Wien (OTS) – Hitzewellen werden zur Herausforderung für Städte oder
große
Ballungsräume. Als Maßnahme dagegen setzen immer mehr
Gebäudebetreiber auf Fernkälte immer geeigneter. Nicht mehr nur in
Wien, sondern auch in Graz, Klagenfurt, Linz und St. Pölten gibt es
immer öfter Fernkälte.
Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke sind in den Sommern von
europäischen Städten längst Normalität. Für verwundbare
Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit
Vorerkrankungen stellen Hitzewellen eine ernsthafte Gesundheitsgefahr
dar. Gleichzeitig boomt die Nachfrage nach Klimaanlagen, was gerade
in Hitzeperioden den Stromverbrauch in die Höhe treibt und die
Wärmeinseleffekte in Städten weiter verstärkt. Denn herkömmliche
Klimaanlagen verbrauchen enorme Mengen an Strom, erzeugen Abwärme und
belasten die Stromnetze in Spitzenlastzeiten erheblich. Um diesem
Teufelskreis zu entkommen, ist eine systemische Alternative gefragt –
Fernkälte.
Fernkälte, die bessere Lösung
Fernkälte funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Fernwärme: In
einer zentralen Anlage wird Kälte erzeugt und über ein unterirdisches
Rohrleitungsnetz an Gebäude, Büros, Krankenhäuser und öffentliche
Einrichtungen geliefert.
Gegenüber Klimageräten bietet Fernkälte folgende Vorteile:
– Bis zu 50 Prozent niedrigere CO₂-Emissionen,
– keine lauten Außengeräte,
– keine Abwärme-Strahlung auf Straßenebene und
– eine deutlich höhere Effizienz im Netzbetrieb.
Große Projekte in den Bundesländern
Bis 2035 will die Fernwärmewirtschaft in Summe 193,2 Millionen
Euro investieren. Dadurch sollen rund 200 MW Fernkälte-Leistung
errichtet werden.
Die derzeitige Hitzewelle verdeutlicht die Dringlichkeit des
Ausbaus. Die Linz AG betreibt drei große Fernkältezentralen im Linzer
Stadtgebiet:
–
Donaupark: Die erste Linzer Fernkältezentrale, die seit 1993 in
Betrieb ist.
–
Friedhofstraße: Ergänzt das Netz und versorgt urbane Gebäude.
–
Wiener Straße: Die neueste Anlage, die unter anderem das WIFI OÖ
versorgt.
Die Linz AG investiert 95 Millionen Euro in das neue Fernkälte-
Projekt „Klimatunnel“ zur Kühlung großer Gebäude. In Summe werden in
Linz großen Krankenhäuser, Bürokomplexe, Kultur- und
Gesundheitseinrichtungen zunehmend auch ganze Wohnanlagen mit
Fernwärme versorgt.
In Graz wird LKH-Univ. Klinikum Graz mit Fernkälte gekühlt. Dazu
wird eine eigene, groß angelegte Energiezentrale mit Wärme-Kälte-
Kopplung eingesetzt, die verschiedene Trakte und Kliniken des
Krankenhauses ganzjährig mit Kühlkreisen versorgt. In der „Smart
City“ Graz kühlt die Energie Graz knapp 700 Wohnungen und Büros mit
einem innovativen, kombinierten Energiekonzept mit umweltfreundlicher
Kälte. Die Kälteerzeugung erfolgt über Geothermie, Wärmepumpen und
Photovoltaik.
In St. Pölten wurde und wird Fernkälte konsequent ausgebaut:
Neben dem Universitätsklinikum werden etwa auch die Fachhochschule
und der Bahnhof der niederösterreichischen Landeshauptstadt mit
Fernkälte gekühlt.
Neu in diesem coolen Kreis ist Bregenz . Die Stadt startete 2025
mit der Versorgung von Gebäuden mit nachhaltiger Kälte. Dabei kommt
ein besonders umweltfreundliches Verfahren zum Einsatz – das
sogenannte „Free Cooling“ mit Wasser aus dem Bodensee, das über
Kältetauscher direkt zur Gebäudekühlung genutzt wird, also ohne den
Einsatz energieintensiver Maschinen. Der Bau des Seekraftwerks gilt
es als größtes derartiges Projekt in ganz Österreich und es erfolgte
bereits die Anbindung erster Gebäude: des Bregenzer Festspielhauses
und des städtischen Schwimmbads.
Wien mit stetigem Ausbau
Während Teile Wiens mit provisorischen Maßnahmen auf extreme
Temperaturen reagieren, profitieren angeschlossene Gebäude von
konstant angenehmen Innentemperaturen: zuverlässig, leise und
klimafreundlich.
Mit dem mehr als 30 Kilometer langen Fernkältenetz werden bereits
mehr als 220 Gebäude versorgt. Mit Großanlagen in zentralen Bezirken
werden etwa der Austria Campus, das Naturhistorische Museum, das
Musiktheater Ronacher, das Rathaus, das AKH oder Hauptbahnhof mit
Fernkälte versorgt. Im Juni hat Wien Energie eine neue ihre
Kältezentrale im Donaufeld in Betrieb genommen und betreibt nun
insgesamt 25 Kältezentralen.
Verkauf von Fernkälte und Investitionen nehmen stark zu
Seit 2009 hat sich der Verkauf von Fernkälte auf dem
österreichischen Markt von rund 25 GWh auf zuletzt 228 GWh mehr als
verzehnfacht. „Die Hitzerekorde der vergangenen Jahre heizen die
Nachfrage
nach Fernkälte im ganzen Bundesgebiet an“, sagt Katalin
Griessmair-Farkas, stellvertretende Geschäftsführerin des
Fachverbands Gas Wärme. Zudem werde in den anhaltenden Leitungsausbau
und in die verstärkte Anschlusstätigkeit bei Gebäuden investiert.
Noch 2010 steckte Fernkälte in den Kinderschuhen. Das Netz war
gerade einmal drei Kilometer lang. Ende des vergangenen Jahres betrug
die Gesamtlänge des heimischen Fernkältenetzes mehr als 45 Kilometer.
Die installierte Fernkälteleistung stieg zuletzt von 186 MW auf 211
MW an.
Über Fernkälte
Fernkälte ist die umweltfreundliche Alternative zur
Einzelklimatisierung. Isolierte Rohre transportieren das auf 5 bis 6
Grad Celsius gekühlte Wasser zu den Kunden. Mit etwa 16 Grad Celsius
fließt es zur neuerlichen Abkühlung wieder zurück. Wie bei Fernwärme
werden die Objekte in der Regel zentral versorgt.
Für die Abkühlung des gelieferten Wassers werden hocheffiziente
mit Strom betriebene Kompressoren oder Absorber, die mit Wärme
betrieben werden, genutzt. Die Verwendung dieser hocheffizienten
Technologien spart massiv Strom . In den Absorptionskältemaschinen
werden dieselben Energiequellen, die für die Erzeugung von Fernwärme
benutzt werden, als Antriebsenergie verwendet. Insbesondere Abwärme
aus Industrie, Abfallverbrennung oder Geothermie, die das ganze Jahr
zur Verfügung stehen, eignen sich hervorragend für die
Kälteerzeugung.
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