IV zu OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ 2025: Bildungspflicht rasch einführen, Chancengerechtigkeit stärken

Wien (OTS) – „OECD-Daten zeigen Lernrückstände, steigende Zahlen bei
jungen
Menschen, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind, und zu
hohe Studienabbruchsquoten – das Regierungsprogramm setzt richtige
Schritte, die jetzt entschlossen umgesetzt werden müssen“, so
Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV)
anlässlich der heute präsentierten Ergebnisse der OECD-Studie
„Bildung auf einen Blick“. Die Daten sind ein erneuter Weckruf, denn
trotz hoher Bildungsausgaben schneiden Österreichs Schülerinnen und
Schüler bei den Grundkompetenzen (Lesen, Rechnen, Schreiben) im
internationalen Vergleich schwach ab und die Ergebnisse haben sich
zuletzt sogar verschlechtert. So weisen beispielsweise deutlich zu
viele Schülerinnen und Schüler einen Lernrückstand von rund zwei
Schuljahren auf. In der Sekundarstufe I betrifft das 9,1 Prozent der
Schülerinnen und Schüler in Österreich – im EU-Schnitt liegt dieser
Anteil nur bei 3,8 Prozent.

„Diese Zahlen sind alarmierend, denn ohne solide Grundkompetenzen
in Lesen, Rechnen und Schreiben wird der weitere Bildungs- und
Berufsweg massiv erschwert. Gerade deshalb braucht es eine
Bildungspflicht, die sicherstellt, dass alle Schülerinnen und Schüler
bis zur 8. Schulstufe ein anschlussfähiges Kompetenzniveau
erreichen“, betont der IV-Generalsekretär. Dieser Umstand muss auch
im Kontext der im OECD-Raum überdurchschnittlich hohen Gehälter des
Lehrpersonals und Ausgaben pro Schülerinnen und Schüler wie auch
Studierende hinterfragt werden: Diese betrugen 2022 in Österreich
kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 16.604 US-Dollar,
während der OECD-Schnitt bei 11.843 US-Dollar ansetzt.

Bildungsvererbung und unausgewogene Berufsorientierung hemmen
Chancen und Fachkräftenachwuchs

Die Bildungsvererbung und mangelhafte Berufsorientierung an den
Übergängen der Bildungslaufbahn wirken sich aus Sicht der Industrie
zudem nicht nur in sozialer Mobilität aus– sie hemmt auch den
Fachkräftenachwuchs.

„Es ist sehr zu begrüßen, dass Maßnahmen gesetzt werden, um die
Attraktivität eines Studiums zu steigern, gerade wenn sich derzeit
nur 17 Prozent der Frauen ein MINT-Studium zutrauen“, so Neumayer.
Wichtig ist, Talente frühzeitig zu erkennen und zu fördern, die
Studierbarkeit weiter zu verbessern und für mehr soziale
Durchmischung der Studierenden zu sorgen, wie sie etwa an
Fachhochschulen bereits gut gelingt.

Gleichzeitig braucht es eine profunde und ausgewogene
Berufsorientierung in allen Schulformen. „Solange die Lehre im
akademischen Umfeld noch immer als zweite Wahl oder gar als Abstieg
gilt, bleibt vielen handwerklich bzw. praktisch veranlagten jungen
Menschen der Weg zu einer erfolgreichen Karriere als Fachkraft mit
ausgezeichneten Gehalts- und Entwicklungsmöglichkeiten versperrt“,
betont Neumayer.

Regierungsprogramm gibt richtige Richtung vor

Die Industrie bewertet es sehr positiv, dass im aktuellen
Regierungsprogramm zentrale Weichenstellungen für mehr Qualität und
Chancengerechtigkeit im Bildungssystem enthalten sind. Dazu zählen
beispielsweise das verpflichtende zweite Kindergartenjahr,
zusätzliche Mittel für Sprachförderung, die Einführung einer
Bildungspflicht sowie ein Chancenbonus für Schulen mit besonderen
Herausforderungen, inklusive Forderung nach einem engmaschigen
Bildungsmonitoring. „Es ist sehr zu begrüßen, dass hier bereits
vieles in Bewegung gekommen ist – erste Maßnahmen wurden gestartet,
wichtige Strukturen geschaffen. Entscheidend ist nun, dass wir
konsequent die nächsten Schritte gehen. Die Richtung stimmt, jetzt
braucht es Entschlossenheit und Tempo bei der Umsetzung“, so Neumayer
abschließend.