Wien (OTS) – Die Altersmedizin (Geriatrie) bekommt vor dem
Hintergrund einer immer
älter werdenden Bevölkerung eine immer größere Bedeutung, betont
Prim. Univ. Prof. Dr. Marcus Köller, Präsident der Österreichischen
Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie. Mit zunehmendem Alter
kommt es zum Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und Muskelfunktion,
der sogenannten Sarkopenie. Funktionalität und insbesondere Mobilität
werden von unseren Muskeln „getragen“, ca. die Hälfte der Muskulatur
des Körpers steckt in den Beinen. Die Sarkopenie beginnt im 5.
Lebensjahrzehnt, und nimmt mit dem Alter sprunghaft zu. Sind in der
Gruppe der 60-Jährigen ca. 10 % sarkopen, so trifft dies bei den über
80-Jährigen die Hälfte der Menschen. Gangunsicherheit, Stürze oder
gar Knochenbrüche oder andere schwere Verletzungen sind die Folge.
Wir wissen, dass die Sarkopenie zudem eine zentrale Komponente
der Gebrechlichkeit ist. Diese geht mit einer erhöhten Sterblichkeit
einher, gebrechliche Menschen gelten als „vulnerabel“, und haben
häufiger Komplikationen bei Krankenhausaufenthalten oder anderen
medizinischen Maßnahmen. Sie werden auch häufiger pflegebedürftig.
Die Diagnose der Sarkopenie wird durch Funktions- und Krafttest,
sowie mit technischen Messmethoden der Muskelmasse gestellt.
Der Sarkopenie kann man entgegenwirken: Krafttraining und
ausreichende Ernährung mit Eiweiß. Aber auch Vitamin D ist für den
Muskel, genauso wie für die Knochen, von Bedeutung. Das Training
sollte aber im höheren Alter immer medizinisch begleitet werden, denn
falsche oder plötzlich übermäßige Belastung kann auch zu
gesundheitlichen Schäden führen.
Die Muskulatur bildet darüber hinaus mit dem Gehirn eine
funktionelle Achse. Studien zeigen, dass regelmäßiges Training auch
das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen, wie das Parkinson-
Syndrom oder die Alzheimer-Demenz, reduziert. „Leben heißt bewegen“
muss das Motto bis in hohe Alter bleiben, so der Experte.