Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am
21. September
2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON blickt auf die aktuellen
Entwicklungen rund um die Salzburger Festspiele, stellt Marie
Kreutzers neuen Film „Gentle Monster“ sowie die neue Ausstellung rund
um Pablo Picasso & Francis Bacon in der Albertina vor. Die „Jugend
und ihre Codes – Von Poppern, Punks & Co.“ steht um 23.15 Uhr im
Fokus der auf das Magazin folgenden Dokumentation.
Turbulenzen – Quo vadis Salzburger Festspiele
Frei nach William Shakespeare – „Es ist was faul im Lande
Salzburg“. Denn die kulturpolitischen Turbulenzen scheinen sich auch
nach dem unrühmlichen Abgang von Intendant Markus Hinterhäuser
fortzusetzen. Dem Abgesetzten folgt nun der Belgier Peter de Caluwe,
den die u. a. mit Ex-Bundestheater-General Christian Kircher und
Stardirigent Franz Welser-Möst hochkarätig besetzte
Findungskommission allerdings nicht erstgereiht hatte. Denn die
Kommission hatte eine Doppelführung mit der Amsterdamer Opernchefin
Sophie de Lint und dem australischen Regisseur Barrie Kosky dem
Kuratorium vorgeschlagen, wie wohlinformierte Insider auch schon in
diversen Blättern kolportierten. Offiziell wurde diese Konstellation
nie bestätigt und ist kurzfristig geplatzt. Am Freitag wird das
Kuratorium unter der Leitung von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler
den lachenden Dritten bei einer Pressekonferenz in Salzburg
vorstellen. In der Opernwelt ist Peter de Caluwe längst kein
unbeschriebenes Blatt. Fast 20 Jahre leitete der 1963 in Ostflandern
geborene höchst erfolgreich die Brüsseler Oper „La Monnaie“ und wurde
erst 2025 mit dem „OPER! AWARD“ zum besten Opernhaus des Jahres
gekürt. Auch die Festspielpräsidentschaft soll am Freitag bekannt
gegeben werden. Laut Austria Presse Agentur soll der Vertrag der
bisherigen Präsidentin Kristina Hammer um weitere fünf Jahre
verlängert werden. Am Mittwochabend platzte in all diese Drehungen
und Wendungen das Gerücht, dass der kaufmännische Direktor Lukas
Crepaz mit März nächstens Jahres möglicherweise abgeht. Sein Vertrag
läuft mit März nächsten Jahres aus. Der „kulturMONTAG“ berichtet über
die jüngsten Entwicklungen der Salzburger Festspiele.
Missbrauch – Marie Kreutzers „Gentle Monster“
Sie zählt zu den wichtigsten Filmschaffenden Österreichs, die
auch international für Furore sorgen. Auch mit ihrem jüngsten
international besetzten Drama „Gentle Monster“ war Marie Kreutzer im
Wettbewerb von Cannes vertreten und hat die Kritik begeistert. Auch
wenn sie für ihren Filmstoff ein gesellschaftliches Tabuthema gewählt
hat. Die 49-jährige Regisseurin greift darin einen erschütternden
Fall von Pädokriminalität auf und erzählt die Geschichte aus der
Sicht einer unwissenden Ehefrau. Wie so oft auch im Leben beginnt der
Film mit einem idyllischen Blick auf eine Familie. Léa Seydoux spielt
darin eine erfolgreiche Musik-Performerin, ihr Mann Philip (Laurence
Rupp) dreht Dokumentarfilme. Mit ihrem gemeinsamen Sohn sind sie
gerade erst aus München aufs Land gezogen, eine Familie, bei der
alles in Ordnung scheint, bis eines Morgens die Polizei klingelt und
Philips Festplatten beschlagnahmt. Von der Sonderermittlerin,
dargestellt von Jella Haase, muss Lucy erfahren, dass ihrem Mann der
Besitz von Videomaterial mit Kindesmissbrauch vorgeworfen wird. Es
ist die völlige Erodierung eines Lebenskonzepts, der schrittweise
Zusammenbruch des Urvertrauens, den Lucy erleben muss. Sie wird mit
den Untiefen des Menschen konfrontiert, die sie lange Zeit nicht
wahrhaben möchte. Bei der Entstehung des Films wurde Marie Kreutzer
von der Realität eingeholt, als Florian Teichtmeister, mit dem sie
den hochgelobten Film „Corsage“ drehte, wegen des Besitzes von
kinderpornografischen Darstellungen verurteilt wurde. Dass das kein
Einzelfall ist, zeigt auch der jüngste Fall von Kindesmissbrauch rund
um den österreichischen Kabarettisten und Musiker Günther „Gunkl“
Paal. Marie Kreutzer ist live zu Gast im Studio.
Gipfeltreffen – Pablo Picasso & Francis Bacon in der Albertina
Das Zusammentreffen zweier Kunstgiganten ist wohl die spannendste
und reizvollste Ausstellung in diesem Herbst: Pablo Picasso, einer
der bedeutendsten Malerstars des 20. Jahrhunderts, der in seinen
Experimenten leichthändig und lustvoll die Kunst revolutionierte,
tritt in dieser Schau in einen Dialog mit dem schwermütigen
Existentialisten Francis Bacon, dessen Werk sich ebenso in die
Kunstgeschichte eingeschrieben hat. Im Zentrum der beiden: der Mensch
und seine Abgründe. Unter dem Eindruck des Spaniers fasste der
britisch-irische Künstler den Entschluss, Maler zu werden. Sein Leben
lang sollte er mit dieser großen Vaterfigur ringen – und letztlich
danach streben, sie zu übertreffen. Für die zweite Hälfte des 20.
Jahrhunderts wollte Bacon das sein, was Picasso für die erste war:
Chronist des Menschseins in all seiner Zerrissenheit. Aus den
Trümmern des Zweiten Weltkriegs hervorgegangen, hielt Bacon das
seelische Beben seiner Zeit fest. Berühmt wurde der 1909 in Irland
geborene Künstler für seine verzerrten Figuren, von den schreienden
Päpsten bis zu den verdrehten Liebespaaren. Obwohl Picasso selbst
nicht von Bacon beeinflusst war, verfolgte auch er dessen Karriere
aufmerksam. Wie anders der künstlerische Ansatz der beiden war, zeigt
sich nicht zuletzt am schieren Umfang ihres Werks. Während der
Autodidakt Bacon, der im Nachkriegsengland zur queeren Ikone
aufstieg, am Ende seines Lebens knapp 600 Werke hinterließ, waren es
beim akademisch ausgebildeten Frauenschwarm und Vielarbeiter Picasso
rund 50.000. Was die beiden eint, ist die intensive Neugier an allen
Facetten der menschlichen Existenz. Rund 70 Schlüsselwerke aus
internationalen Museen und Privatsammlungen illustrieren in der
Ausstellung „Picasso-Bacon“ die Gemeinsamkeiten der beiden Meister
und die Bedeutung Picassos für die nachfolgende Künstlergeneration.
Dokumentation „Jugend und ihre Codes – Von Poppern, Punks & Co.“
(23.15 Uhr)
Wien in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren: Die lange
Zeit so graue Stadt ist bunter geworden und zeigt ein jugendlicheres
Gesicht. Teenager haben prominente Plätze im öffentlichen Raum
gekapert, um ihre Reviere abzustecken. Am Donnerbrunnen in der City
lungern jeden Nachmittag Dutzende Mods herum, kenntlich an ihren
Vespas samt Fuchsschwanz und dem obligaten Parker. Beim „Eissalon“ im
noblen Döbling werfen Popper ihre Haartolle aus dem Gesicht und
warten – worauf eigentlich? Noch bis vor Kurzem lagerten an der
Mariahilfer Straße Punks – Markenzeichen: die durch das Ohrläppchen
gestochene Sicherheitsnadel und die Irokesen-„Frisur“. Mods waren
gegen Popper, Popper gegen „Prolos“ und scheinbar alle gegen Rocker.
Das politische Spektrum der Gruppen war breitgefächert und reichte
von Null (Popper) bis No-Future-Totalopposition (Punks). Heute
scheinen sich Gesinnung wie Grabenkämpfe junger Menschen in den
Weiten der Social Media zu verlieren.