Inklusion ist kein Zusatz, sondern Maßstab dafür, wie gerecht ein Bildungssystem wirklich ist

Wien (OTS) – Inklusive Bildung ist weit mehr als nur ein rein
bildungspolitisches
Thema. Sie entscheidet mit darüber, wer dazugehört, wer gemeinsam
lernen kann und welche Chancen Menschen später im Leben haben. Denn
Bildung ermöglicht es Menschen, ihre Fähigkeiten und Talente zu
entfalten, und ist somit ein wichtiger Teil von Empowerment und
Selbstbestimmung. Deshalb hat LICHT INS DUNKEL sein fünftes
Dialogforum unter das Thema „Inklusive Bildung jetzt?! Lernwelten von
morgen heute gestalten“ gestellt. Am 11. Juni 2026 tauschten sich
rund 80 Teilnehmende im BG/BRG Kirchengasse in Graz darüber aus, wie
inklusive Bildung gelingen kann, welche Barrieren noch bestehen und
was nötig ist, damit alle Menschen gut lernen und teilhaben können.
Unter den Teilnehmenden waren Menschen aus der Behindertencommunity,
Selbstvertreter*innen, Pädagog*innen von der Elementarpädagogik bis
zur Oberstufe, Expert*innen aus Forschung und Lehre, aus Politik und
Verwaltung, von der Bildungsdirektion sowie Schüler*innen und
Elternvertreter*innen. Sie kamen in der Diskussion überein: Inklusive
Bildung betrifft nicht nur einzelne Menschen. Vielmehr betrifft sie
die Frage, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen.

Zwtl.: Was brauchen junge Menschen mit Behinderungen, um
Bildungsangebote gut nutzen zu können?

Die Teilnehmer*innen des Dialogforums wiesen darauf hin, dass
inklusive Bildung und Förderung so früh wie möglich beginnen müsse.
Wichtig seien aber auch inklusive außerschulische Angebote, um den
Weg in Richtung einer inklusiven Gesellschaft weiterzugehen. Damit
junge Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt lernen können, müssen
sie zunächst einmal als Individuen mit ihren jeweiligen Stärken und
Bedarfen akzeptiert werden. Gerade bei jungen Kindern dürfen die
Eltern aber nicht außer Acht gelassen werden. Es fehlt etwa eine
zentrale Anlaufstelle, an die sich Eltern eines Kindes mit einer
Behinderung wenden können.

Zwtl.: Was brauchen Schulen, damit Inklusion gelingt?

Eine Haltung, die alle Menschen willkommen heißt, ist eine
Grundvoraussetzung für gelingende Inklusion. Aber es braucht auch die
Bereitschaft, die „Extrameile“ zu gehen, denn Inklusion kostet mehr
Anstrengung. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden:
Inklusion ist ein Bildungsauftrag für alle, denn alle Kinder
profitieren von einer inklusiven Haltung – und letztlich damit auch
die Gesellschaft. Ein teilnehmender Schüler betonte, dass neben der
Haltung auch die Räumlichkeiten wichtig sind. So bräuchte es
Rückzugsorte für Menschen im Autismus-Spektrum wie ihn, aber auch
Orte zum Austoben für andere Kinder. Mit Sorge blickten die
Teilnehmenden auf die Ressourcenknappheit und den teilweise fehlenden
politischen Willen, die notwendigen Rahmenbedingungen für Inklusion
zu schaffen.

Zwtl.: Was sind die größten Barrieren – und wie können wir sie
abbauen?

Die größte Hürde auf dem Weg zur inklusiven Bildung ist das
„Mindset“ des Bildungssystems, das davon ausgeht, dass es
Durchschnittsmenschen gibt. Dabei zeigt die Realität vielmehr, dass
Kinder die Welt sehr unterschiedlich wahrnehmen und auch nicht alle
mit den gleichen Rahmenbedingungen gut lernen können. Eine wichtige
Rolle kommt hierbei den Pädagog*innen zu. Aber auch Schulassistent*
innen sind wichtige Bezugspersonen und sollten entsprechend geschult
sein. Eine weitere Barriere in den Köpfen ist die teilweise
bestehende Angst vor Technologie. Dabei kann diese Menschen mit
unterschiedlichen Behinderungen, etwa mit einer Sehbehinderung,
hervorragend unterstützen.

Zwtl.: Wie sieht Bildung in der Zukunft aus, sodass alle teilhaben
können?

Die Teilnehmenden ließen mit einer klaren Forderung aufhorchen:
Man müsse die Sonderschulen in ihrer jetzigen Form auslaufen lassen
und sich voll und ganz auf inklusive Bildung konzentrieren, bei der
alle gemeinsam mit- und voneinander lernen. Das Wissen darüber, wie
Inklusion funktionieren kann, ist bereits vorhanden, es hapert jedoch
an den Rahmenbedingungen. Denn man kann es sich nicht leisten, auf
die Talente von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu
verzichten. Ein weiterer Punkt: Inklusion muss fixer Bestandteil der
Ausbildung von Pädagog*innen werden, um zur Selbstverständlichkeit zu
werden. Zudem braucht es mehr Lehrende mit Behinderung, die den
Kindern als Role Models dienen. Auch das Mindset muss sich ändern:
Inklusion sollte vom Wert her mit Demokratie gleichgesetzt werden.
Denn beides funktioniert nur, wenn alle die Möglichkeit haben, daran
teilzunehmen.

Über die LICHT INS DUNKEL-Dialogforen

Mit den Dialogforen leistet LICHT INS DUNKEL einen Beitrag zur
Bewusstseinsbildung und eröffnet einen Diskursraum. Sie beleuchten
die Herausforderungen, mit denen Menschen mit Behinderungen in
unterschiedlichen Lebensbereichen konfrontiert sind, sowie mögliche
Lösungen. Der Blick ist dabei klar nach vorne gerichtet. Die
Dialogforen selbst sind Beispiele gelebter Inklusion. Sie finden an
einem baulich barrierefreien Ort statt. Es gibt Dolmetschung in
Österreichischer Gebärdensprache, Live-Schriftdolmetschung, eine
grafische Zusammenfassung in einfacher Sprache und einen Ruheraum.
Vor allem aber werden Menschen mit Behinderungen aktiv eingebunden.