Wien (OTS) – Nach den jüngsten öffentlichen Diskussionen rund um
Importeier im
Handel und deren potenziell irreführende Kennzeichnung sorgt ein
weiterer Fall in Wien bei Konsumentinnen und Konsumenten für
Verunsicherung. Das Wiener Marktamt deckte den illegalen Import von
75.000 Eiern aus der Ukraine auf. Es dürfte sich um Eier aus
Käfighaltung gehandelt haben. Die Geflügelwirtschaft Österreich
fordert volle Transparenz entlang der gesamten Lieferkette.
Behördliche Kontrollen in Wien greifen
Wie schon in der Vorwoche bekannt wurde, hat das Wiener Marktamt
im Rahmen seiner Kontrollen ein weiteres Problem bei Importeiern
beanstandet. Ein Lkw-Fahrer mit einer Ladung von 75.000 Eiern aus der
Ukraine wurde am Wiener Großgrünmarkt angehalten. Es ist davon
auszugehen, dass es sich um Käfigeier handelte. Die Kennzeichnung der
mitgeführten Eier entsprach nicht den EU-Vermarktungsnormen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Thema auch deshalb, weil 2025
und 2026 in mehreren EU-Ländern Antibiotika-Rückstände in
ukrainischen Eierchargen über das EU-Schnellwarnsystem RASFF gemeldet
wurden.
„Der aktuelle Fall zeigt, dass die behördlichen Kontrollen
funktionieren und nicht konforme Ware aus dem Verkehr gezogen wird.
Gleichzeitig macht er deutlich, wie wichtig klare
Herkunftskennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und einheitliche Standards
im europäischen Lebensmittelmarkt sind“, betont Heinz Schlögl, Obmann
-Stellvertreter der Geflügelwirtschaft Österreich.
Österreichische Eierproduktion zählt europaweit zu den Vorreitern
Österreichs Eierproduktion verfügt europaweit über eines der
strengsten Systeme bei der Herkunftssicherung und der
Rückverfolgbarkeit. Eier werden hierzulande bereits im Vorraum des
Legehennenstalles gestempelt. Heimische Eierpackstellen verfügen über
ein sehr anspruchsvolles, mehrstufiges System der internen
Qualitätskontrolle. Die österreichischen Großpackstellen bilden
beispielsweise alle Warenein- und Warenausgänge vollkommen
transparent und tagesbezogen in der Österreichischen Eierdatenbank
ab. Diese Maßnahmen bieten ein Höchstmaß an Sicherheit.
Österreich war zudem das erste Land in der EU, das die
Käfighaltung gesetzlich abgeschafft hat. Die heimischen Betriebe
haben inzwischen über 400 Mio. Euro in moderne tierfreundliche Ställe
investiert.
„Wir haben uns in Österreich für Hennenhaltung in vergleichsweise
kleinen Familienbetrieben nach in der EU einzigartig hohen Standards
entschieden. Mit Großbetrieben und Legehennen in Käfighaltung aus der
Ukraine wollen und können wir nicht konkurrieren“, so Schlögl.
Transparenz endet oft dort, wo Verarbeitung beginnt
Gleichzeitig weist die Geflügelwirtschaft Österreich darauf hin,
dass Herkunft und Produktionsstandards bei Lebensmitteln mit
verarbeiteten Eiprodukten für Konsumentinnen und Konsumenten zumeist
nicht mehr nachvollziehbar sind.
Importierte Eier werden vielfach nicht direkt als Schaleneier
verkauft, sondern großtechnisch zu Flüssig- oder Trockenei
weiterverarbeitet und anschließend in Backwaren, Nudeln, Süßwaren,
Fertigprodukten oder in der Gastronomie eingesetzt.
„Während Konsumentinnen und Konsumenten bei Frischeiern Herkunft
und Haltungsform klar erkennen können, fehlt diese Transparenz bei
den meisten verarbeiteten Lebensmitteln mit Eianteil komplett. Genau
hier besteht aus unserer Sicht politischer Handlungsbedarf“, erklärt
Günther Wenninger, Vorstandsmitglied der GWÖ und Obmann der
Erzeugergemeinschaft Frischei.
Ukraine inzwischen bedeutendster Eierexporteur in die EU
Die Ukraine hat sich in den vergangenen Jahren zum bedeutendsten
Eierexporteur in die Europäische Union entwickelt. Statistiken
zufolge stammen fast zwei Drittel aller Eierimporte in die EU aus der
Ukraine. 2025 wurden ca. 120.000 Tonnen Eier und Eiprodukten in die
EU importiert. Das entspricht beinahe der gesamten jährlichen
österreichischen Eierproduktion. Gleichzeitig erfolgt die
Legehennenhaltung dort laut Brancheninformationen zu über 90 Prozent
in der Käfighaltung. Großkonzerne dominieren den Markt.
„Es kommen sehr große Mengen aus einer in Österreich nicht
zugelassenen Haltungsform in die EU. Diese werden zu einem Großteil
zu Eiprodukten verarbeitet, die dann in Form von Backwaren oder
Fertiggerichten wieder auf unseren Tellern landen. Hier bedarf es
dringend einer durchgängigen Kennzeichnung. Transparenz darf nicht
beim Frischeiregal enden“, so Wenninger.
Öffentliche Diskussion zeigt hohe Sensibilität bei Eiern
Die jüngsten öffentlichen Diskussionen über Import-Eier im Handel
und deren Kennzeichnung zeigen nach Ansicht der Geflügelwirtschaft
Österreich deutlich, wie sensibel Konsumentinnen und Konsumenten
gerade bei Eiern auf Fragen der Herkunft, Transparenz und
Haltungsbedingungen reagieren.
Was muss sich ändern?
Die Geflügelwirtschaft Österreich fordert deshalb:
– konsequente Kontrollen entlang der Import- und Verarbeitungskette,
– gleiche Standards für Importware im europäischen Binnenmarkt,
– eine klare und nachvollziehbare Herkunfts-
– sowie eine verpflichtende Haltungsformkennzeichnung bei
Lebensmitteln mit einem wertbestimmenden Ei-Anteil und in der
Gastronomie.
„Konsumentinnen und Konsumenten sollen auch bei verarbeiteten
Lebensmitteln erkennen können, woher Eier stammen und unter welchen
Haltungsbedingungen sie produziert wurden. Herkunft und Tierwohl
müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar bleiben“,
betont Wenninger und fordert die Politik auf, die vorgeschlagene
Kennzeichnung im Interesse des Konsumentenschutzes zu prüfen und
konsequent umzusetzen.