setzt die Bundesregierung die Diskriminierung
alleinstehender Frauen fort. Solange sie vom IVF-Fonds ausgeschlossen
bleiben, hängt der Kinderwunsch weiterhin vom Beziehungsstatus ab“,
kritisiert Barbara Neßler.

Die beiden verweisen auf die veränderten Lebensrealitäten vieler
Österreicher:innen, denn Familie entsteht heute in unterschiedlichen
Konstellationen: „Ob eine Frau verheiratet ist, in einer
Partner:innenschaft lebt oder alleinstehend ist, sagt nichts darüber
aus, ob sie einem Kind ein liebevolles Zuhause geben kann. Familien
gibt es in vielen Formen. Das Recht auf medizinische Unterstützung
muss endlich auch für alleinstehende Frauen gelten“, fordert Disoski
und führt aus: „Statt eine ganze Bevölkerungsgruppe aufgrund eines
veralteten Familienbildes von einer Elternschaft auszuschließen,
sollte der Staat Frauen mit Kinderwunsch vielmehr unterstützen. Neben
dem Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch den IVF-Fonds
braucht es den sofortigen diskriminierungsfreien Zugang zur
künstlichen Befruchtung für alle Frauen.“

Der Fall des deutschen CDU-Politikers Jens Spahn macht außerdem
deutlich, wie ungleich der Zugang zur Familiengründung heute noch
ist. Wer über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, kann im Ausland
Wege finden, sich den eigenen Kinderwunsch zu erfüllen – selbst wenn
man sich im eigenen Land politisch gegen diese Möglichkeiten
ausgesprochen hat. „Alleinstehenden Frauen in Österreich hingegen
wird weiterhin die freie Entscheidung über den eigenen Körper
verwehrt, um ihren Kinderwunsch auf legalem Weg mittels In-vitro-
Fertilisation zu verwirklichen. Diese Ungleichbehandlung ist nicht
länger zu rechtfertigen. Kinderwunsch darf weder vom Kontostand noch
vom Beziehungsstatus abhängen“ mahnen Disoski und Neßler.

Die Grünen fordern daher die Bundesregierung erneut auf, den
nächsten notwendigen Schritt zu setzen und sowohl den Zugang zu IVF
als auch zum IVF-Fonds für alleinstehende Frauen zu öffnen. Moderne
Frauen- und Familienpolitik muss sich an aktuellen Lebensrealitäten
orientieren und allen Menschen die gleichen Chancen auf die Erfüllung
ihres Kinderwunsches ermöglichen. Im Budgetausschuss hat
Familienministerin Claudia Bauer selbst angekündigt, eine Ausweitung
auf alleinstehende Frauen nach der anstehenden Entscheidung des
Verfassungsgerichtshofs prüfen zu wollen. Die Grünen erwarten, dass
dieser Ankündigung umgehend konkrete gesetzliche Schritte folgen.