St. Pölten (OTS) – „Ein Kind zu verlieren – ob während, in der
Schwangerschaft oder nach
der Geburt – ist das Schlimmste, was Eltern widerfahren kann. Umso
wichtiger ist es, dieses Thema aus der Tabuzone zu holen und sichtbar
zu machen. Betroffene Eltern sollen wissen: Sie sind nicht allein“,
betont Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner anlässlich des
Gedenktages für Sternenkinder, der jährlich am 15. Oktober begangen
wird.
Sternenkinder sind Kinder, die vor, während oder kurz nach der
Geburt sterben. Für viele Eltern ist dieser Begriff ein tröstlicher
Gedanke, weil er ausdrückt, dass ihre Kinder wie Sterne am Himmel
über sie wachen. Aus Anlass des Gedenktages lud die Landeshauptfrau
zwei Expertinnen zu einem Austausch ein: Miriam Jakl, Hebamme, Obfrau
des Vereins Nabhinadi und Stellvertretende Obfrau des Vereins „Rechte
für Sternchenmamas“, sowie Oberärztin Daniela Paulsen, Palliativ-
Kinderärztin am Landesklinikum Mödling sowie Mitglied des Kinder- und
Jugend-Palliativteams. „Ich danke Frau Jakl und Frau Dr. Paulsen für
ihren großartigen Einsatz. Sie leisten nicht nur unschätzbare
Unterstützung für betroffene Eltern, sondern tragen auch dazu bei,
Tabus zu brechen“, sagte Mikl-Leitner dabei.
Ein zentrales Thema des Gespräches war die rechtliche
Ungleichbehandlung: Nach einem Schwangerschaftsverlust mit einem Kind
über 500 Gramm gilt das Mutterschutzgesetz – mit einem
Beschäftigungsverbot von bis zu 16 Wochen. Hat das Kind jedoch
weniger als 500 Gramm gibt es kein Beschäftigungsverbot. Frauen haben
lediglich die Möglichkeit eines Krankenstands. Die Landeshauptfrau
unterstrich: „Diese Lücke im Gesetz bedeutet eine zusätzliche
Belastung für Frauen, die ohnehin in einer extrem schwierigen
Lebenssituation sind. Hier muss sich etwas ändern.“ Auch im Bereich
Karenz gibt es für betroffene Eltern offene Fragen: Stirbt ein Kind
während der Karenz, endet diese grundsätzlich vorzeitig. „Auch hier
ist es notwendig, dass wir über Verbesserungen sprechen – aus Respekt
vor den Eltern und aus Mitgefühl mit ihrem unermesslichen Verlust“,
so Mikl-Leitner.
„Nach einer pränatalen Diagnose oder einem Verlust brauchen
Familien Halt – keine Hürden. Eine frühe Hebammenbetreuung kann hier
entscheidend sein, um Trauer, medizinische Versorgung und emotionale
Stabilität zu verbinden. Dass im aktuellen Maßnahmenpaket eine
Betreuung ab der 18. Woche vorgesehen ist, ist ein wichtiger Schritt
– aber er reicht nicht aus“, erklärte Miriam Jakl, die mit ihrem
Verein Nabhinadi betroffene Familien begleitet. Und Oberärztin
Daniela Paulsen ergänzte: „Es ist wichtig, dass eine umfassende
empathische Begleitung betroffener Familien, insbesondere auch der
Geschwisterkinder, in unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert
erhält.“
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Begleitung von
Familien in der Palliativversorgung. Niederösterreich verfügt bereits
über ein engmaschiges Netz an Hospiz- und Palliativangeboten – von
mobilen Teams über stationäre Hospize bis hin zu spezialisierten
Kinder-Palliativteams. „Die umfassende Palliativ- und
Hospizversorgung ist mir ein großes Anliegen. Denn Eltern, die ihr
Kind verlieren, brauchen nicht nur rechtliche Absicherung, sondern
vor allem einfühlsame Begleitung und Betreuung“, so die
Landeshauptfrau. In Niederösterreich arbeite man daher kontinuierlich
daran, die Versorgung weiter auszubauen und zu stärken.
Abschließend hielt Mikl-Leitner fest: „Eltern, die ihr Kind
verlieren, brauchen Verständnis, Unterstützung und einen klaren
rechtlichen Rahmen, der sie schützt. Ich werde mich auch weiterhin
mit voller Kraft dafür einsetzen, dass hier Verbesserungen erreicht
werden. Wir dürfen niemanden mit diesem Schmerz allein lassen.“