Wien (OTS) – Kündigt sich ein Revival des Christentums an – in ganz
Europa, auch
in Österreich? Die Zahl der Kirchenaustritte bleibt hierzulande hoch.
Gleichzeitig gibt es christliche Gruppierungen mit starkem Zulauf: im
katholischen Bereich etwa die Loretto-Bewegung in Salzburg, die
Legionäre Christi in Wien oder die traditionalistischen Petrusbrüder.
Auch freie evangelikale Gemeinden gewinnen viele neue Mitglieder. In
Peter Beringers Dokumentation „Jung, dynamisch, konservativ“ geht
„kreuz & quer“ am Dienstag, dem 21. April 2026, um 23.05 Uhr in ORF 2
und auf ORF ON der Frage nach, warum gerade Gruppen mit sozialethisch
konservativen und traditionalistischen Grundhaltungen junge Menschen
anziehen. Ist dies eine bewusste Abkehr vom liberalen
Gesellschaftsmodell, das Europa seit den späten 1960er Jahren prägt?
Und spielt auch eine Opposition gegenüber den als zu offen
wahrgenommenen Mainstream-Kirchen eine Rolle?
Peter Beringer hat u. a. bei den Legionären Christi in Wien
nachgefragt. In der Praterstraße haben sie mit dem Zentrum „Johannes
Paul II“ die erste neue katholische Kirche in Wien seit 25 Jahren
eröffnet. An Wochenenden kommen hier Hunderte, meist junge Menschen
zusammen: Studierende, junge Familien, Suchende. Das Motto lautet
„Belonging before Believing“ – zuerst dazugehören, dann glauben.
Traditionelle Ethik, klare Familienwerte und eine lebendige Liturgie
sprechen viele an, ebenso die Verbindung klassischer katholischer
Elemente mit freikirchlichen Formen.
Ein ähnliches Bild zeigt die Hochschule Heiligenkreuz im
Wienerwald. Während andere theologische Ausbildungsstätten
rückläufige Zahlen verzeichnen, wächst hier das Interesse. Rund 50
Neueinschreibungen pro Jahr, mehr als 300 Studierende insgesamt.
Gesucht wird eine Ausbildung, in der Glaube nicht überkritisch
reflektiert, sondern gelebt wird – in Liturgie, Eucharistie und
gemeinschaftlicher Praxis nahe am römischen Lehramt.
Auch gesellschaftlich treten diese neuen Christinnen und Christen
sichtbar auf. Der jährliche „Marsch für das Leben“ in Wien ist ein
Fixpunkt für konservative Christen und Christinnen und
Gleichgesinnte. Organisiert von jungen katholischen Aktivistinnen und
Aktivisten steht er für eine klare „pro-life“-Position – und sorgt
regelmäßig für Gegenproteste und öffentliche Kontroversen.
Parallel dazu wächst der Einfluss evangelikaler Gemeinden, etwa
in Linz. Die Katechese findet in „Alpha-Kursen“, zwanglosen Dinner-
Partys, statt, in denen Grundlagen des Christentums diskutiert
werden. Auch hier prägen konservative Werte das Profil: ein
kritischer Blick auf LGBTQ-Themen, die Betonung der traditionellen
Ehe und die Vorstellung des Christentums als Fundament der westlichen
Zivilisation.
Wie politisch ist dieses neue Christentum? Rechtspopulistische
Bewegungen in Europa und den USA schreiben sich seit Jahren
konservativ-christliche Werte auf die Fahnen. Und auch in Österreich
und Ungarn setzen diese gezielt auf religiöse Symbolik. In den USA
spielen die „pro-life“-Bewegung und religiös motivierte Anhängerinnen
und Anhänger eine entscheidende Rolle beim Erfolg Donald Trumps.
Inwiefern bei jungen Christinnen und Christen in Österreich die
politische Vernetzung im Vordergrund steht und welche Rolle
persönliche Christusnachfolge, Lebenssinn und karitatives Engagement
spielen, beleuchtet Peter Beringer auch im Gespräch mit dem Theologen
Wolfgang Palaver. Mit ihm und dem Politologen Zsolt Enyedi hat er
auch über die politischen Dimensionen eines möglichen
Wiedererstarkens des Christentums in Europa und den USA gesprochen.