Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am
8. Juni 2026
um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON stellt die „Pride Edition“ der
legendären „Fledermaus“ vor, die auf dem Spielplan der Wiener
Volksoper steht und für die Tom Neuwirth in die Rolle des
Gerichtsdieners „Frosch“ schlüpft. Weitere Themen sind die Debatte
rund um eine mögliche Streaming-Abgabe sowie die Metamorphosen der
Pyramide in Tirana im Laufe der Jahre. Anschließend an das Magazin
beleuchtet die Dokumentation „Das System Gugging“ um 23.15 Uhr eine
der bedeutendsten Art-Brut-Einrichtungen der Welt, die heuer mehrere
Jubiläen feiert – 40 Jahre Haus der Künstler, 25 Jahre Galerie
Gugging und 20 Jahre Museum Gugging.
Frecher Frosch – Tom Neuwirth in der „Fledermaus“ an der Wiener
Volksoper
Pünktlich zum „Pride Month“ sorgt die Wiener Volksoper für
Aufsehen. Tom Neuwirth, der ehemalige ESC-Sieger und besser bekannt
als Conchita Wurst, steht als „Frosch“ in der legendären „Fledermaus“
auf der Bühne. Es ist eine echte Kultrolle und sicher eine der
schillerndsten Figuren des Johann-Strauß-Klassikers. Die Rolle des
betrunkenen Gerichtsdieners „Frosch“, die eine reine Sprechrolle ist,
wird traditionell von prominenten Schauspielerinnen und Schauspielern
verkörpert. Etwa von Hans Moser oder Karl Farkas, von Peter
Simonischek oder Michael Niavarani, von Stefanie Reinsperger oder
Sigrid Hauser. Nun darf man also auf Tom Neuwirth gespannt sein, der
wohl eine ganz eigene Note in diesen gemütlichen, korrupten wie
tiefenentspannten Charakter bringen wird. Dem „Hochprozentigen“ nicht
abgeneigt, ist der „Frosch“ trotz oder gerade wegen seines Zustands
ein scharfer Beobachter. Als Philosoph und Komödiant bringt er die
herrschenden Verhältnisse zwischen Amtsschimmel und menschlichen
Schwächen pointiert auf den Punkt. Mit einer modernen, queeren
Perspektive will Volksopern-Intendantin Lotte de Beer der Operette
frischen Wind einhauchen und gleichzeitig ein klares Zeichen für
Vielfalt setzen, gerade in einer Zeit, in der queeres Leben
international erneut vermehrt unter Druck gerät. In einer eigens für
die Volksoper geschaffenen Textfassung von Jürgen Bauer und Moritz
Franz Beichl gerät die „Fledermaus“ zu einem hochaktuellen,
pointierten und humorvoll-bissigen Spiel über Liebe, Identität und
gesellschaftliche Normen.
Finanzspritze für den Film – Die heiß debattierte Streaming-
Abgabe
Seit Monaten ringt die heimische Filmbranche mit der
österreichischen Bundesregierung um eine Erhöhung des Budgets durch
eine Streaming-Abgabe. Bei den letzten Filmfestspielen von Cannes war
der österreichische Film erfolgreich mit drei Produktionen vertreten
(Auszeichnung für ORF-kofinanziertes Drama „Everytime“ in der Sektion
„Un Certain Regard“) und stellte auch auf der Berlinale (Silberner
Bär für Sandra Hüller in ORF-kofinanziertem Drama „Rose“) einmal mehr
die internationale Strahlkraft des heimischen Kinos unter Beweis.
Doch die Filmwirtschaft steht unter wachsendem Druck: Steigende
Produktionskosten, sinkende Planbarkeit und ein zunehmend
internationaler Wettbewerb gefährden die Finanzierung heimischer
Filme und Serien. Gleichzeitig erzielen internationale
Streaminganbieter auch in Österreich hohe Umsätze mit audiovisuellen
Inhalten, leisten aber bislang keinen ausreichenden Beitrag zur
Stärkung der heimischen Produktion. Damit solche Erfolge bei
Filmfestivals sowie beim Publikum im Kino und TV auch in Zukunft
möglich sind, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen für die Filme
von morgen. Das soll mit der erdachten Streaming-Abgabe möglich sein.
Die Steuer von Netflix, Disney+ und Co soll direkt in Österreichs
Filmwirtschaft fließen. In Frankreich wurde die sogenannte „Stream-
Tax“ in der Höhe von 5,5 Prozent des im Land erzielten Umsatzes
längst eingeführt. Sie bringt jährlich zwischen 120 und 150 Millionen
Euro ein. Dieses Geld wird direkt an das CNC, das Centre national du
cinéma et de l’image animée, weitergeleitet, um die Produktion
französischer und europäischer Filme, Serien und audiovisueller Werke
zu finanzieren. In Deutschland soll eine ähnliche Steuer, die mit
Jänner 2027 in Kraft tritt, die Filmwirtschaft ankurbeln. Der
„kulturMontag“ hat sich in der französischen und deutschen Filmszene
umgehört sowie Expertinnen und Experten um eine Analyse gebeten.
Vorbote der Zukunft – Die Metamorphosen der Pyramide in Tirana
Lange galt Albanien als weißer Fleck auf der Landkarte Europas:
abgeschottet und geheimnisvoll, korrupt und krank vom Kommunismus.
Noch wird das Land, das 2030 die Vollmitgliedschaft in der EU
erreichen will, als Geheimtipp gehandelt. Das Balkanland boomt wie
kein anderes in der Region. Der Wandel Albaniens zeigt sich in der
Hauptstadt Tirana besonders deutlich. Sozialistische Plattenbauten
treffen auf moderne Hochhäuser, kommunistische Vergangenheit trifft
auf eine weltoffene Zukunft. Es ist eine Stadt der Gegensätze,
historisch, politisch und kulturell. Ein markantes Bauwerk der rund
600.000 Einwohner:innen zählenden Hauptstadt ist die Pyramide, die
wie kein anderes Gebäude den Neuanfang Albaniens symbolisiert. Für
die Albanerinnen und Albaner hat das ungewöhnliche Monument auch eine
starke symbolische Funktion, da es den Sieg des Volkes über den
Kommunismus darstellt. Die 1988 von einer Gruppe von Architekten aus
Tirana entworfene brutalistische Pyramide wurde in den letzten Tagen
des verhassten Regimes errichtet. Sie sollte ein Mausoleum für den
kommunistischen Diktator Enver Hoxha sein. Eine Gedenkstätte für
einen Diktator, der sein Land mit militärisch sinnlosen Bunkern
überzog und Albanien durch seine Autarkie-Politik zum rückständigsten
Land Europas machte. Mit dem endgültigen Sturz des Kommunismus im
März 1992 wurde das Museum verwüstet, in weiterer Folge diente es der
NATO als Stützpunkt, beherbergte Fernsehstudios, Nachtklubs und stand
jahrelang leer. Sogar der Abriss wurde überlegt. Doch 2021 erhielt
der niederländische Architekt Winy Maas den Zuschlag für die
Revitalisierung des Bauwerks, das im Oktober als Jugendzentrum
eröffnet wurde.
Dokumentation „Das System Gugging“ (23.15 Uhr)
Der kleine beschauliche Ort Maria Gugging in Niederösterreich
soll schon David Bowie als Inspirationsquelle gedient haben: genauer
gesagt das dort angesiedelte Art Brut Center, das 2026 einige
Jubiläen feiert: Die 1986 von Johann Feilacher in „Haus der Künstler“
umbenannte Institution bietet schon seit den 1950er Jahren
künstlerisch talentierten Menschen mit Behinderung ein Zuhause.
Damals ließ Leo Navratil die ausschließlich männlichen Patienten der
„Heil- und Pflegeanstalt Gugging“ erstmals Zeichnungen anfertigen und
schrieb so Geschichte: Heute zählt Gugging zu den wichtigsten Art-
Brut-Einrichtungen der Welt und umfasst neben der künstlerischen
Wohngemeinschaft eine Galerie, ein Forschungszentrum sowie ein
Museum. Thomas Fürhapters Dokumentation „Das System Gugging“
begleitet die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner durch ihren
Tagesablauf und erzählt von der Geschichte dieser einzigartigen
Institution sowie von seinen berühmtesten Bewohnern wie August Walla
und Johann Hauser.