„kulturMONTAG“: Machtmissbrauch im Kulturbetrieb, Machtwechsel in Ungarn?, Macht der Veränderung in Perugia

Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMONTAG“
am 30. März
2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON widmet sich den aktuellen
Machtmissbrauchsvorwürfen im österreichischen Kulturbetrieb
anlässlich der jüngsten Entwicklungen im Kunsthistorischen Museum.
Thema der Sendung ist auch die bevorstehende Ungarn-Wahl und was ein
eventueller Machtwechsel für die dortige Kulturszene bedeuten könnte.
Weiters berichtet das Magazin u. a. über eine große Ausstellung in
Perugia, die sich unter dem Titel: „Giotto und der Heilige
Franziskus“ zum 800. Todestag des Nationalheiligen Italiens mit den
revolutionären Auswirkungen der Begegnung dieser beiden
Persönlichkeiten befasst. Anschließend steht die neue Dokumentation
„Wachgeküsst: die Villa Beer“ (23.15 Uhr) auf dem Programm.

Machtmissbrauch – Schwere Vorwürfe gegen zwei der größten
Kulturinstitutionen Österreichs

Der langjährige Intendant der Salzburger Festspiele Markus
Hinterhäuser ist – wegen „unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede
und Differenzen“, wie es das Büro von Landeshauptfrau Karoline
Edtstadler am Donnerstag mitteilte – mit sofortiger Wirkung
beurlaubt. Grund dafür dürfte sein Führungsstil gewesen sein, in
Medienberichten ist gar von einem „Klima der Angst“ die Rede.
Auffallend ähnlich klingen aktuelle Berichte aus dem
Kunsthistorischen Museum: Auch dort habe ein toxisches Arbeitsklima
geherrscht, berichtete Anfang der Woche die „ZIB 2“. Mehrere
Mitarbeiter:innen werfen dem Geschäftsführungs-Duo Jonathan Fine und
Paul Frey Mobbing und Bossing vor. Die beiden weisen sämtliche
Vorwürfe aufs Entschiedenste zurück und betonen in einer
Pressekonferenz, niemand wäre direkt an sie, an den Betriebsrat oder
die Gleichstellungskommission herangetreten. Das Kuratorium als
Aufsichtsgremium will die Vorwürfe nun von externen Gutachtern prüfen
lassen. Letztlich steht Aussage gegen Aussage. Offen bleibt die
Frage, warum sich in jüngster Zeit Meldungen über verschiedenste
Formen des Machtmissbrauchs häufen. Ist die Kulturbranche besonders
anfällig? Wie lässt sich zivilisierte Führungskultur verlässlich
implementieren? Der „kulturMONTAG“ auf der Suche nach Antworten.

Machtwechsel? Kulturschaffende über Ungarn vor der Wahl

Mitte April finden in Ungarn Nationalratswahlen statt und
erstmals seit 2010 ist ein Machtwechsel realistisch, wenn auch
keineswegs sicher. Die besten Chancen werden Oppositionsführer Péter
Magyar zugestanden, der im Wahlkampf Korruptionsbekämpfung, Reformen
im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie bessere Beziehungen zu EU und
NATO verspricht. Der „kulturMONTAG“ hat sich in der ungarischen
Kulturszene umgehört: Zu Wort kommen der Mitbegründer des
experimentellen Künstlerkollektivs „vegyeskereskedés“ Taras
Tolstikov, die Schauspielerin und Schlagersängerin Sarolta Zalatnay
sowie der Maler, Musiker und Satiriker drMáriás. Der Künstler zeigt
Persiflagen auf Viktor Orbán, Donald Trump, Wladimir Putin und andere
führende Persönlichkeiten in seiner Schau „Es lebe die Diktatur!“ am
Godot Institute of Contemporary Art in Budapest.

Macht der Veränderung – Giottos Bilder-Zyklus zu Franz von Assisi
in Perugia

Zum 800. Todestag des Nationalheiligen Italiens eröffnet eine
große Ausstellung in Perugia unter dem Titel: „Giotto und der Heilige
Franziskus“. Im Zentrum steht das Zusammentreffen des charismatischen
Kirchenmanns mit dem innovativen Malergenie Giotto di Bondone. Dieses
bewirkte eine tiefgreifende Veränderung der künstlerischen Sprache:
von der „griechischen Manier“ zu einer revolutionär neuen Darstellung
– Malerei, die Emotionen und Gefühle vermittelt, abzulesen anhand der
Malereien in der ab 1288 entstandenen oberen Basilika des Heiligen
Franziskus in Assisi. Revolutionär neu war nicht nur Giottos
Malweise, sondern auch die Lebensweise von Franziskus, den man heute
als Sozialrevolutionär, Tierflüsterer und Umweltaktivisten bezeichnen
könnte. Als Sohn wohlhabender Eltern hat er sich der Armut
verschrieben, für soziale Gerechtigkeit gekämpft und – ob er
tatsächlich, wie es die Legende besagt, mit Tieren sprechen konnte
oder nicht – sich jedenfalls für das Tierwohl eingesetzt. Seine
Lebensgeschichte hat viele legendäre Filmemacher, von Roberto
Rossellini über Pier Paolo Pasolini bis hin zu Franco Zeffirelli,
inspiriert. Der „kulturMONTAG“ begibt sich auf Spurensuche.

Dokumentation „Wachgeküsst: die Villa Beer“ (23.15 Uhr)

Im 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing schlummerte die längste
Zeit eine Villa im Dornröschenschlaf. Keine gewöhnliche Villa,
sondern eine Architekturikone: das Hauptwerk des Architektenduos
Josef Frank und Oskar Wlach – einzigartig in seiner Konstruktion,
wegweisend in seinem Raumkonzept. Errichtet wurde das Gebäude in den
Jahren 1929/30 für den jüdischen Industriellen Julius Beer. Elf Jahre
lang stand es leer, und wurde nun wachgeküsst. Am 8. März erfolgte
die Eröffnung des Bauwerks als der Öffentlichkeit zugängliches Museum
– das anschließende reguläre Programm ist bereits auf Monate
ausgebucht. Regisseur Rudolf Klingohr erzählt in seinem Film von der
akribischen Restaurierung des Hauses, seiner wechselhaften, oft
dramatischen Geschichte und seinen illustren Bewohnerinnen und
Bewohnern.

Nichts in der Villa Beer ist, wie man es erwarten würde, nichts,
wie es zeitgenössische Architekten planen würden – und doch ist alles
stimmig und genau am richtigen Platz. Josef Frank hatte auf 650
Quadratmetern sein architektonisches Credo umgesetzt: „Ein gut
angelegtes Haus gleicht jenen schönen, alten Städten, in denen sich
selbst der Fremde sofort auskennt und, ohne danach zu fragen, Rathaus
und Marktplatz findet.“ Bauherren der Villa waren Julius Beer,
Mitinhaber der Berson Kautschuk Gummisohlenfabrik, und seine Frau
Margarete. Beide waren begeisterte Musikliebhaber, das Haus sollte
daher auch genügend Platz für Soireen und Empfänge bieten. Die
Architekten Frank und Wlach waren Inhaber der Firma „Haus & Garten“ –
wie praktisch, dass da neben der Konstruktion auch die
Gartengestaltung und das Interieur aus einer Hand kamen. So
begeistert war das Architektenduo von dem Auftrag, dass es 1929 mit
den Arbeiten begann, noch bevor eine Baubewilligung vorlag. Doch es
folgte ein behördlicher Baustopp. An die nachgereichten Pläne hielten
sich die beiden in vielen Details – nicht. Was letztlich entstand,
ist ein Schlüsselwerk der Wiener Moderne, inspiriert von Adolf Loos
und doch weit freier interpretiert.

Das Ehepaar Beer hatte nur kurz Freude an seinem Traumhaus – die
Gummisohlenfabrik schlitterte in den Konkurs, 1932 wurde die Villa an
eine Versicherungsgesellschaft verkauft. Die Beers mussten
schließlich vor den Nazis in die USA fliehen. Danach hatte das Haus
illustre Mieterinnen und Mieter: Richard Tauber, Jan Kiepura und
Marta Eggerth, sowie deren Sekretär Marcel Prawy bewohnten die
Immobilie bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1938. 1941 erwarb der
Textilunternehmer Harry Pöschmann gemeinsam mit seiner Frau Herta die
Villa Beer, deren Nachkommen sie 2008 verkauften.

Lange Jahre dämmerte das Architekturjuwel im Dornröschenschlaf,
bis es der Geschäftsmann Lothar Trierenberg erwarb, um es
wachzuküssen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die
Restaurierungsarbeiten wurden unter Leitung von Architekt Christian
Prasser mit archäologischer Präzision durchgeführt. Recherche-Reisen
führten nach Schweden, wo Josef Frank ab 1934 Exil gefunden hatte.
Schmied und Schlosser kamen aus Kärnten, der Tischler aus Graz, der
Glasermeister aus Tirol.