Wien (OTS) – Die historische Dürre bringt Österreichs Land- und
Forstwirtschaft an
ihre Grenzen. Das erste Halbjahr 2026 war das zweittrockenste seit
Beginn der Messungen, in Niederösterreich, Oberösterreich und
Salzburg sogar das trockenste. Ernteausfälle, Futterknappheit und
hohe Kosten belasten die Betriebe, während rund 318 Waldbrände
bereits Anfang August einen neuen Höchststand markieren. Die Land&
Forst Betriebe Österreich fordern daher rasche und wirksame
Unterstützung für besonders betroffene Betriebe sowie verlässliche
Rahmenbedingungen für Klimawandelanpassung und Waldbrandprävention.
„ Die Dürre endet nicht am Feldrand. Sie trifft unsere Ernten,
die Futtergrundlage unserer Tiere und unsere Wälder gleichzeitig.
Unsere Betriebe reagieren längst mit angepassten Kulturen,
Bodenschutz, Wassermanagement und dem Umbau hin zu standortgerechten,
vielfältigen und klimafitten Wäldern. Doch eine Ausnahmesituation
dieses Ausmaßes können die Betriebe nicht alleine bewältigen. Jetzt
braucht es rasche und wirksame Unterstützung “, betont Konrad Mylius,
Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.
Landwirtschaft in einer historischen Ausnahmesituation
Seit Monaten fehlt in weiten Teilen Österreichs der notwendige
Niederschlag. Bei Weizen und Gerste haben sich bei der erfolgten
Ernte vielerorts deutliche Ertragseinbußen gezeigt, während sich die
Lage bei den Herbstkulturen weiter zuspitzt: Mais bleibt im Wachstum
zurück, Soja vertrocknet auf den Feldern, auch Kürbis, Kartoffeln und
Zuckerrüben stehen massiv unter Druck. Besonders dramatisch ist die
Situation im Grünland. Wo kaum noch Futter nachwächst, müssen
zahlreiche viehhaltende Betriebe bereits mitten im Sommer auf ihre
Wintervorräte zurückgreifen. Damit reichen die Folgen der Dürre schon
jetzt weit über die heurige Ernte hinaus.
Die dürrebedingten Ernteausfälle verschärfen die ohnehin
angespannte wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. Während die
Einnahmen sinken, bleiben die Kosten für Betriebsmittel, Energie,
Treibstoff und Personal hoch – bei gleichzeitig niedrigen
Erzeugerpreisen.
„ Die Folgen des Klimawandels sind auf unseren Feldern längst
Realität. Die Betriebe passen ihre Bewirtschaftung laufend an
zunehmende Hitze- und Trockenperioden an. Doch wenn gleichzeitig
Erträge ausbleiben, Kosten hoch bleiben und weitere Investitionen in
die Klimaanpassung notwendig werden, geraten selbst gut geführte
Familienbetriebe an ihre Grenzen “, erklärt Mylius.
Die Land&Forst Betriebe Österreich begrüßen die vom
Landwirtschaftsministerium beschlossenen Erleichterungen bei ÖPUL und
Ausgleichszulage als wichtigen unbürokratischen ersten Schritt.
Angesichts des Ausmaßes der Schäden braucht es jedoch weitere rasche
und wirksame Unterstützung. Darüber hinaus müssen Investitionen in
die Klimawandelanpassung gezielt unterstützt werden, etwa der Ausbau
effizienter Bewässerungsmöglichkeiten. Langfristig zeigt die aktuelle
Dürre einmal mehr, wie wichtig eine starke, verlässlich finanzierte
und flächenbezogene Gemeinsame Agrarpolitik ist, die den Betrieben
auch bei zunehmenden Wetterextremen Planungssicherheit gibt.
Waldbrandprävention ist eine Investition in die öffentliche
Sicherheit
Auch die Wälder leiden unter dem anhaltenden Wassermangel.
Trockene Böden und geschwächte Bäume erhöhen nicht nur das Risiko von
Borkenkäferschäden, sondern auch die Waldbrandgefahr. Mit heutigem
Stand wurden laut österreichischer Waldbrand-Datenbank bereits rund
318 Waldbrände dokumentiert – mehr als in jedem vollständigen Jahr
seit Beginn der systematischen Erfassung. Und das, obwohl noch fast
fünf Monate des Jahres vor uns liegen.
Die aktuellen Ereignisse machen deutlich, wie wichtig aktive
Waldbewirtschaftung und gezielte Vorsorge sind. Österreichs
Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer gestalten ihre Wälder
standortgerecht, vielfältig und klimafit, investieren in Forststraßen
und Löschwasserentnahmestellen und arbeiten eng mit den Feuerwehren
zusammen.
„ Wenn im Wald ein Feuer ausbricht, zählt jede Minute.
Forststraßen dienen als Rettungswege und ermöglichen den
Einsatzkräften einen raschen Zugang, Löschwasserentnahmestellen
verkürzen die Wege und aktive Waldbewirtschaftung trägt zur
Widerstandskraft der Bestände bei. Diese Maßnahmen schützen nicht nur
den Wald, sondern auch Siedlungen, Infrastruktur und Menschen.
Waldbrandprävention ist daher keine freiwillige Zusatzleistung,
sondern ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Sicherheit “,
unterstreicht Mylius.
Klimaschutz durch Holznutzung
Die zunehmenden Hitze- und Trockenperioden zeigen: Neben
konsequenter Klimawandelanpassung braucht es wirksamen Klimaschutz.
Nachhaltig genutztes Holz leistet dazu einen wichtigen Beitrag. In
langlebigen Holzprodukten, insbesondere im Holzbau, bleibt
Kohlenstoff über Jahrzehnte gespeichert. Gleichzeitig können
nachwachsende Bäume erneut CO₂ aus der Atmosphäre aufnehmen. Darüber
hinaus kann Holz emissionsintensive Baustoffe ersetzen und damit den
CO₂-Ausstoß des Bau- und Gebäudesektors, welcher den höchsten
Treibhausgasausstoß von allen Sektoren hat, deutlich senken. Holzbau
verbindet somit Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und die
nachhaltige Nutzung heimischer Ressourcen.
Die Land&Forst Betriebe Österreich sind die freiwillige
Vereinigung österreichischer Landbewirtschafter, mit der Zielsetzung,
Österreichs Wälder und Felder als betriebliche Grundlage und
gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und Bewusstsein für die
Anliegen privater land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und deren
Tätigkeit zu schaffen. Die Mitgliedsbetriebe der Land&Forst Betriebe
Österreich bewirtschaften zusammen mehr als ein Viertel des
österreichischen Waldes und produzieren jede fünfte Tonne des
österreichischen Getreides.