Wien (OTS) – Die Lage der österreichischen Lack- und
Anstrichmittelindustrie
bleibt angespannt. Trotz einzelner Hinweise auf eine Stabilisierung
sieht sich die Branche weiterhin einem herausfordernden
wirtschaftlichen Umfeld gegenüber. „ Auf der einen Seite kämpfen wir
mit starkem Wettbewerbsdruck aufgrund der hohen Energie- und
Lohnstückkosten “, erläutert Hubert Culik, Obmann der
österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie, die aktuelle
Lage. „ Andererseits befinden sich mehrere Abnehmerindustrien nach
wie vor in schwieriger Position. “ Die Industrie investiert
zurückhaltend, viele Unternehmen verschieben Anschaffungen oder
reduzieren ihre Produktion, was die Nachfrage nach Industrielacken
und Holz- bzw. Möbellacken weiter dämpft. Darüber hinaus spürt die
Branche negative Auswirkungen der aktuellen US-Handelspolitik, wenn
nachgelagerte Sektoren aufgrund der Zölle nicht mehr in die USA
liefern.
Zwtl.: Chemikalienpolitik: Wenn Regulierung Innovation ausbremst
Neben der konjunkturellen Unsicherheit stemmt die Branche eine
stetig steigende regulatorische Belastung. In einer aktuellen FCIO-
Umfrage nennen 65 Prozent der Betriebe die zunehmende Regulierung und
Dokumentationspflichten als massives Wettbewerbshemmnis.
Lackunternehmen berichten, dass Investitionen mittlerweile oft nur
noch getätigt werden, um neue gesetzliche Vorgaben zu erfüllen –
nicht, um Innovationen voranzutreiben.
Diese Entwicklung trifft eine Branche, die traditionell stark auf
Forschung und Entwicklung setzt: Rund 10–15 Prozent ihres Umsatzes
investiert die Lackindustrie in neue Produkte und Technologien. Doch
der regulatorische Aufwand wächst schneller, als die Innovationskraft
Schritt halten kann.
Der Obmann warnt: „ Jede Innovation muss sich durch ein enges
Korsett neuer Vorgaben arbeiten. Das verlangsamt Innovationszyklen
und schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit. “
Zwtl.: Etikettenpraxis: Wenig Platz, viele Regeln – und ständig neue
Anforderungen
Auch im Bereich der Kennzeichnung verschärft sich der Druck.
Immer mehr gesetzliche Vorgaben, steigende Anforderungen an
Mehrsprachigkeit und komplexere Sicherheitsinformationen lassen
Etiketten zu einem hochregulierten Kommunikationsmedium werden.
Unternehmen berichten, dass der verfügbare Platz auf Verpackungen
kaum mehr ausreiche, um alle gesetzlichen Informationen korrekt und
aktuell darzustellen – insbesondere da laufende Aktualisierungen und
die Integration vielfältiger Datenquellen notwendig sind.
Die Kombination aus technischen Etikettenrestriktionen, ständigen
Rechtsänderungen, fehlenden Übergangsfristen und dem Bedarf an
international einheitlicher Darstellung führt zu einer erheblichen
operativen Belastung in Produktion und Qualitätssicherung. Auch hier
zeigt sich: Der administrative Aufwand wächst schneller als Prozesse
effizient angepasst werden können.
Zwtl.: Appell der Branche
Die österreichische Lackindustrie fordert daher dringend
politische Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken –
insbesondere durch:
– eine Senkung der Energie- und Arbeitskostenbelastungen, die laut
FCIO-Umfrage für 72 bzw. 84 Prozent der Chemieunternehmen zentrale
Herausforderungen darstellen,
– mehr Planbarkeit und eine Entschlackung der regulatorischen
Rahmenbedingungen.
„ Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen kann die
österreichische Lackindustrie ihren Beitrag zur industriellen
Wertschöpfung in Österreich sichern und wieder stärker in Wachstum
und Innovation investieren “, so Culik abschließend.
Über die österreichische Lack- und Anstrichmittelindustrie
Die 26 Betriebe der österreichischen Lack- und
Anstrichmittelindustrie beschäftigen etwa 2.700 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. Sie produzieren jährlich 133.000 Tonnen Lack- und
Anstrichmittel im Wert von 503 Millionen Euro. Die Branche ist sehr
innovativ und investiert 10 bis 15 Prozent des Umsatzes in Forschung
und Entwicklung.