Wien (OTS) – Neue BOKU-Studie liefert wichtige Einblicke in bislang
wenig
verstandene Prozesse an der Grenze zwischen Wasser und Atmosphäre.
Die Arbeit wurde kürzlich im renommierten Fachjournal Nature Climate
and Atmospheric Science veröffentlicht.
Mikroalgen – winzige, im Wasser lebende Pflanzen – setzen
bestimmte Gase frei, die in der Atmosphäre zur Bildung von Wolken
beitragen können. Besonders bedeutend ist dabei Dimethylsulfid (DMS),
ein Schwefelgas, das unter anderem die Wolkenbildung beeinflusst und
damit indirekt das Erdklima mitsteuert.
Zwtl.: Von der Welle in die Wolke
In einer Studie untersuchte Bernadette Rosati vom Institut für
Meteorologie und Klimatologie der BOKU University, was passiert, wenn
Mikroalgen durch Luftblasen aus dem Wasser in die Luft gelangen – ein
Vorgang, der in der Natur etwa beim Brechen von Meereswellen ständig
auftritt. Dafür wurden sowohl Süßwasser- als auch Salzwasser-
Mikroalgen im Labor gezielt „aufgeschäumt“.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Luftblasen eine Schlüsselrolle
dabei spielen, dieses klimawirksame Gas aus dem Wasser in die
Atmosphäre zu transportieren“, erklärt Rosati, die auch Erstautorin
der Studie ist. „Wellenbewegungen im Meer sind damit weit mehr als
nur ein physikalisches Phänomen – sie beeinflussen auch chemische
Prozesse mit globaler Wirkung.“
Zwtl.: Kurze Reise mit großer Botschaft
Gleichzeitig konnten die Forschenden beobachten, dass durch die
Blasen auch Mikroalgen selbst in die Luft transportiert werden.
Allerdings überlebte nur etwa die Hälfte diesen Prozess – und selbst
diese Zellen konnten sich später nicht mehr vermehren. Eine weite
Verbreitung von Mikroalgen über die Luft ist daher eher
unwahrscheinlich. „Das bedeutet, dass Mikroalgen zwar kurzfristig in
die Luft transportiert werden, aber kaum das Potenzial haben, neue
Lebensräume zu besiedeln“, so Rosati.
Die zentrale Botschaft der Studie: Auch wenn Mikroalgen kaum neue
Lebensräume über die Luft erobern, bleibt ihr Einfluss auf das Klima
erheblich – vor allem durch die Freisetzung von DMS. Die Ergebnisse
helfen dabei, Klimamodelle zu verbessern und die komplexen
Wechselwirkungen zwischen Ozeanen, Atmosphäre und Klima besser zu
verstehen.
Mehr Informationen auf https://www.nature.com/articles/s41612-025
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