Wien (OTS) – Laut STATISTIK AUSTRIA beliefen sich die laufenden
Gesundheitsausgaben exklusive Investitionen im Jahr 2024 auf 57,8
Milliarden Euro oder 11,7 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Vergleich
zu 2023 ergab sich somit bei den nominellen Ausgaben für
Gesundheitsleistungen und -güter ein Anstieg um 8,3 Prozent [1]. Auf
Grund der Budgetsituation diskutiert man in ganz Österreich über
Sparmaßnahmen, auch im Gesundheitswesen. Erst kürzlich wurde auch
wieder auf den Finanzierungsbedarf der Sozialversicherung
hingewiesen. „Dabei bleibt die Diskussion oft abstrakt und für die
Betroffenen schwer verständlich. Wir wollen daher deutlich sagen: Im
Mittelpunkt der Gesundheitspolitik und -wirtschaft muss der
gemeinsame Einsatz für die Betroffenen stehen. Unser Gesundheitswesen
wird von Menschen finanziert, die Steuern und Sozialversicherung
zahlen – nicht von Institutionen, Sektoren oder Trägern. Den Weg zur
State-of-the-art-Versorgung für Menschen mit chronischen Wunden so
kurz wie möglich zu gestalten, ist unser gemeinsamer Anspruch“, waren
sich die Wiener Stadträtin Dr.in Kasia Greco (ÖVP), Mag.a Karin
Scheele, Abgeordnete zum NÖ Landtag (SPÖ) und Obfrau des
Gesundheitsausschusses, und die beiden Sprecher:innen der Initiative
Wund?Gesund! Mag.a Martina Laschet und Mag. Philipp Lindinger beim
heutigen Dialogforum „Finanzierung, Sparbedarf und die chronische
Wunde: Wie schaffen wir das?“ einig.
Zwtl.: Reformeifer für die Finanzierung – Noch mehr Drive bei der
Digitalisierung
Im Rahmen des Dialogforums betonte Stadträtin Dr.in Kasia Greco
die strukturellen Schwächen der derzeitigen Finanzierungslogik im
österreichischen Gesundheitssystem. Die fragmentierte Aufteilung
zwischen Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung führe zu
Verantwortungsdiffusion und Ineffizienzen, die angesichts steigender
Kosten und wachsender Budgetrestriktionen nicht länger tragbar seien.
„Wenn Finanzierung und Verantwortung auseinanderfallen, entsteht
Ineffizienz. Eine gebündelte Finanzierung würde Zuständigkeiten
klarer ordnen und Reformen beschleunigen“, so Greco. Aus ihrer
langjährigen Erfahrung im System wisse sie, dass viele sinnvolle
Reformideen nicht am Inhalt scheitern, sondern an parallelen
Finanzierungstöpfen und Zielkonflikten.
Zugleich verwies Greco auf den enormen Nachholbedarf im Bereich
der Digitalisierung. Während Telemedizin und strukturierte digitale
Datensteuerung längst internationaler Standard seien, arbeiteten
Pflegekräfte hierzulande vielfach noch mit papierbasierten Systemen.
„Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein
Entlastungsinstrument für Personal und Patientinnen und Patienten.
Sie spart Zeit, erhöht Qualität und schafft Transparenz. Die Frage
ist nicht, ob wir uns Digitalisierung leisten können. Die Frage ist,
ob wir es uns leisten können, weiter darauf zu verzichten“, erklärte
Greco.
Zwtl.: Versorgung und Finanzierung von Wundmanagement muss
flächendeckend sichergestellt sein
„Die Aufmerksamkeit für chronische Wunden nimmt international
stetig zu: in der Forschung, klinischen Praxis sowie
Gesundheitspolitik. Das ist gut und richtig im Sinne der von
chronischen Wunden Betroffenen“, stellte Mag.a Karin Scheele,
Abgeordnete zum NÖ Landtag (SPÖ) und Obfrau des
Gesundheitsausschusses, in ihrem Statement klar. Auch in Österreich
sei wachsendes Bewusstsein in diesem Bereich und Bewegung in der
politischen Debatte zu beobachten. Scheele betonte, dass es für die
Betroffenen keinen Unterschied machen dürfe, ob sie im ländlichen
Gebiet oder in der Stadt lebten. Die Versorgung und die Finanzierung
dafür sei jedenfalls sicherzustellen.
Scheele unterstütze daher die Forderung auf
Arbeitnehmer:innenseite, auch das Wundmanagement gleichberechtigt als
Leistungserbringung abzubilden, etwa im Sozialversicherungsrecht.
„Schließlich kann kein Zweifel daran bestehen, dass Wundmanagement
eine Form der Krankenbehandlung ist.“ Es dürfe daher auch nicht sein,
dass Betroffene „auf den Kosten sitzen bleiben“, stellte Scheele
klar.
Zwtl.: Abgestufte Versorgung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und
strukturierte Behandlungswege
„Gerade in Zeiten knapper Budgets liegt der Schlüssel zu einer
nachhaltigen Finanzierung des Gesundheitswesens nicht in pauschalen
Kürzungen, sondern in konsequenter Effizienzsteigerung.
Internationale Analysen zeigen, dass 20 bis 40 Prozent der
Gesundheitsausgaben durch Ineffizienzen verloren gehen – ein enormes
Potenzial, um Qualität und Zugang zu sichern, ohne zusätzliche Mittel
einsetzen zu müssen. Ziel muss daher sein, vorhandene Ressourcen
klüger zu nutzen und Versorgung besser zu steuern. Das Wiener
Wundnetz zeigt, wie das konkret gelingt: Durch abgestufte Versorgung,
interdisziplinäre Zusammenarbeit und strukturierte Behandlungswege
konnten die wundrelevanten Arztkosten um 53,4 Prozent, die
Arztkontakte um 54,1 Prozent und die Ambulanzkontakte um 28 Prozent
reduziert werden. Als gemeinsames Projekt von
Sozialversicherungsträgern und dem Land Wien ist es ein Beispiel
dafür, wie anfängliche Investitionen langfristig durch schnellere
Heilungsverläufe, geringere Leistungsinanspruchnahme und höhere
Versorgungsqualität kompensiert werden können“, so Dr.in Birgit
Kraft, Gesundheitssystem & Qualität, Bundes-Zielsteuerung und
Gesundheitsökonomie, Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK). Sie ist
auch Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin sowie
Schmerztherapie bei der Österreichischen Gesundheitskasse.
„Wir wollen für Betroffene im Bereich chronischer Wunden einen
zentralen, transparenten, nachvollziehbaren, einheitlichen und
verbindlichen Einreich- und Erstattungsprozess erreichen“, schlossen
Laschet und Lindinger für die Initiative Wund?Gesund!.
Zwtl.: Über die Initiative Wund?Gesund!
Die Initiative Wund?Gesund! ist ein Zusammenschluss von
Unternehmen und Kooperationspartnern aus dem Gesundheitswesen. Im
Mittelpunkt steht die optimale Versorgung der Patient:innen mit
passenden Medizinprodukten: vom einfachen Wundpflaster über
hydroaktive Wundauflagen bis zur Wundunterdrucktherapie.
[1] Vgl.: STATISTIK AUSTRIA, Pressemitteilung: 14 097-016/26,
„Gesundheitsausgaben 2024 deutlich gestiegen“, Website vom 10.
Februar:
https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2026/01/20260129Gesu-
ndheitsausgaben2024.pdf
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