Modernste drohnenbasierte Technologie zur Maßnahmenplanung im Umgang mit den Folgen des Klimawandels am Dachstein

Wien (OTS) – Wien, 05.02.2026. In der heutigen Vorstandssitzung des
Alpenvereins
Austria wurde über einen Maßnahmenplan für die Neugestaltung des
Wegenetzes im Bereich des Hallstätter und Schaldminger Gletschers am
Dachstein beraten. Auch für die Ver- und Entsorgung der dort
gelegenen Hütten des Alpenverein Austria (insbesondere Seethaler- und
Simonyhütte, aber auch Guttenberghaus) wurden angemessene
Konsequenzen gezogen.

Zwtl.: Gefährdete Versorgungslage für Dachstein-Hütten

Die aktuelle Lage ist vor allem durch die unmittelbar
bevorstehende Trennung der beiden Gletscher in Verlängerung des
Gjaidstein-Südgrates in Richtung Bergstation der Dachstein-
Südwandbahn geprägt. Dadurch sind die Versorgungsfahrten mit dem Quad
zur Seethalerhütte nicht mehr ganzjährig durchgehend möglich. Eine
Begehung des Fußweges zur Seethalerhütte kann sogar von Personen mit
hochalpiner Erfahrung und Ausrüstung nur noch schwer bewältigt
werden. Zur Begehung der Übergänge zwischen allen betroffenen Hütten
wird zunehmend die Anwendung von situationsadäquatem alpinem
Risikomanagement zur Voraussetzung. Die Erhaltung und Anpassung
seiltechnischer Versicherungen in den Felsregionen wird immer
arbeitsintensiver (siehe Dachsteinüberschreitung, Amon-Klettersteig
und Steinerscharte). Der Alpenverein Austria hat daher entschieden,
durch Untersuchungen der Eismächtigkeit der Gletscher gesicherte
Planungsmaßnahmen für die nächsten Jahre zu erarbeiten.

Zwtl.: Maßnahmenerarbeitung dank modernster Gletschermessungs-
Technologie

Die Maßnahmen basieren auf den Gletscherdichtemessungen, die
mithilfe von Drohnen-Radaren durchgeführt werden. Bei der
eingesetzten Technologie handelt es sich um eine Methode der
oberflächennahen Geophysik. Das an der Unterseite der Drohne
montierte Radar sendet und empfängt elektromagnetische Wellen, die je
nach Medium (hier: Schnee, Eis oder Fels) zu unterschiedlichen
Reflektionen führen. Durch die Messung der Laufzeit kann die
Eismächtigkeit des Gletschers ermittelt werden. Durch einen
Abstandssensor („Altimeter“) kann die Drohne während der gesamten
Flugzeit einen konstanten Abstand zur Gletscheroberfläche einhalten.

Die gemeinnützige, außeruniversitäre Forschungseinrichtung
GEORESEARCH wurde mit der Erfassung der Eismächtigkeit am Hallstätter
Gletscher beauftragt. Der Fokus des Salzburger Forschungsinstituts
liegt auf dem Monitoring der Auswirkungen des Klimawandels im
Hochgebirge sowie der Entwicklung von Anpassungsstrategien an die
sich verändernden Bedingungen. Die Schwerpunkte umfassen die
Themenkomplexe Permafrost, Gletscher und gravitative Massenbewegung.
GEORESEARCH verwendet modernste Technologien mit dem Anspruch, die
bestmögliche Lösung je nach räumlicher und zeitlicher Skala bieten zu
können.

Zwtl.: Ergebnisse der Gletschermessung sprechen deutliche Sprache

Am Hallstätter Gletscher wurden im Dezember 2025 rund 52 km an
Radarprofilen per automatisiertem Drohnen-Flug anhand vorab
erstellter Flugpläne aufgenommen. Durch die engmaschige Befliegung
der gesamten Gletscherfläche konnte die Eismächtigkeit für den
Hallstätter Gletscher in hohem Detaillierungsgrad erfasst werden.
„Während konventionelle Gletschermessungen zur jährlichen Änderung
der Länge oder Massenbilanzen lediglich zeigen, in welchem Ausmaß
sich der Gletscher in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert
hat, braucht es für zuverlässige Prognosen die Quantifizierung des
verbleibenden Eisvolumens. Dafür kann ein Georadar eingesetzt
werden“, sagt Anna Siebenbrunner, Wissenschaftlerin bei GEORESEARCH.
Die Alpen werden neuesten Studien zufolge (Van Tricht, 2025) bis zum
Ende des Jahrhunderts weitgehend eisfrei sein – die Gletscher des
Dachstein-Massivs bereits deutlich früher.

Zwtl.: Die Messergebnisse bieten klare Entscheidungsgrundlagen in
folgenden Bereichen:

In ca. 10 bis 15 Jahren wird der Hallstätter Gletscher kein
geschlossenes Gebiet mehr bedecken

Je nach vorhandener Eisdicke und Bodenverhältnissen – in manchen
Zonen beträgt die Eisdicke 70 m, die mittlere Eisdecke liegt jedoch
nur noch 24 m – werden Sérac-ähnliche Eistürme und Eisformationen
noch Jahre lang erhalten bleiben. Ohne die Verbindung zum früheren
Nährgebiet kann man diese aber dann nicht mehr als Gletscher
bezeichnen – sie werden zu sogenanntem Toteis, das aber durchaus
weitere Risiken birgt.

An Stellen, an denen nur eine dünne Eisauflage gegeben ist,
werden sich gletscherfreie Passagen für Hüttenübergänge auftun.

Nach Abschmelzen des Gletschers könnten sich auch Seen bilden,
was zu einer Attraktivierung des Gebiets beitragen würde.

Wir im Alpenverein Austria sind überzeugt, dass in der
Dachsteinregion auch zukünftig herrliche Bergerlebnisse aller
Schwierigkeitsgrade möglich sein werden. Wir werden daher die
erforderlichen wege- und sicherungstechnischen Maßnahmen gezielt und
nach bestem Stand der Technik im Einvernehmen mit der
oberösterreichischen Landesregierung, den österreichischen
Bundesforsten und den Planaibahnen in Angriff nehmen. Ähnliche
Untersuchungen sind auch am Gosaugletscher, dessen Begehung über die
Adamekhütte ermöglicht wird, vorgesehen. Nicht zuletzt wird im
Glocknergebiet um die ebenfalls stark von den Folgen des Klimawandels
betroffene Oberwalderhütte ein vergleichbares Projekt, basierend auf
den gewonnenen Erkenntnissen, eingeleitet werden.

Für den Betreib der vor wenigen Jahren neu errichteten
Seethalerhütte wird ein gänzlich neues Logistik-Konzept erwogen. „Wir
müssen uns darauf vorbereiten, die Ver- und Entsorgung der Hütte ganz
oder teilweise auf Hubschrauberlogistik umzustellen, damit die hohen
Umweltstandards des Hüttenbetriebes auch weiterhin aufrechterhalten
werden können“, so das Statement des Hüttenreferenten Richard
Goldeband.

Der Erste Vorsitzende Friedrich Macher sagt dazu: „Wir waren
Erschließer der ersten Stunde in diesem herrlichen Gebirge. Wir
werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen, damit auch künftige
Generationen unser Arbeitsgebiet am Dachstein für vielfältige
Bergsportaktivitäten nutzen können.“