Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“
am 1. Dezember
2025 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON befasst sich anlässlich des
jüngsten Films „AMS“ von Regisseur Sebastian Brauneis mit den für
2026 angekündigten neuen Zuverdienst-Regelungen für Kulturschaffende.
Außerdem widmet sich die Sendung u. a. dem Israel-Dilemma beim
nächsten Eurovision Song Contest und erinnert zum 50. Todestag an die
herausragende politisch-philosophische Publizistin Hannah Arendt.
Anschließend an das Magazin stehen die neue Dokumentation „Rilke – Du
musst dein Leben ändern!“ (23.15 Uhr) zum 150. Geburtstag des
Dichters sowie der Konzertabend „Die letzten Tage der
Menschlichkeit?“ mit Georg Nigl, Nicholas Ofczarek und Vladimir
Jurowski aus der Wiener Staatsoper auf dem Programm.
Im Prekariat – Neue Regeln für Arbeitslosigkeit bei
Kulturschaffenden
„Arbeit muss sein“ oder kurz „AMS“ nennt der Wiener Filmemacher
Sebastian Brauneis sein neuestes, vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-
Abkommens kofinanziertes Low-Budget-Werk, das Anfang nächsten Jahres
im Kino und auf der Diagonale Premiere feiert. Brauneis, eigentlich
Spezialist für No-Budget-Filme, weiß, wovon er spricht. Drei Jahre
lang hat er für seine jüngste Produktion das Arbeitsmarktservice samt
seinen Tücken durchleuchtet, dreht sich doch die Geschichte um eine
Gruppe von Langzeitarbeitslosen, die sich verbünden und sich den Weg
zurück in den Arbeitsmarkt erkämpfen. Ein ernstes Thema, das der
Indie-Regisseur allerdings mit jeder Menge Scharfsinn und Humor
beleuchtet. Doch angesichts der aktuellen Entwicklungen im Land
könnte den Kulturschaffenden das Lachen bald im Hals stecken bleiben,
denn die österreichische Bunderegierung plant eine Gesetzesänderung.
Ab 1. Jänner 2026 soll kein Zuverdienst zu AMS-Bezügen mehr erlaubt
sein. Diese Maßnahme soll mehr Menschen in Österreich in die
Vollbeschäftigung bringen, so der Plan. Was in anderen Berufsgruppen
funktionieren könnte, stellt vor allem freie Kulturschaffende vor
existenzgefährdende Probleme. Denn viele von ihnen haben keinen
einheitlich ablaufenden Berufsalltag. Dieser ist oft eine Mischung
aus loser Aufeinanderfolge kurzer Engagements, etwa beim Film, am
Theater oder im Musikbusiness – und das ist meist keine Ausnahme,
sondern oft die Regel. Fixanstellungen werden in Zeiten des
nationalen Sparkurses immer weniger, oft halten sich Künstler:innen
durch geringfügige Zuverdienste über Wasser. Der Kulturrat, die IG
Bildende Kunst, die IG Autorinnen Autoren oder die Filmszene warnen,
u. a. in offenen Briefen an die Bundesregierung, an Kulturminister
Andreas Babler und Sozialministerin Korinna Schumann. Der
„kulturMontag“ hat bei Betroffenen und Entscheidungsträgern
nachgefragt.
Durch Musik geeint? – Das ESC-Israel-Dilemma
„United by Music“ lautet das Motto des 70. Eurovision Song
Contest (ESC), der im Mai 2026 in Wien ausgetragen wird. Während
Kanada als neuer Teilnehmer dazustoßen könnte, erwägen andere Länder
einen Boykott, sollte Israel aufgrund des Krieges in Nahost nicht
ausgeschlossen werden. Auch eine Gruppe von 55 Europaangeordneten aus
15 Ländern wandte sich an die Europäische Rundfunkunion (EBU), da der
anhaltende Konflikt im Gazastreifen von einer unabhängigen UN-
Kommission als möglicher Völkermord eingestuft wurde. Schon im
Vorfeld des diesjährigen ESC in Basel kam es zu Anti-Israel-Demos
gegen den Auftritt der Sängerin und Überlebenden des Hamas-Angriffs
vom 7. Oktober 2023, Yuval Raphael, die schließlich Platz zwei des
Bewerbs erreichte. Wochenlang tobte ein heftiger Streit, die EBU sah
sich zu einer vorgezogenen Versammlung im November gezwungen und
wollte ihre Mitglieder über die Teilnahme Israels abstimmen lassen.
Durch den Waffenstillstand seit Anfang Oktober verschoben die
Verantwortlichen den Termin auf das reguläre Treffen im Dezember.
Welche Entscheidung wird die Generalversammlung fällen? Und kann die
Resolution des UN-Sicherheitsrates, die den Friedensplan von US-
Präsident Donald Trump unterstützt, zur Beruhigung beitragen? Ist
Cancel Culture bei dem Wettbewerb, der seit seiner Gründung für
Völkerverständigung und Frieden durch Musik steht, eine legitime
Maßnahme? Die österreichische wie die bundesdeutsche Regierung setzen
sich für eine Teilnahme Israels ein. Die renommierte französisch-
israelische Soziologin Eva Illouz, ausgewiesene Kritikerin der
Netanjahu-Regierung, ist ein Opfer der globalen Israel-Kritik, denn
sie wurde selbst erst im November von der Erasmus-Universität in
Rotterdam ausgeladen. Ihren geplanten Vortrag müsse man nach interner
Debatte und demokratischer Abstimmung absagen, da man sich mit ihrem
Besuch sehr „unwohl fühle“. Im „kulturMontag“ spricht Illouz über das
neue „Unwohlsein mit Juden“, Kritik und Hass sowie Dialog statt
Dämonisierung.
Die Freiheit des Denkens – Porträt Hannah Arendt zum 50. Todestag
Wer von der „Banalität des Bösen“ spricht, zitiert damit – oft,
ohne es zu wissen – die bedeutende Denkerin Hannah Arendt. Die
politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts waren ihr Lebensthema,
ihre Aufgabe als politischer Geist sah die einflussreiche,
scharfsinnige wie streitbare Zeitgenossin darin, die Welt und die
Menschen zu verstehen. Auch 50 Jahre nach ihrem Tod ist sie im
öffentlichen Diskurs präsenter denn je, ihre Schriften werden nach
wie vor gelesen und zitiert, neue Bücher über die politisch-
philosophische Publizistin erscheinen. Als junge jüdische Frau musste
sie 1933 vor den Nationalsozialisten flüchten und ihre deutsche
Heimat verlassen. Die Auseinandersetzung mit dem Wesen der
totalitären Diktatur ließ sie nicht mehr los. Sie war überzeugt: „Der
Totalitarismus vergiftet die Gesellschaft bis ins Mark.“ Im
amerikanischen Exil wurde sie zu einer der wichtigsten politischen
Theoretikerinnen des 20. Jahrhunderts, dessen politische Umwälzungen
ihren Lebensweg prägten. Bis zur Einbürgerung in den USA 1951 war sie
staatenlos. Von der systematischen Ermordung der Juden erfuhr Arendt
1943 in ihrem New Yorker Exil. Die „konsequenteste Institution
totaler Herrschaft“ sah sie in den NS-Konzentrationslagern – den
„Vernichtungsfabriken“, in denen Millionen Menschen ermordet wurden.
Im Jahr 1961 erhielt Arendt Gelegenheit, Adolf Eichmann, einen der
Hauptverantwortlichen für die Organisation des Holocaust, aus der
Nähe zu erleben. Mit ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem“ löste sie
eine Kontroverse aus. Denn Kritiker sahen darin eine Verharmlosung
des NS-Täters, was aber nicht der Intention der Autorin entsprach.
Ihre Analysen wirken erstaunlich aktuell, als seien ihre Überlegungen
für unsere Gegenwart geschrieben.
Dokupremiere „Rilke – Du musst dein Leben ändern!“ (23.15 Uhr)
Kaum ein anderer Lyriker ist weltweit populärer als Rainer Maria
Rilke. Selbst 150 Jahre nach seiner Geburt wird er kultisch gefeiert,
scheint er uns doch die großen Fragen des Lebens zu offenbaren. Lady
Gaga hat sich seine Verse auf den Oberarm tätowieren lassen, der K-
Pop-Sänger Jimin malt sie sich auf die Brust, U2-Frontman Bono ist er
ebenso Inspiration wie der mehrfachen Grammy-Preisträgerin Rosanne
Cash. Was machte den Dichter zu einem Wissenden, wieso ist die
Faszination, die er ausübt, ungebrochen? Thomas von Steinaecker spürt
dem Rätsel Rilke in einem Roadmovie nach, das quer durch Europa, bis
in die USA führt. Seinen Film, der in Zusammenarbeit mit dem ORF
entstand, komponiert der Regisseur zum Bildgedicht und holt den
außergewöhnlichen Künstler in die Gegenwart.
Aus der Wiener Staatsoper: „Die letzten Tage der Menschlichkeit?“
(0.10 Uhr)
Musik und Wort im Dialog: Georg Nigl, Nicholas Ofczarek und
Vladimir Jurowski erkunden die Brüche der Gegenwart. Für Bariton
Georg Nigl ist das Kunstlied weit mehr als reine Ästhetik – es ist
ein Spiegel unserer Zeit. Auf der Bühne wird es zum Resonanzraum, in
dem die Spannungen, Widersprüche und Brüche der Gegenwart hörbar
werden. Gemeinsam mit Schauspieler Nicholas Ofczarek und Pianist
Vladimir Jurowski begibt er sich auf eine musikalisch-literarische
Expedition, die Kunst und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart
unauflöslich miteinander verwebt.
Im Zentrum dieser Begegnung – Ende Oktober 2025 aufgezeichnet in der
Wiener Staatsoper – stehen drei künstlerische Stimmen, die auf je
eigene Weise die Verletzlichkeit des Menschseins freilegen: jene des
Schriftstellers Karl Kraus, des Komponisten und Dirigenten Gustav
Mahler sowie des Komponisten Hanns Eisler. In der Konfrontation
dieser drei künstlerischen Welten entsteht ein intensiver Dialog über
Macht und Moral, über Sprache und Schweigen – und über den Menschen
im Angesicht seiner selbst.