Wien (OTS) – Freundschaften stärken die psychische Gesundheit,
Einsamkeit belastet
sie. Anlässlich des Internationalen Tages der Freundschaft am 30.
Juli 2026 macht der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und
Psychologen (BÖP) auf die psychischen Auswirkungen von Freundschaften
und Einsamkeit aufmerksam und rückt die Notwendigkeit in den Fokus,
Einsamkeit aktiv entgegenzuwirken.
Zwtl.: Soziale Beziehungen stärken, Einsamkeit belastet
Freund:innen bringen einen zum Lachen, schaffen lebenslange
Erinnerungen und stellen eine Stütze dar. Viele Freundschaften halten
ein Leben lang, andere fühlen sich nur in einer bestimmten
Lebensphase passend an. Manche Freund:innen sehen sich täglich,
andere einmal im Jahr. Auf welche Art auch immer, Freundschaften
bereichern das Leben.
Auch die Wissenschaft hat dies bereits belegt: Menschen mit
Freundschaften sind zufriedener mit ihrem Leben und haben eine
geringere Wahrscheinlichkeit, an einer Depression oder einer
Angststörung zu erkranken. Hingegen haben Menschen, die wenige
soziale Kontakte haben und Einsamkeit erleben, ein erhöhtes Risiko
psychische und körperliche Erkrankungen wie Depressionen,
Angststörungen, Schlaganfälle und Demenz zu entwickeln und sogar
frühzeitig zu sterben. Denn Einsamkeit bedeutet nicht nur, wenige
soziale Kontakte zu haben, sondern auch das Gefühl zu haben, nicht
dazuzugehören oder mit Sorgen allein zu sein.
BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger
betont: „Einsamkeit stellt eine ernstzunehmende Belastung für die
psychische Gesundheit und unser gesellschaftliches Miteinander dar.
Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht Beziehungen,
Zugehörigkeit und persönliche Begegnungen, um seine Grundbedürfnisse
zu erfüllen.“
Wie verbreitet Einsamkeit ist, zeigen aktuelle Zahlen: 2025
fühlten sich rund 28% der Menschen in Österreich zumindest
gelegentlich und 8% häufig oder dauerhaft einsam. Besonders häufig
sind Frauen mit intensiver Care-Arbeit, Alleinerziehende, Frauen mit
Migrationshintergrund, ältere Frauen und Frauen mit geringem
Einkommen von Einsamkeit betroffen.
Zwtl.: Einsamkeit wirksam begegnen
Einsamkeit ist für viele Menschen mit Scham- oder Schuldgefühlen
verbunden. Dadurch entsteht ein Teufelskreis und einsame Menschen
werden noch einsamer. Daher ist es wichtig, das Thema aus der
Tabuzone zu holen. Gesellschaftliche Teilhabe, etwa durch Sport,
freiwilliges Engagement, künstlerische Tätigkeiten und kulturelle
Veranstaltungen hilft, soziale Kontakte zu knüpfen. Außerdem kann
eine gute Infrastruktur mit sozialen Räumen und Begegnungsstätten
sowie psychologische Unterstützung helfen.
Psycholog:innen können auf individueller, gruppenbezogener und
gesellschaftlicher Ebene dazu beitragen, Einsamkeit entgegenzuwirken.
Sie unterstützen Menschen dabei, soziale Kompetenzen zu stärken,
negative Denkmuster umzustrukturieren, Selbstmitgefühl zu stärken und
Schritt für Schritt wieder soziale Kontakte aufzubauen. Auch
psychologisch begleitete Gruppenangebote können Zugehörigkeit und
soziale Teilhabe fördern. Darüber hinaus kann psychologische
Aufklärung dazu beitragen, Einsamkeit zu enttabuisieren und
frühzeitig zu erkennen.
„Gerade jetzt, wo viele Menschen von den multiplen Krisen
belastet und dadurch vereinsamt sind, ist es notwendig, Maßnahmen
gegen Einsamkeit zu setzen. Um Einsamkeit wirksam zu begegnen,
braucht es das Zusammenwirken verschiedener Politikfelder, darunter
auch die Psychologie. Denn Einsamkeit betrifft Gesundheit,
Stadtplanung, Mobilität, Kultur und soziale Teilhabe“, so BÖP-
Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.
Der BÖP hat sich bereits vielfach im Bereich Einsamkeit engagiert
und unter anderem ein 10-Punkte-Maßnahmen-Paket gegen Einsamkeit
entwickelt. Am 10. September 2026 findet außerdem die BÖP-
Veranstaltung „Psychologie im Gespräch“ zum Thema „Allein unter
Menschen: Warum Einsamkeit zunimmt und Psychologie hilft“ statt. Alle
Interessierten sind herzlich willkommen.
Psychologische Unterstützungsangebote finden sich auf Psychnet
und kostenfreie Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlung
vermittelt die BÖP-Serviceplattform psyhelp . Außerdem bietet die BÖP
-Helpline kostenlose Unterstützung unter 01/504 8000 (Montag bis
Donnerstag von 9 bis 13 Uhr).
Der BÖP wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass das Thema
Einsamkeit die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient, und die
Bedeutung von Freundschaften und sozialen Beziehungen für die
psychische Gesundheit stärker ins Bewusstsein rücken.