Wien (OTS) – Während die Hitzewelle Österreich fest im Griff hat,
dreht sich die
politische Debatte oft nur um die kurzfristigen Maßnahmen. NEOS-
Klubobfrau und Stadtplanungssprecherin Selma Arapović mahnt zum
verantwortungsvollen Umgang mit unserem Boden.
Österreichweit werden täglich neun Fußballfelder verbaut und
asphaltiert. Jeder versiegelte Quadratmeter Boden verliert seine
Funktion als Wasserspeicher, Hitzepuffer und Lebensraum . Klubobfrau
Selma Arapović: „Bodenschutz ist vor allem eine Aufgabe der
Raumplanung. Entsiegelung, Bauen im Bestand und die vorrangige
Entwicklung von brachliegenden Flächen sowie der Schutz wertvoller
Naturräume machen Städte widerstandsfähiger gegen Hitze, Starkregen
und die Folgen der Klimakrise.“
In Österreich liegt ein wesentliches Problem in der
zersplitterten Kompetenzverteilung. „Gemeinden stehen im Wettbewerb
um Kommunalsteuern und Einwohnerinnen und Einwohner. Das führt dazu,
dass grüne Wiesen für neue Wohn- und Gewerbegebiete geopfert werden,
wenn klare Siedlungsgrenzen fehlen. Durch die Sonderrolle Wiens als
Land und Gemeinde gleichzeitig, zeigen wir vor, wie eine gut
abgestimmte Bündelung der Planungs- und Widmungskompetenzen
funktionieren kann“, so Arapović.
So funktioniert der Bodenschutz in Wien
1. Entsiegelung: Asphalt aufbrechen
Flächen, die über Jahrzehnte verschlossen waren, werden gezielt
geöffnet. Das stellt natürliche Bodenfunktionen wie Versickerung, CO2
-Bindung und Wasserspeicherung wieder her.
– Seit unserer Regierungsbeteiligung im Jahr 2020 wurden knapp 350
Projekte unter dem Schwerpunkt „Raus aus dem Asphalt“ umgesetzt.
Allein auf Straßen und Plätzen wurden mehr als 85.000 m² entsiegelt
und neu begrünt. Und wir machen laufend weiter.
– Neue Parkanlagen wie der Naschpark, der Tangentenpark oder der
gerade im Bau befindliche Park im Gasometervorfeld schaffen direkte
Abkühlung für die verbauten Stadtgebiete. Platzumgestaltungen wie am
Volkertplatz, Maria-Restituta-Platz, Julius-Tandler-Platz oder das
Supergrätzl in Favoriten sorgen für massive Verbesserungen des
Mikroklimas in einzelnen Grätzln.
2. Innen- vor Außenentwicklung: Bauen im Bestand und auf
Brachflächen
– Der „Wien-Plan 2035“ macht Bodenschutz zur Prämisse der
Stadtplanung und stärkt den Grüngürtel rund um Wien. Mit diesem
strategischen Rahmen sind keine zusätzlichen Stadterweiterungsgebiete
mehr nötig. Wien findet mit den bereits fixierten Projekten – wie
etwa in Rothneusiedl – das Auslangen und konzentriert sich darauf,
diese mittels hoher Baukultur klimagerecht und resilient zu
entwickeln. Zugleich treiben wir die klimafitte Anpassung der
bestehenden Gebäude voran und nutzen brachliegende Potenzialflächen
im Stadtinneren, die bereits optimal an Öffis, das Rad- und
Gehwegenetz sowie soziale und technische Infrastruktur angeschlossen
sind.
– Auf ehemaligen Bahn- und Betriebsarealen wie dem Nordbahnhof oder
Nordwestbahnhof entstehen leistbare Wohnungen mit großen öffentlichen
Grünflächen. Das zeigt unsere hohen Ansprüche in der Stadtentwicklung
und einen verantwortungsvollen Umgang mit der begrenzten Ressource
Boden.
3. Natur erhalten: Lebensräume dauerhaft schützen
Aktiver Bodenschutz bedeutet ebenfalls die bestehenden
Grünflächen in der Stadt zu erhalten und beschädigte Lebensräume
wieder naturnahe herzustellen. Das sorgt für Abkühlung bei Hitze,
schützt vor Naturkatastrophen wie Hochwasser und stärkt die
Biodiversität für mehr blühendes Leben in Wien.
– Am Areal des ehemaligen Verschiebebahnhofs Breitenlee im 22. Bezirk
hat die Stadt Wien insgesamt 82,2 Hektar als europäisches Natura-2000
-Schutzgebiet ausgewiesen. Damit ist eine Fläche von der Größe der
Josefstadt dauerhaft vor Verbauung geschützt und Tier- und
Pflanzenarten behalten ihren Lebensraum im Stadtgebiet.
– Zugleich werden verbaute Lebensräume wie entlang des Liesingbachs
wieder möglichst naturnahe rückgebaut und renaturiert. So erhöhen wir
den natürlichen Hochwasserschutz und schaffen neue Lebens- und
Naherholungsräume entlang von Wasserläufen.
„Die immer heißer werdenden Sommer führen uns deutlich vor Augen,
wo wir ansetzen müssen. Wien wird die Klimakrise nicht allein lösen,
aber gerade Städte können zeigen, wie vorausschauende Stadtplanung,
gezielter Bodenschutz und ein kluger Umgang mit dem Bestand Städte
widerstandsfähiger und lebenswert machen. Genau diesen Weg gehen wir
in Wien“, so Arapović abschließend.