IV: Gleicher Lohn ja – Bürokratiemonster nein

Wien (OTS) – Die Industriellenvereinigung (IV) unterstützt das Ziel
„gleicher Lohn
für gleiche Arbeit“ – faire und diskriminierungsfreie Entlohnung ist
in der Industrie selbstverständlich. EU-Lohntransparenzrichtlinie und
die geplante Umsetzung schießen jedoch klar am Ziel vorbei und drohen
zu einem Bürokratiemonster für Unternehmen zu werden. „Gleicher Lohn
für gleiche Arbeit ist selbstverständlich. Die Frage ist nicht das
Ziel, sondern der Weg dorthin. Mehr Formulare, mehr Berichtspflichten
und mehr Haftungsrisiken schaffen alles andere als Gleichstellung.
Das tritt eine neue Bürokratielawine los – in Zeiten der
Entbürokratisierungsversprechen ist das kontraproduktiv“, betont IV-
Generalsekretär Christoph Neumayer.

Besonders kritisch sieht die IV die aktuellen Arbeitsentwürfe des
zuständigen Ministeriums. Diese gehen in zentralen Bereichen über die
europäischen Mindestvorgaben hinaus. „Wenn aus einer ohnehin
problematischen Richtlinie durch nationales Gold Plating ein noch
größeres Bürokratiemonster wird, ist niemandem geholfen – weder den
Beschäftigten noch den Unternehmen. Gold Plating lehnen wir generell
ab. Für gleichwertige Arbeit müssen selbstverständlich auch Leistungs
– und Marktkriterien sachlich berücksichtigt werden können“, betont
Neumayer.

Kollektivverträge berücksichtigen statt doppelgleisig fahren

Österreich verfügt bereits heute mit rund 98 Prozent
Kollektivvertragsabdeckung über eines der transparentesten
Entgeltsysteme Europas. Die Kollektivverträge sorgen für klare,
sozialpartnerschaftlich akkordierte und nachvollziehbare Kriterien
bei Löhnen und Gehältern.

Dennoch drohen nunmehr bei der Richtlinienumsetzung künftig
weitreichende Pflichten zu zusätzlichen Bewertungssystemen,
Dokumentationen und Berichtspflichten und damit erhebliche
zusätzliche Kosten, mehr Verwaltungsaufwand und wachsende
Rechtsunsicherheit für Unternehmen jeglicher Größe. „Während andere
Länder funktionierende Entgeltsysteme erst schaffen müssen, haben wir
sie bereits. Statt dieses bewährte Modell anzuerkennen, drohen neue
Parallelstrukturen, zusätzliche Bewertungssysteme und noch mehr
Bürokratie“, so Neumayer.

Qualität vor Geschwindigkeit

Österreich liegt beim bereinigten Gender Pay Gap nach Eurostat
gemeinsam mit Ländern wie Deutschland, Dänemark, den Niederlanden
oder Finnland unter dem EU-Durchschnitt. Niemand bestreitet, dass es
nach wie vor strukturelle Herausforderungen gibt, die der
unbereinigte Gender Pay Gap aufzeigt. Hier braucht es jedoch eine
sachliche Diskussion zu den eigentlichen Ursachen, wie Berufswahl,
Beschäftigung oder auch geeignete Kinderbetreuungsangebote, statt
zusätzlicher Bürokratie und noch mehr Regulierung.

Die Umsetzungsfrist der Richtlinie endet kommenden Sonntag. Der
Blick über die Grenze zeigt, dass 25 von 27 EU-Mitgliedern die
Lohntransparenzrichtlinie nicht zeitgerecht umsetzen werden, einzelne
Staaten wie Schweden haben sich ausdrücklich für eine Verschiebung
und Überarbeitung der Richtlinie ausgesprochen. Die IV spricht sich
daher für einen „Stop-the-Clock“-Ansatz, eine Überarbeitung der
Richtlinie auf europäischer Ebene sowie gegen nationales Gold Plating
aus. Ziel muss eine praxistaugliche Umsetzung sein, die bestehende
Kollektivvertragsstrukturen anerkennt und Unternehmen nicht
zusätzlich belastet. „Wenn die überwiegende Mehrheit der
Mitgliedsstaaten die Richtlinie nicht umsetzt, sollte das ein
Warnsignal sein. Qualität muss vor Geschwindigkeit gehen. Transparenz
ja – aber keine Lohnbürokratierichtlinie, die mehr Bürokratie schafft
und an den eigentlichen Ursachen von Einkommensunterschieden
vorbeigeht“, so Neumayer abschließend.