Kaffee-Kosmetika im VKI-Check: Viel Marketing, wenig Transparenz

Wien (OTS) – Koffein gilt als beliebter Wachmacher, zunehmend auch in
Kosmetika.
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 30 Produkte einem
Kosmetik-Check unterzogen. Die Ergebnisse zeigen: Viele als natürlich
oder naturverbunden beworbene Kaffee-Kosmetika enthalten
umweltkritische oder gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe. Zudem
bleiben die tatsächliche Wirkung von Koffein auf Haut und Haare
häufig hinter den Werbeversprechen zurück. Die ausführlichen
Ergebnisse gibt es ab 30.07.2026 in der August-Ausgabe der
Zeitschrift KONSUMENT und auf www.vki.at/koffein-kosmetika-2026.

Cremes, Seren, Augenpads, Shampoos oder Körperpflegeprodukte
werben mit Koffein aus Kaffee oder Guarana und versprechen straffere
Haut, weniger Augenringe oder sogar stärkeres Haarwachstum. Ein
aktueller Check von 30 koffeinhaltigen Kosmetikprodukten,
durchgeführt gemeinsam mit Studierenden der Fachhochschule Wiener
Neustadt, Campus Tulln, zeigt ein differenziertes Bild: Für
Konsument:innen ist oft kaum nachvollziehbar, wie natürlich die
Produkte tatsächlich sind und wie hoch die Wirkstoffkonzentration
ist.

Umweltkritische Stoffe in mehr als der Hälfte der Produkte

Besonders kritisch fällt das Ergebnis bei der
Umweltverträglichkeit aus. 18 der 30 untersuchten Produkte enthalten
problematische Stoffe. Dazu zählen vor allem synthetische Polymere
sowie bestimmte Duftstoffe. Synthetische Polymere sind häufig schwer
biologisch abbaubar und können sich langfristig in der Umwelt
anreichern.

Während knapp die Hälfte der Produkte keine
deklarationspflichtigen allergenen Duftstoffe enthält, fallen
einzelne Produkte durch eine besonders hohe Anzahl solcher Stoffe
auf. Darüber hinaus wurden in sechs Produkten Farbstoffe
nachgewiesen, darunter in vier Fällen Azofarbstoffe. „Da Farbstoffe
in Kosmetika ausschließlich optischen Zwecken dienen, sehen wir deren
Einsatz kritisch“, kommentiert Birgit Schiller, Kosmetik- und Chemie-
Expertin des VKI. Besonders problematisch: Vier Produkte enthalten
potenziell endokrine Disruptoren, Stoffe mit möglicher hormoneller
Wirkung. „Derartige Inhaltsstoffe, also hormonwirksame Substanze,
haben nichts in (Natur-)Kosmetika zu suchen“, so Schiller.

Koffein: Wirkung oft weniger spektakulär als versprochen

Der Check zeigt außerdem, dass die tatsächliche Wirksamkeit von
Koffein in Kosmetika häufig überschätzt wird. Zwar sind
durchblutungsfördernde, antioxidative und fettabbauende Eigenschaften
von Koffein in Laborversuchen nachweisbar. Ob diese Effekte jedoch in
fertigen Kosmetikprodukten unter realen Anwendungsbedingungen in
gleichem Ausmaß auftreten, ist vielfach unklar. „Viele Werbeaussagen
zu Anti-Aging-Effekten, Haarwachstum oder Cellulite-Reduktion stützen
sich auf eine begrenzte oder uneinheitliche Studienlage. Koffein kann
kosmetische Effekte unterstützen, stellt jedoch kein Wundermittel
dar“, stellt Birgit Schiller klar.

Auffällige Werbeaussagen und fehlende Transparenz

Mehrere Produkte fielen durch fragwürdige Werbebotschaften oder
unzureichende Informationen auf. So werden teilweise hohe
Koffeinkonzentrationen beworben, ohne den tatsächlichen Gehalt klar
offenzulegen. In einigen Fällen konnten Hersteller auf Nachfrage
keine nachvollziehbaren Angaben zur enthaltenen Koffeinmenge machen.

Forderung nach mehr Transparenz und glaubwürdiger Naturkosmetik

Natürlichkeit ist kein Qualitätsnachweis. Auch Produkte, die mit
Kaffee, Koffein oder Naturkosmetik werben, können problematische
Inhaltsstoffe enthalten oder Wirkungen versprechen, die
wissenschaftlich nur eingeschränkt belegt sind. „Konsumentinnen und
Konsumenten sollten sich nicht von klingenden Werbebotschaften
blenden lassen. Entscheidend ist, was tatsächlich im Produkt
enthalten ist und wie transparent Hersteller darüber informieren“,
betont Schiller. „Wünschenswert wären eine klare Kennzeichnung von
Wirkstoffkonzentrationen, höhere Standards für als natürlich
beworbene Produkte und ein stärkerer Fokus auf Umwelt- und
Gesundheitsschutz.“

SERVICE: Die ausführlichen Ergebnisse gibt es ab 30.07.2026 in
der August-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf
www.vki.at/koffein-kosmetika-2026.