Millstätter Wirtschaftsgespräche diskutierten Konsequenzen neuer Machtverhältnisse

Millstatt (OTS) – Mit acht hochkarätig besetzten Powertalks rund um
Themen wie Führung,
Sicherheit, Kooperation und Wettbewerb und dem Millstatt Wirtschafts-
Lunch gingen heute die zehnten Millstätter Wirtschaftsgespräche
inhaltlich zu Ende. In einem intensiven Programm mit rund 60
Referentinnen und Referenten hatten sich die 10. Millstätter
Wirtschaftsgespräche in den vergangenen drei Tagen unter dem Titel
„Wirtschaft.Macht.Zukunft“ mit den Folgen veränderter politischer,
wirtschaftlicher und technologischer Machtverhältnisse
auseinandergesetzt. Neben ökonomischen Entwicklungen standen gemäß
der Philosophie der Millstätter Wirtschaftsgespräche auch nicht-
ökonomische Grundlagen wirtschaftlichen Erfolgs im Fokus.

Zwtl.: Starke Industrie, starke gesellschaftliche Mitte

Gunter Deuber, Head of Research der RBI, plädierte für das
Anerkennen der neuen Realitäten, für die richtigen Prioritäten und
für mehr Selbstbewusstsein: „ Wir haben eine industrielle Stärke, die
wir trotz adverser Standortbedingungen halten konnten.
Deindustrialisierung ist ein Risiko, aber nicht die Realität in
Österreich. Es gibt eine Substanz, die es zu bewahren und auszubauen
gilt. “ Zu gesellschaftlichen Grundlagen des Standorterfolgs
referierte der renommierte deutsche Historiker Andreas Rödder, Leiter
der Denkfabrik R21. Er sprach sich für eine Stärkung der
gesellschaftlichen Mitte aus, die von der „postmodernen Linken“ und
vor allem der „postliberalen Rechten“ gefordert sei. Für mehr Macht
der Mitte sei ein positives Narrativ erforderlich, in dessen
Mittelpunkt eine lebenswerte Zukunft für Kinder und Enkel und eine
Kultur des Fleißes und der Chancen stehen müssten. Eine nachhaltige
Politik der Mitte setze auf Pluralismus, Innovationskraft, Wachstum
und neue Technologien, die reflektiert angewendet werden. Die
Prinzipien der Mitte müssten „neu, mutig und unkonventionell“ gelebt
werden, forderte Rödder.

Mitte und Vernunft walten zu lassen, sei eine große politische
Aufgabe, betonte auch Brigitte Ederer, Vorsitzende des Aufsichtsrates
der ÖBB-Holding. Rainer Nowak, Vorsitzender der Geschäftsführung der
Presse, stellte fest, dass die ÖVP in Österreich und die CDU in
Deutschland sich wieder als Wirtschaftsparteien begreifen müssten. Es
brauche mehr politische Entscheidungskraft und Mut.

Zwtl.: Europäische Idee ungebrochen attraktiv

EU-Kommissar Magnus Brunner betonte bei den Millstätter
Wirtschaftsgesprächen den tiefgreifenden Wandel der internationalen
Ordnung, bei dem es sich nicht um ein „vorübergehendes Störgeräusch“
handelt. Europa müsse sich international stärker diversifizieren. Er
erläuterte weiter, dass Europa viele Regionen der Welt näher an
Europa heranrücken – und, dass genau das besser genutzt werden kann
und muss. Die europäische Idee, in Vielfalt geeint zu sein, sei
ungebrochen attraktiv.

Zwtl.: Geschwindigkeit wichtig für Sicherheit

Im Sicherheits-Panel der heurigen Millstätter
Wirtschaftsgespräche betonte der EU-Kommissar auch die
wirtschaftlichen Chancen der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie.
Harald Vodosek, Generalleutnant und nationaler Rüstungsdirektor,
unterstrich positive europäische Weiterentwicklungen und verwies
darauf, dass der Wehrbudget der EU-Staaten bei insgesamt 400
Milliarden Euro liege. Milan Šlapák, CEO von Steyr Arms,
konstatierte, dass es zwar ein Commitment von Regierungen zu
Investitionen gebe, diese allerdings Zeit bräuchten. Länder mit
„schlechten Nachbarn“, wie die baltischen Staaten, Bulgarien oder
Rumänien, würden rascher handeln. Auch Martin Reischer, Geschäftsfu
̈hrer von GDELS-Steyr, erklärte, dass sich der politische Wille zu
Sicherheitsinvestitionen auch in Budgetzahlen manifestieren müsse –
Geschwindigkeit sei eine wichtige Qualität.

Zwtl.: „MEGA-Bewegung“ für Europa

Der ehemalige Bundeskanzler Karl Nehammer, Vizepräsident der
Europäischen Investitionsbank, sagte bei den Millstätter
Wirtschaftsgesprächen, dass der Wiederaufbau der Ukraine bedeutende
Chancen auf Wachstum eröffne. Die EIB setze sich in der Ukraine dafür
ein, Wirtschaft möglich zu machen und zu halten. Die europäische
Dimension betonte auch Michael Strugl, Vorsitzender des Vorstands und
CEO VERBUND AG, im Souveränitäts-Panel des Wirtschaftsformats:
Versorgungssicherheit für Österreich und andere Länder könne am
besten in einem gemeinsamen europäischen Strommarkt hergestellt
werden. Peter Weinelt, Generaldirektor Wiener Stadtwerke, berichtete
von den Erfahrungen des Cyberkriegs. Die Wiener Stadtwerke
Infrastruktur würden ein paar hundertmal pro Sekunde attackiert. Dies
bekomme man nur mit Partnerschaften und Ressourcen in den Griff. Auch
Weinelt bezeichnete sich als „großer Anhänger“ von Abkommen der
Europäischen Union und der Zusammenarbeit mit Partnern. Die EU solle
größer werden. Andreas Matthä, CEO der ÖBB-Holding AG, plädierte bei
den Millstätter Wirtschaftsgesprächen für eine MEGA-Bewerbung im Sinn
von „Make Europe Great Again“. Bisher mache man sich als Europäer
immer klein und schaffe es nicht, geeint aufzutreten.

Zwtl.: Andere abhängig machen

Die geopolitische Dimension prägte auch die Technologie-Debatten
der Wirtschaftsgespräche. So betonte Sabine Herlitschka,
Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria AG, mit Blick
auf das Thema strategische Autonomie: Wir müssen in strategischen
Bereichen so gut sein, dass auch andere von uns abhängig sind. Wir
müssen in Forschung und am Markt herausragende Stärken haben. Für
eine bessere Nutzung von Daten sprach sich Hans Aubauer, Leiter der
Krankenversicherung UNIQA Insurance Group und CEO UNIQA Health
Service, mit Blick den Gesundheitsbereich aus: „Bessere Daten
bedeuten besseren Schutz.“ Er hob den großen Wert anonymisierter
Daten für das Gesundheitswesen hervor. Die Bedeutung digitaler
Souveränität und den Wert des digitalen Euro adressierte Philipp
Amann, Head of Digital Security der EZB, in seinem Impuls. Er verwies
darauf, dass fast 70% der Zahlungssysteme in Europa nicht-europäische
System sind.

Zwtl.: Neue Maßstäbe als Netzwerkformat

„ Die Millstätter Wirtschaftsgespräche 2026 haben spannende
Insights in neue globale Machtverhältnisse und ihre wirtschaftlichen
Auswirkungen für uns alle gebracht. Es steht außer Frage, dass für
Österreich und Europa die europäische Zusammenarbeit der Schlüssel
für mehr politische und wirtschaftliche Macht in der neuen
Weltordnung ist “, bilanzieren die Initiatoren der Millstätter
Wirtschaftsgespräche, Alfons Helmel und Markus Gruber. Auch als
Netzwerkformat führender Wirtschaftsorganisationen haben die
Wirtschaftsgespräche neue Maßstäbe gesetzt: „ Die 10. Millstätter
Wirtschaftsgespräche haben einmal mehr ihre Qualitäten als
werteorientiertes und persönlichstes Wirtschaftsformat des Landes
unter Beweis gestellt “, freuen sich die Initiatoren. Die nächsten
Millstätter Wirtschaftsgespräche finden von 28. April-1. Mai 2027
statt.