Kaup-Hasler/Zankl: Gedenktafel erinnert am Kabelwerk Meidling an NS-Zwangsarbeit

Wien (OTS) – Eine neue Gedenktafel erinnert am Gelände des Kabelwerks
in Meidling
an die Menschen, die dort während der Zeit des Nationalsozialismus
Zwangsarbeit leisten mussten. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-
Hasler und Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankl setzen damit
gemeinsam ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen und für die
dauerhafte Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer
Verfolgung.

„Eine lebendige Erinnerungskultur bedeutet, auch jenen Menschen
einen sichtbaren Platz im öffentlichen Gedächtnis zu geben, deren
Leid viel zu lange übersehen wurde“, betont Wiens Kultur- und
Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler am Rande der Enthüllung
der Gedenktafel. „Am Gelände des ehemaligen Kabelwerks an die
Menschen zu erinnern, die hier Zwangsarbeit leisten mussten, ist ein
wichtiger Beitrag zu einem verantwortungsvollen und würdigen
Gedenken.“ Auch Bezirksvorsteher Wilfried Zankl hebt die Bedeutung
des neuen Gedenkorts in Meidling hervor: „Hinter dem Gedenken stehen
einzelne Schicksale von Menschen, die hier im dunkelsten Kapitel der
österreichischen Geschichte zu menschenverachtender Arbeit gezwungen
wurden. Es ist unser Auftrag, daran sichtbar zu erinnern und auch für
die Zukunft daraus zu lernen. Wir dürfen nicht vergessen. Wir dürfen
das einfach nie wieder zulassen.“

Ein verdrängtes Kapitel der Wiener Geschichte

Zwischen 1942 und 1945 bestanden auf Wiener Stadtgebiet
zahlreiche Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Dazu
kamen Sammellager für Jüdinnen und Juden sowie andere vom NS-Regime
verfolgte Gruppen. Auch am heutigen Kabelwerk befand sich ein solches
Lager.

Dokumentiert ist der Standort unter anderem in einem
Volksgerichtsakt gegen den NS-Funktionär Dr. Siegfried Seidl. Darin
findet sich eine Liste, die ein jüdischer Arzt 1946 als Zeuge
vorlegte. Sie verzeichnet Lager ungarisch-jüdischer
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Wien und Umgebung sowie die
jeweiligen Betriebe, denen diese Lager zugeordnet waren.

Für die Adresse Oswaldgasse 33 wird darin ein Lager der damaligen
Kabel- und Drahtwerke AG angeführt. Zum Zeitpunkt einer Inspektion
lebten dort laut den Unterlagen 50 Menschen: neun Männer, 34 Frauen
und sieben Kinder. 40 Personen galten damals noch als „arbeitsfähig“.

Vom Industrieareal zum Stadtquartier

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gerieten viele Orte der
Zwangsarbeit jahrzehntelang in Vergessenheit. Erst durch historische
Forschung und lokale Erinnerungsarbeit rückten die Schicksale der
Betroffenen wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein.

Das ehemalige Kabelwerk zählt heute zu den größten
Stadtentwicklungsgebieten Meidlings. Nach der Schließung der Kabel-
und Drahtwerke AG im Jahr 1997 entstand auf dem rund acht Hektar
großen Areal ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Geschäften,
Gastronomie, Büros, Kulturangeboten und öffentlichen Freiflächen. Mit
der neuen Gedenktafel bleibt zugleich sichtbar, welche Geschichte
dieser Ort trägt.

Weiterführende Informationen:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Zwangsarbeiterlager_Oswald-
gasse_33

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kabelwerk_Meidling