Wien (OTS) – Der Pension Overshoot Day – jener Tag, an dem sämtliche
laufenden
Beitragseinnahmen des Pensionssystems rechnerisch aufgebraucht sind –
fällt heuer auf den 10. August. Damit liegt er zwei Tage früher als
im Vorjahr, als er noch auf den 12. August fiel und erstmals noch vor
dem Internationalen Tag der Jugend der Vereinten Nationen. Ein Datum
mit Symbolkraft: Noch bevor der Tag der Jugend beginnt, ist das Geld
für die Pensionen dieses Jahres aufgebraucht. Für jede
Pensionszahlung danach muss der Steuerzahler aufkommen – bezahlt von
jener Generation, deren eigene Pension immer ungewisser wird.
„Der Pension Overshoot Day macht sichtbar, was in den
Budgetzahlen untergeht: Rund 34 Milliarden Euro müssen heuer aus
Steuermitteln gedeckt werden, um die Pensionen zu sichern – das sind
240 Millionen Euro pro Tag. Dieses Geld fehlt dort, wo Zukunft
entsteht: bei Bildung, Digitalisierung, Kinderbetreuung und
Investitionen in den Standort“, sagt Eduard Fröschl,
Bundesvorsitzender der Jungen Industrie. Zur Einordnung: Allein mit
den Steuermitteln, die an einem einzigen Tag aus dem Budget Richtung
Pensionen fließen, ließen sich rund 17.000 Kindergartenplätze ein
ganzes Jahr lang finanzieren.
Budgetzuschüsse wachsen von Jahr zu Jahr an
Die Entwicklung spricht eine klare Sprache: 2023 fiel der Pension
Overshoot Day noch auf den 19. August, 2024 auf den 16. August, im
Vorjahr auf den 12. August. Und die Richtung ist vorgezeichnet – nach
den aktuellen Projektionen der Alterssicherungskommission rückt der
Tag bis 2030 auf den 5. August vor. „Selbst ein Jahr mit gedämpfter
Pensionsanpassung verschafft dem System nur eine kurze Atempause, die
die Demografie sofort wieder auffrisst. Das zeigt: Mit
Einzelmaßnahmen ist dieses System nicht zu stabilisieren. Wir müssen
die Systemfrage stellen. Denn die Frage, die sich unsere Generation
stellt, ist ganz einfach: Wie soll sich das ausgehen?“, so Fröschl.
Junge Industrie und Junge Wirtschaft fordern: Strukturelle
Reformen endlich angehen
Die Junge Industrie fordert strukturelle Reformen statt
jährlicher Einzelmaßnahmen: das faktische Pensionsantrittsalter an
das Gesetzliche heranführen, Frühpensionsanreize abbauen und die
zweite und dritte Säule der Altersvorsorge stärken – etwa durch die
Wiedereinführung der Behaltefrist. Die Forderung nach
Strukturreformen wird auch von der Jungen Wirtschaft geteilt: „Es
braucht den Mut, die notwendigen Reformen jetzt anzugehen. Nur mit
einem nachhaltig finanzierbaren Pensionssystem schaffen wir wieder
mehr Generationengerechtigkeit und erhalten den finanziellen
Spielraum für Zukunftsinvestitionen“, betont Verena Eugster,
Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. Dazu braucht es eine
ehrliche, generationenübergreifende Diskussion über die langfristige
Architektur des österreichischen Pensionssystems.
„Generationengerechtigkeit heißt nicht Alt gegen Jung. Wer heute
in Pension ist, hat von einer Reform nichts zu befürchten – aber wer
heute einzahlt, hat ohne Reform nichts zu erwarten. Wir schulden
beiden Generationen ein System, das hält, was es verspricht“, so
Fröschl abschließend.
Zur Berechnung: Der Pension Overshoot Day wird von der Jungen
Industrie jährlich auf Basis der jeweils aktuellen
Mittelfristgutachten der Alterssicherungskommission berechnet (
zuletzt beschlossen im November 2025) und umfasst die gesetzliche
Pensionsversicherung sowie die Beamtenpensionen.
Den Gesamtausgaben von rund 87,7 Milliarden Euro (2026) stehen
Beitragseinnahmen von rund 53,5 Milliarden Euro gegenüber; die
Einnahmen decken damit 222 von 365 Tagen. Kindergarten-Vergleich auf
Basis der Kosten eines städtischen Kindergartenplatzes in Wien (
13.767 Euro pro Jahr, Kostenrechnung der Stadt Wien).