Wien (PK) – Trotz Nächtigungsrekord ging im Vorjahr die Ertragslage
im Tourismus
zurück. Darum drehte sich heute die Debatte im Nationalrat zum
Bericht „Tourismus in Österreich 2024“ . Demnach erreicht die Zahl
der Nächtigungen 2024 mit 154,3 Mio. einen neuen Höchstwert. Der Wert
von 2023 wurde damit um 2,1 % und das bisherige Rekordniveau des
Vorkrisenjahres 2019 um 1,1 % übertroffen. Die Ankünfte beliefen sich
auf 46,7 Mio. (+3,3 %). Als zentrale Herausforderungen für die
Tourismuswirtschaft nennt der Bericht den Fachkräftemangel und den
Klimawandel.
Der Tourismus in Österreich sei eine Erfolgsgeschichte, die man
weiterschreiben wolle, sagte Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth
Zehetner. Die Zahlen im Tourismusbericht 2024 würden belegen, dass
Urlaub in Österreich so beliebt sei wie nie zuvor. Außerdem habe die
Messung der Tourismusakzeptanz der Bevölkerung ein „extrem
erfreuliches Bild“ gezeigt, so Zehetner. Es sei Ausdruck einer
modernen Tourismuspolitik, dass diese nicht nur auf die Interessen
der Gäste, sondern auch auf jene der einheimischen Bevölkerung
ausgerichtet sei, betonte sie. Sorge bereite jedoch, dass die
Tourismusbetriebe mit steigenden Personal- und Lebensmittelkosten
sowie hohen Energiepreisen konfrontiert und daher zu
Preissteigerungen gezwungen seien. Nicht alle Kosten könnten
weitergegeben werden, deshalb habe sich die „Ertragslage nicht so gut
entwickelt“, sagte Zehetner. Die Bekämpfung der Inflation sei daher
eine der „Top-Prioritäten“ der Bundesregierung.
Der Tourismusbericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen. Ein
Entschließungsantrag der FPÖ zum Thema „Reformen für das
Tourismusland Österreich“ wurde abgelehnt.
FPÖ fordert „konkrete Schritte“
Der heimische Tourismus sei eine tragende Säule und
entscheidender Faktor für Beschäftigung, Wohlstand und
Lebensqualität, betonte Tina Angela Berger (FPÖ) und ortete eine
Schieflage: Denn trotz steigender Nächtigungszahlen stagniere die
Wertschöpfung. Sie forderte bessere Rahmenbedingungen, um den
Unternehmergeist im Tourismus zu ermöglichen, statt ihn „zu
ersticken“. Nicole Sunitsch (FPÖ) kritisierte „fehlende Schritte“,
denn es sei zu wenig, nur über Visionen zu sprechen. Aus ihrer Sicht
seien beispielsweise die Einführung digitaler Verfahren sowie
Entlastungen notwendig. Ihr Fraktionskollege Christoph Steiner sprach
von fehlender Planungssicherheit und Überregulierung. Wie bereits im
Tourismusausschuss brachte er einen Antrag ein, der auf eine
Initiative von Josef Schellhorn (NEOS) aus dem Vorjahr zurückgeht.
Schellhorn hatte Ende Februar 2024 mit einem Entschließungsantrag
unter dem Titel „Reformen für das Tourismusland Österreich“ ein
Entlastungspaket für den Tourismus gefordert.
Einen Ordnungsruf wegen „bewusster Namensverunglimpfung“ erhielt
Steiner von Zweitem Nationalratspräsidenten Peter Haubner für einen
Zwischenruf. Steiner hatte Dominik Oberhofer (NEOS) nach einer
„tatsächlichen Berichtigung“ als „Dodelhofer“ bezeichnet.
ÖVP: Nach Covid-Krise wieder Rekordsaisonen im Tourismus
Gabriel Obernosterer (ÖVP) nannte den Tourismus in Österreich
einen Stabilitätsfaktor der Wirtschaft und wies darauf hin, dass für
die „gesetzlichen Grundlagen“ die Bundesländer zuständig seien. Die
neun verschiedenen Tourismusgesetze würden zu verschiedenen Abgaben
je nach Bundesland führen. Dies sollte man „vielleicht
vereinheitlichen“, meinte Obernosterer. Auf den Fachkräftemangel im
Tourismus ging Margreth Falkner (ÖVP) ein und strich die Erhöhung der
Kontingente für Saisonarbeitskräfte positiv hervor. Franz Hörl (ÖVP)
betonte, dass es im Tourismus Rekordsaisonen gebe und führte dies
auch darauf zurück, dass es „in der größten Krise der
österreichischen Wirtschaft“, nämlich der Covid-Krise, gelungen sei,
die Betriebe „drüberzubringen“ und „keiner verloren“ sei. Der
Tourismus sei zudem bei erneuerbarer Energie jene Sparte, die mit 66
% an der Spitze der heimischen Wirtschaft liege. Die sinkende
Ertragslage sei laut Hörl hohen KV-Lohnabschlüssen, „teuren
Personalunterkünften“ und der Steigerung der Energiekosten
geschuldet.
SPÖ: Vorreiterrolle Österreichs im Tourismus weiter ausbauen
Es gehe nicht um das jährliche Aufstellen neuer Rekorde, sondern
darum, die Vorreiterrolle Österreichs im Tourismus im internationalen
Wettbewerb weiter auszubauen, sagte Melanie Erasim (SPÖ). Daher sei
die Bundesregierung „mitten in der Umsetzung“, um den Standort
zukunftsfit zu machen. Ein Schwerpunkt sei dabei, die Beschäftigten
möglichst lange in der Branche zu halten. Der
„Tourismusbeschäftigtenfonds“, der sich bereits in Begutachtung
befindet, sei ein großer Wurf, so Erasim. Ihre Fraktionskollegin
Katrin Auer kritisierte, dass die Vorgängerregierung bei der
Bekämpfung der Teuerung versagt habe und sich dies nun auch negativ
auf die Wertschöpfung in der Tourismusbrauche auswirke. Sie forderte,
aus diesen Fehlern zu lernen. Zudem sprach sie sich für die
Unterstützung der Kunst- und Kulturbetriebe aus, da Kultur „kein
Luxusgut“ sein dürfe. Wolfgang Kocevar (SPÖ) betonte, dass der
Städtetourismus ein stark wachsendes Segment sei und forderte
finanzielle Hilfe für Städte und Gemeinden, sodass diese Sport- und
Eislaufplätze sowie Schwimmbäder auch als touristische Angebote
erhalten und ausbauen können.
NEOS sehen Zukunft in nachhaltigen, qualitativen
Ganzjahrestourismus
Dominik Oberhofer (NEOS) betonte, dass der Tourismus für Rekorde
sorge und dabei durch Steuerabgaben auch viele Einnahmen generiere.
Dieses Geld könnte nicht verteilt werden, wenn es der Tourismus nicht
erwirtschaften würde, unterstrich Oberhofer. Der Tourismusbericht
2024 mache jedoch laut Oberhofer auch deutlich, dass man auf die
Konkurrenzfähigkeit der heimischen Branche achten müsse. Er plädierte
dafür, vor allem bei der Senkung der Energiepreise anzusetzen und
betonte außerdem, dass der Tourismus auch beim Thema Integration
„sehr viel leisten“ würde. Gertraud Auinger-Oberzaucher (NEOS) sprach
sich für „vernetztes Denken“ aus, da im Tourismus viele
unterschiedliche Bereiche zusammenwirken würden. Erfolg heiße in
Zukunft „Wirkung und nicht Masse“, meinte sie. Demnach liege die
Zukunft in einem nachhaltigen, qualitativen Ganzjahrestourismus, so
Auinger-Oberzaucher
Grüne: Klimakrise als größte Herausforderung auch im Tourismus
Barbara Neßler (Grüne) ging darauf ein, dass der Personalmangel
im Tourismus ein „ewigleidiges Thema“ sei. Sie schlug unter anderem
die Ausweitung der Rotweißrotkarte für Staatsgehörige aus EU-
Beitrittskandidaten vor und meinte, dass das größte Potential am
Arbeitskräftemarkt bei den Frauen liegen würde, es aber an der
passenden Kinderbetreuung fehlen würde. Als größte Herausforderung
gerade auch für den Tourismus nannte sie die Klimakrise. Wenn der
Schnee weg sei, die Berge anfangen zu bröckeln und die Städte
überhitzt seien, würden politische Streitigkeiten über
Saisonkontingente auch nichts mehr bringen, meinte Neßler. Sie
kritisierte außerdem, dass die Regierung anstatt das Klima zu
schützen, mit dem „Abrissbagger auffahren“ und „Milliarden in die
weitere Zerstörung der Natur“ stecken würde. (Fortsetzung Nationalrat
) bea
HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können
auch via Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand
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