Wien (OTS) – Wie kaum ein anderer christlicher Heiliger hat Franz von
Assisi (1181
–1226) nicht nur die christliche Praxis, sondern den Geist des
Abendlandes geprägt. Die Nachfolge Christi nahm er wörtlich.
Franziskus, reicher Kaufmannssohn aus Assisi in Umbrien, gab all
seinen Besitz auf, lebte bei den Leprakranken und pflegte sie. Er
trug nur eine einfache Kutte mit Hanfkordel und oft nicht einmal
Sandalen. Er schrieb und predigte in der Volkssprache, anders als die
gelehrten Theologen und religiösen Spezialisten seiner Zeit. Er
konnte so gut diskutieren und argumentieren, dass selbst der Sultan
in Ägypten beeindruckt war. All das machte auf alle
Bevölkerungsschichten, reich und arm, ungeheuren Eindruck. Franziskus
und seine Minderbrüder zogen durch die Lande, predigten und lehrten.
Dass sie dabei arm und bescheiden auftraten, ihren Unterhalt aus
kleinen Zuwendungen und durch ihrer Hände Arbeit bestritten, entzog
den anderen Bewegungen und vermeintlichen Feinden der Kirche die
Grundlage.
Die Erfindung der Weihnachtskrippe, die Franziskus zugeschrieben
wird, zeigt, mit welchen einfachen und plakativen Mitteln Franziskus
den Menschen die Botschaft Christi nahebringen wollte: Er baute in
der Kirche im kleinen Ort Greccio einen Futtertrog auf, füllte ihn
mit Stroh, stellte einen lebenden Ochsen und einen lebenden Esel
dazu, baute über dem Trog einen Altar und hielt die Eucharistie:
Seht, so arm ist Gott zur Welt gekommen, seht, diesem Beispiel sollt
ihr folgen. Franziskus glaubte, alle Menschen und natürlichen Wesen
seien von Gott beseelt. Folgerichtig hielt er nicht nur alle
Menschen, sondern die ganze Schöpfung für schützenswert – ein
Vorgriff auf moderne Menschenrechts- und Umweltschutzideen. Er gilt
als der erste Heilige, der Stigmata – die Wundmale Christi –
empfangen hat. Ob er sich diese selbst beigebracht hat oder ob sie
sich wirklich spontan bildeten, war schon damals umstritten. Sie
dokumentierten seine vollkommene Identifikation mit dem Heiland.
Franziskus wurde 1228, nur zwei Jahre nach seinem Tod,
heiliggesprochen – ein damals unerhörter Vorgang.
Für „kreuz & quer reportage“ hat Regisseur Peter Beringer in der
Vorweihnachtszeit Assisi und Greccio sowie die dort wirkenden
Franziskaner besucht und aus den Begegnungen und Gesprächen mit ihnen
ein Porträt des Menschen Franz von Assisi und seiner Zeit gestaltet,
das am Sonntag, dem 21. Dezember 2025, um 12.35 Uhr in ORF 2 und auf
ORF ON zu sehen ist.