Lisa Schulte hat Wunschliste für Olympia (FOTO)

Cortina d’Ampezzo (OTS) – Österreichs Medaillen-Hoffnung im Rodeln

Natürlich weiß Lisa Schulte ganz genau, dass Olympische Spiele
kein Wunschkonzert sind. Trotzdem äußert die 25 Jahre alte
Österreicherin zwei Punkte, die sie gerne in Cortina d’Ampezzo
erleben würde. „Eine Medaille ist mein Ziel“, sagt die Rodlerin. Und
Punkt zwei? „Es wäre cool, wenn ich Mikaela Shiffrin über den Weg
laufen würde und wir kurz quatschen könnten“, verrät Schulte. Wunsch
eins ist nachvollziehbar, aber was hat es mit der Nummer zwei, dem
Treffen mit der zweifachen Olympiasiegerin und achtfachen Ski-
Weltmeisterin aus den USA auf sich? „Mikaela ist für mich ein großes
Vorbild“, sagt die Frau mit den blonden Lockenhaaren. Umgehend
liefert sie die Begründung hinterher: „Abgesehen von ihren
skifahrerischen Qualitäten finde ich ihre mentale Stärke sehr
beeindruckend, wie sie mit den Erwartungen und dem Druck umgeht.
„Nach außen wirkt es so, dass sie extrem bei sich ist. Das ist sicher
die Basis ihres großartigen Erfolgs. Und sie kommt in der
Öffentlichkeit sehr sympathisch und ehrlich rüber.“ Die Chancen auf
eine Begegnung schätzt Schulte trotzdem als gering ein: „Sie hat ihr
eigenes Programm. Zudem ist sie doch einiges bekannter als ich.“ Die
Österreicherin befürchtet, dass außer ihr noch mehr Olympiastarter
denselben Wunsch haben wie sie.

An ihrer mentalen Stärke arbeitet Lisa Schulte schon seit einiger
Zeit. Im vergangenen Sommer hat die 1,76 Meter große Athletin das
Rennen bei den Olympischen Spielen schon einmal mit ihrem Coach
durchgesprochen. Denn im Gegensatz zu den Entscheidungen im Weltcup
wird nicht in zwei, sondern in vier Durchgängen über die
Platzierungen entschieden. Zwischen Lauf zwei und drei liegt eine
Nacht. „Nach dem ersten Tag muss man runterkommen und den Kopf
freibekommen“, sagt die Weltmeisterin von 2024, „und am zweiten Tag
fängt es neu an.“ Das ist leichter gesagt als getan. Deshalb passt
gut, was Schulte, die bislang ein Weltcuprennen gewonnen hat,
ergänzt: „Bei Olympia passieren immer komische Dinge.“ Ihr
Erfolgsrezept: „Vier konstante Läufe.“ Ihr kommt möglicherweise ihre
Sympathie für die neu gestaltete Bahn in Cortina entgegen: „Die Bahn
ist nicht besonders schnell, stellt aber gewisse Ansprüche. Ich mag
Bahnen mit einem feineren Flow.“

Ungewöhnlich ist auch das Leben der 25-Jährigen verlaufen.
Geboren wurde sie in Deutschland, in Regensburg. Mit zwei Jahren
siedelte Familie Schulte nach Nordrhein-Westfalen um. Nach sieben
Jahren nahm ihr Vater einen Job in Tirol an. Seitdem ist das
Stubaital ihre Heimat. „In der Grundschule hat eine Freundin gesagt,
dass Rodeln megacool sei und ich das unbedingt probieren solle“,
berichtet Schulte, „dabei wusste ich damals gar nicht, was Rodeln
ist.“ Die Freundin hatte recht, Lisa Schulte war sofort Feuer und
Flamme, denn, dazu bekennt sie sich heute gerne, „Speed und Adrenalin
sind meine Passion“. Im Vorfeld der Youth Olympic Games 2016 in
Lillehammer, bei denen ihr Bruder Bastian Vierter geworden war, nahm
die Familie Schulte die österreichische Staatsbürgerschaft an.

Im Winter im Eiskanal unterwegs, im Sommer auf der Straße. Lisa
Schulte lebt die Passion Speed und Adrenalin intensiv. Von ihrem
Vater darf sie sich dessen Motorrad ausleihen. „Wenn’s sich ausgeht,
dann drehe ich gerne eine Runde“, erzählt sie. Manchmal geht aber
auch die Familie gemeinsam auf Tour. „Natürlich fahren wir Pässe rauf
und runter“, sagt sie, „gerne nach Italien auf einen Kaffee.“

Doch es gibt auch noch eine andere, ruhige Seite bei Lisa
Schulte. Sie kocht und backt sehr gerne, auch töpfern nennt sie als
Hobby. Gerne geht sie auch auf Reisen. Wichtig sind ihr aber die
Treffen mit Freunden, „leider fehlt es mir an der Zeit, gerade im
Winter, wenn wir viel unterwegs sind“.

Als ehrlich, empathisch und zielstrebig charakterisiert sich Lisa
Schulte selbst. Zumindest zwei Eigenschaften sind hilfreich, dass
mindestens einer ihrer beiden Wünsche für die Olympischen Spiele in
Erfüllung gehen können.