Nationalrat regelt Details des Studiums der Psychotherapie im Universitätsgesetz

Wien (PK) – Für das Masterstudium Psychotherapie, das ab dem
Wintersemester
2026/27 an zehn österreichischen Universitäten belegt werden kann,
soll mit einer Quotenregelung sichergestellt werden, dass künftig ein
ausreichendes Angebot an Absolventinnen und Absolventen für das
österreichische Gesundheitssystem zur Verfügung steht. Finanziert
werden pro Studienjahr bis zu 500 Plätze für Studienanfänger:innen.
Wie bereits im Wissenschaftsausschuss fand sich für eine
entsprechende Novelle des Universitätsgesetzes , die mit einem
Initiativantrag von ÖVP, SPÖ und NEOS auf den Weg gebracht worden
war, auch im Nationalrat mit den Stimmen von FPÖ, ÖVP, SPÖ und NEOS
eine Mehrheit.

Einig zeigten sich die Parteien, dass Österreich einen hohen
Bedarf an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten hat. Aus Sicht
der FPÖ ist dieser erhöhte Bedarf allerdings Folge einer verfehlten
Corona-Politik. Die Grünen lehnten die Novelle ab, da sie darin eine
unangemessene Bevorzugung der Universität für Weiterbildung Krems
sehen.

Da eine starke Nachfrage für das Studienfach erwartet werde,
sollen Maßnahmen zur Sicherung der künftigen österreichischen
Gesundheitsversorgung in diesem Bereich getroffen werden. Daher
sollen 75 % der Studienplätze für Inhaber:innen eines
österreichischen Reifezeugnisses und diesen gleichgestellte
Personengruppen vorgesehen werden. Eine solche präventive Maßnahme
sei gemäß der Judikatur des Europäischen Gerichtshofs (EuGH)
zulässig, hielten die Abgeordneten der Koalition in der Begründung
des Antrags fest.

Grüne sehen Bevorzugung der Uni für Weiterbildung Krems

Psychische Erkrankungen seien glücklicherweise kein Tabu mehr,
stellte Sigrid Maurer (Grüne) fest. Allerdings fehle noch immer ein
ausreichendes Versorgungsangebot. Hier solle die neue
Psychotherapieausbildung an den öffentlichen Universitäten Abhilfe
schaffen. Allerdings sei es den Grünen nicht möglich, der Novelle in
der vorliegenden Form zuzustimmen. Mit dieser wolle man offenbar der
Donau-Universität Krems den Großteil der Studienplätze „zuschanzen“.
Dabei gebe es in Fachkreisen starke Zweifel daran, dass diese die
geforderte Ausbildung angemessen durchführen könne. Maurer vermutete
auch, hier solle ein weiterer Schritt gesetzt werden, um die
Universität für Weiterbildung „durch die Hintertür zu einer
Volluniversität“ zu machen, obwohl im Regierungsprogramm das
Gegenteil festgehalten sei.

FPÖ sieht Regierungspolitik als Hauptfaktor psychischer Belastung

Mit der COVID-19-Pandemie und den multiplen Krisen der letzten
Jahre habe die psychische Belastung vor allem junger Menschen stark
zugenommen, sagte Katayun Pracher-Hilander (FPÖ). Daher sei es zu
begrüßen, wenn es ein besseres Angebot für Psychotherapie geben
solle. Eine Österreich-Quote für die Studienplätze sei ebenfalls
sinnvoll. Allerdings könne das neue Studium angesichts des Umfangs
der psychischen Gesundheitskrise „nur der sprichwörtliche Tropfen auf
den heißen Stein sein“. Die Folgen der „zerstörerischen Corona-
Maßnahmenpolitik“ der letzten Bundesregierung seien in allen
Bevölkerungsgruppen nach wie vor spürbar. Diese Krise setze sich auch
fort, etwa wenn die Jugend „mit Regenbogenpropaganda überschüttet“
und in ihrer Identitätsfindung behindert werde. Eine „heilende Art
der Politik“ sei daher längst überfällig.

SPÖ: Stärke Durchlässigkeit der Ausbildung und sichere Angebote

Psychische Gesundheit dürfte kein Luxus sein, betonte Petra
Oberrauner (SPÖ). Das Angebot an Therapieplätzen müsse deutlich
ausgeweitet werden, zumal eine große Zahl von Psychotherapeut:innen
voraussichtlich in den nächsten Jahren in Pension gehen werde.
Deshalb sei es die richtige Entscheidung, Studienplätze für
Psychotherapie zu schaffen. Die Abgeordnete versprach sich von dem
neuen Studium auch mehr Durchlässigkeit in der Psychotherapie-
Ausbildung. Gerade aufgrund ihrer Rolle als Weiterbildungsuniversität
sei die Donau-Universität Krems ein geeigneter Standort für den neuen
Studienzweig, hielt Oberrauner der Kritik der Grünen entgegen.

Heinrich Himmer (SPÖ) zeigte sich ebenfalls zufrieden über die
Stärkung der Psychotherapie-Ausbildung und die Absicherung eines
Angebots an Therapieplätzen. Die explizite Möglichkeit, das Studium
auch mit einer Studienberechtigungsprüfung beginnen zu können, sei
ein Bekenntnis zur Unterstützung des lebenslangen Lernens. Auch SPÖ-
Abgeordneter Peter Manfred Harrer sah einen wichtigen Schritt zur
Sicherung des Angebots an Psychotherapie. Die Quotenregelung werde
sicherstellen, dass die Ausgebildeten dem österreichischen
Gesundheitssystem zur Verfügung stehen, zeigte er sich überzeugt.

ÖVP: Österreich-Quote vereinbar mit EU-Recht

Rudolf Taschner (ÖVP) sagte, er habe die Akademisierung der
Ausbildung zuerst kritisch gesehen, sich aber dann von der
Sinnhaftigkeit dieser Neuerung überzeugen lassen. Die Österreich-
Quote sei ein wichtiger Faktor, um sicherzustellen, dass das neue
Studium auf die Bedürfnisse Österreichs zugeschnitten sei. Er hoffe,
dass sich auch die Europäische Union vom Bestehen dieses nationalen
Bedarfes überzeugen lassen werde, wie es beim Medizinstudium bereits
der Fall sei.

Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP) sah, anders als die Grünen, keine
Privilegierung der Donauuniversität. Mit der Akademisierung werde die
Ausbildung zur Psychotherapeutin bzw. zum Therapeuten auch für
Menschen ohne finanzstarken Hintergrund geöffnet. Eine Zunahme der
psychischen Belastungen werde schon seit längerer Zeit festgestellt,
meinte Jeitler-Cincelli. Einen direkten Zusammenhang mit der
Pandemiepolitik sehe sie dabei nicht. Vielmehr werde in den letzten
Jahren offener über psychische Belastungen gesprochen.

NEOS: Weiterer Schritt zur Profilbildung der Hochschulen

Die Novelle wurde auch von den NEOs explizit begrüßt. Die
Argumentation der Grünen und die von ihnen geäußerte „Angst vor einer
weiteren Volluniversität“ konnte Martina von Künsberg Sarre (NEOS)
dabei nicht nachvollziehen. Der Wettbewerb zwischen den Universitäten
um die beste Ausbildung sei grundsätzlich sinnvoll. Eine weitere
Spezialisierung der österreichischen Hochschulen sei vielmehr ein
wichtiger Faktor für deren künftigen Erfolg.

Holzleitner: Wollen Versorgungssicherheit bei Psychotherapie

Erfreut über den Beschluss zeigte sich auch Bundesministerin Eva-
Maria Holzleitner. Der Beschluss zeige einen Fokus darauf, die
Versorgungssicherheit mit psychotherapeutischen Angebot
sicherzustellen. Die Grundlage für das neue Studium sei mit
Zustimmung aller Fraktionen gelegt worden, erinnerte die Ministerin.
Auch wenn die Grünen heute nicht mitstimmen würden, so gebe es doch
einen breiten Schulterschluss über sehr unterschiedliche Fraktionen
hinweg.

Die Österreich-Quote für Studienplätze solle die
Versorgungssicherheit garantieren. Sie sei in dieser Frage bereits im
positiven Austausch mit der EU, teilte die Wissenschaftsministerin
mit. Auch die Finanzierung der Plätze über die
Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten sei gesichert.
Zufrieden zeigte sich Holzleitner zudem darüber, dass zehn
österreichische Universitäten „an Bord“ seien und dass die soziale
Durchlässigkeit der Ausbildung sichergestellt werden konnte.

Was die Donau-Universität Krems betreffe, so sei explizit
festgehalten, dass ihre Kernaufgabe, die Weiterbildung, weiter
bestehen bleibe. Das sei auch im Sinne einer Profilbildung der
österreichischen Hochschulen. Holzleitner kündigt an, dass diese
Profilbildung auch ein wichtiger Aspekt der neuen Hochschulstrategie
sein werde. Die Wissenschaftsministerin bekräftigte auch, dass es
keine weitere Universitätsgründung des Bundes in den nächsten Jahren
geben werde. (Fortsetzung Nationalrat) sox

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