Schlitters (OTS) – Im Schlitterer Gießen, einem Zubringer des Ziller,
werden beste
Bedingungen für die Fortpflanzung von Bachforelle und Äsche
geschaffen. Rechtzeitig zum Beginn der Bachforellen-Laichzeit lockern
Bagger auf drei Abschnitten den Kies im Fluss auf. Fische brauchen
diese Zwischenlebensräume im Kies, um dort ihre Eier abzulegen. „
Durch menschliche Eingriffe wie Verbauungen sind Laichplätze für
Fische am Inn und seinen Zubringern selten geworden. Wir stellen
diese wieder her, indem wir den Kies auflockern. Maßnahmen wie diese
sind notwendig, um den Fortbestand von Bachforelle, Äsche und Co. zu
sichern ”, sagt Marianne Götsch, Projektmitarbeiterin INNsieme
connect beim WWF Österreich. Der WWF, der Tiroler Fischereiverband
und weitere Partnerorganisationen aus Tirol und Bayern setzen sich im
Rahmen von INNsieme connect grenzübergreifend für den Artenschutz am
Inn und seinen Zubringern ein.
Bereits 2021 wurde der Schlitterer Gießen im Rahmen einer
Renaturierung ökologisch verbessert und an den Ziller angebunden,
sodass Fische wieder ungehindert aufsteigen können. Diese Maßnahme
wurde damals unter anderem gemeinsam mit dem Tiroler Fischereiverband
umgesetzt. Mit zunehmender Verfestigung des Flussbetts ist nun ein
Nachbessern notwendig, um die Fortpflanzung der Fische wieder zu
ermöglichen. Zacharias Schähle, Geschäftsführer des Tiroler
Fischereiverbands, begleitet die Maßnahme vor Ort: „ Tirols Flüsse
sind vielerorts verbaut oder stark menschlich beeinflusst. Dadurch
geht die natürliche Dynamik des Flusses verloren, und Feinsedimente
verstopfen das Flussbett. Viele heimische Fischarten, wie die
Bachforelle oder die Äsche, benötigen aber für eine erfolgreiche
Eiablage lockere und gut durchströmte Kiesflächen. ” Wie dankbar
wertvolle Laichplätze angenommen werden, zeigte sich vor Ort: Nur
kurze Zeit, nachdem der Kies für die Fische gerichtet wurde, fand
sich zur Freude aller Anwesenden auch schon die erste Bachforelle zum
Laichen am Schlitterer Gießen ein.
Die Technische Universität München (TUM) beschäftigt sich im Rahmen
von INNsieme connect intensiv damit, welche Bedingungen Fische zur
Fortpflanzung benötigen. Joachim Pander und sein Team vom Lehrstuhl
für Aquatische Systembiologie begleiten die Laichplatzaufbereitung
mit wissenschaftlichen Untersuchungen. „ Fische sind eng an ihren
Lebensraum angepasst. Wird dieser menschlich verändert, reagieren sie
darauf sensibel. Um natürliche Prozesse im Fluss wieder in Gang zu
setzen ist es vielerorts notwendig geworden, dass wir als Menschen
aktiv eingreifen ”, sagt Joachim Pander von der TUM. Das ist oft
keine einfache Aufgabe, da Straßen, Siedlungen und diverse
Landnutzungen dem Fluss einen Rahmen vorgeben. “Wir müssen im Bereich
des Möglichen tun, was man tun kann, um Lebensräume heimischer
Fischarten wiederherzustellen”, so Joachim Pander.
INNsieme connect
Gemeinsam für den Inn – das ist das Motto von INNsieme connect, der
Fortsetzung des erfolgreichen Projekts INNsieme (2019–2022):
Partnerorganisationen mehrerer Länder kommen zusammen, um den Inn als
wertvollen Lebensraum für Mensch und Natur zu stärken und ein
Netzwerk für den Schutz des Inn zu schaffen. Dabei werden Maßnahmen
zum Artenschutz, zur Umweltbildung und zur Planung konkreter
Renaturierungen am Inn und seinen Zubringern umgesetzt. Ermöglicht
wird dies durch die Kofinanzierung der Europäischen Union im Rahmen
des Förderprogramms Interreg Bayern–Österreich 2021–2027, sowie durch
die Förderung durch das Land Tirol.
Bilder von der Aktion zur redaktionellen Verwendung gibt es hier zum
Download .