Wien (OTS) – Alle 15 Minuten stirbt in Österreich ein Mensch an einer
Herz-
Kreislauf-Erkrankung. Kommt es zum Herzinfarkt, ist das Leben der
Betroffenen akut bedroht, wenn das verschlossene Herzgefäß nicht
rasch wieder geöffnet wird. Wie der neue Safe Hearts Plan der
Europäischen Kommission am besten für die Bekämpfung Europas
häufigster Todesursache umgesetzt werden kann, und wie durch
Information, bewährte Vorsorge- und Nachsorge sowie medizinische
Fortschritte die Herzgesundheit verbessert werden kann, darum geht es
bei der ESC Cardio-Oncology-Konferenz, die vom 19. bis 20. Juni im
Austria Center Vienna stattfindet.
„Jedes Jahr erleiden bis zu 32.000 Menschen in Österreich einen
Herzinfarkt und alle 15 Minuten stirbt in Österreich ein Mensch an
einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Generell sind Herz-Kreislauf-
Erkrankungen in der EU nach wie vor die Todesursache Nummer 1. Das
muss nicht sein, denn mithilfe von optimierter Prävention kann die
Herzgefäßgesundheit verbessert werden. Dazu sollten alle Menschen
ihre wichtigsten Kennzahlen wie Cholesterinwerte, Blutdruck,
Blutzucker, BMI und neuerdings das Lipoprotein(a) kennen und dann
ihre Lebensstile entsprechend anpassen und eventuell Medikamente
einnehmen. Auch Früherkennung bei Risikogruppen mit den Methoden der
modernen Präzisionsmedizin sowie eine Nachsorge bei Menschen, die
einen Herzinfarkt oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung erlitten
haben, ist wesentlich. Generell haben wir in Österreich eine sehr
gute Rettungskette. Bereits 93 bis 97 % der Menschen mit einem
Herzinfarkt, die rechtzeitig ins Krankenhaus kommen, überleben
diesen“, betont Univ.-Prof. Dr. Franz Weidinger, ehemaliger Vorstand
der 2. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie und internistischer
Intensivmedizin in der Klinik Landstraße und Past President European
Society of Cardiology 2024-2026.
Zwtl.: „Time is muscle“ – 90 Min zum Öffnen des Verschlusses
Aufgrund einer gut etablierten Rettungskette liegt die
Sterblichkeit bei Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben und
rechtzeitig ins Spital kommen, in Österreich bei nur etwa 3 %. Bei
Menschen, die im Zuge eines Kreislaufschocks ein Herzversagen haben,
erhöht sich diese Zahl erheblich, nämlich auf 50-60%. „Generell haben
wir es in den letzten 20 Jahren geschafft, die Mortalität bei
Herzinfarkten drastisch zu reduzieren und haben bei der Versorgung in
den Spitälern ein stabiles Plateau erreicht. Das große Problem, das
wir noch haben ist, dass die Menschen nicht immer rechtzeitig ins
Spital kommen. Das liegt vor allem daran, dass die Patientinnen und
Patienten ihre Beschwerden nicht ernst nehmen oder
fehlinterpretieren. Gerade beim Herzinfarkt zählt jedoch jede Minute.
Ab der Diagnose des Herzinfarkts sollten maximal 60 bis 90 Minuten
vergehen, bis das Gefäß wieder geöffnet ist“, erklärt Weidinger.
Zwtl.: STEMI-Rettungskette bei Herzinfarkt – wie mit 144 richtig
verhalten
Da die Ursache des Herzinfarktes der plötzliche Verschluss eines
Herzkranzgefäßes ist, kommt es in der Regel zu einem anhaltenden
Schmerz oder Druck in der Mitte des Brustkorbs. Oft strahlt dieser
auch in den linken Arm aus und wird von Symptomen wie Schweißausbruch
bis Übelkeit begleitet. „Wenn diese Symptome auftreten, ist es
wichtig, sofort mit 144 die Rettung zu rufen und zu sagen, dass
heftige Brustschmerzen vorliegen. Die Rettung weiß genau, welches
Spital für die akute Versorgung zuständig ist und klärt auch im Zuge
der Abholung des Patienten bereits ab, ob dieses oder welches andere
Spital gerade die Kapazitäten hat, innerhalb von 2 Stunden das
Herzkranzgefäß zu öffnen. Zusätzlich zu den Symptomen erhärtet das
EKG, das vor Ort oder im Rettungswagen gemacht wird, den Verdacht,
sodass der Patient im richtigen Spital gleich ins Herzkatheterlabor
kommt und dort am schnellsten Wege für den Eingriff vorbereitet
wird“, erklärt der Kardiologe. Das typische EKG-Bild mit sog. ST-
Hebungen ist auch namensgebend für die STEMI -Rettungskette. Sollte
der Schmerz oder Druck nicht ganz so typisch sein und beispielsweise
in den Bauch-, Rücken- oder Schulterbereich ausstrahlen oder Übelkeit
und Schweißausbruch ohne Schmerzen auftreten, empfiehlt Weidinger
ebenfalls sofort die Rettung zu rufen, denn auch das könnten
atypische Symptome sein, die auf einen Herzinfarkt hindeuten.
Zwtl.: PCI-Methode – Goldstandard der Behandlung bei Herzinfarkt und
Angina Pectoris
Mithilfe der perkutanen Koronarintervention – kurz PCI genannt –
wird das durch den Herzinfarkt verstopfte Gefäß im Herzkatheterlabor
wiedereröffnet. Dabei wird ein Katheter, also ein langer dünner
Plastikschlauch, durch den ein Führungsdraht und ein Ballonkatheter
eingeführt wird, verwendet, um das Gefäß zu öffnen. Der betroffene
Herzmuskel kann damit, weil Blut und Sauerstoff wieder zum Herzen
gelangen, „gerettet“ werden. Um im nächsten Schritt dafür zu sorgen,
dass das Gefäß dauerhaft offen bleibt, wird ein passender Stent, das
ist ein zylinderförmiges Metallgeflecht, das als Stütze dient,
gesetzt. Diese PCI-Methode ist mittlerweile nicht nur Standard beim
Herzinfarkt, sondern auch bei nicht akuten Verengungen, die eine
Angina pectoris auslösen. Hier hält der Brustschmerz nicht an,
sondern tritt episodisch für 5 bis 10 Minuten auf, um dann wieder
spontan nachzulassen. „Mittlerweile werden europaweit zwischen 80 bis
90 % der Revaskularisationen, das sind Eingriffe zur Eröffnung/
Erweiterung verengter Herzkranzgefäße mit der PCI-Methode
durchgeführt. Möglich ist dies auch durch die Fortschritte in
intravaskulärer Bildgebung durch Ultraschall und OCT. Letzteres ist
eine dünne Sonde mit einer Lichtquelle, welche die Gefäßinnenwand bei
Anwendung der PCI-Methode gut sichtbar macht. Nur mehr bei einem
kleinen Prozentsatz von 10 bis 20 % ist eine chirurgische Bypass-
Operation notwendig“, erklärt Weidinger.
Zwtl.: Nachsorge – zentraler Aspekt für weitere Vorsorge
Ganz zentral ist für Weidinger nicht nur die unmittelbare
Behandlung des Herzinfarktes, sondern auch die Nachsorge. „Hier gilt
es auf den Grund zu gehen, warum der Herzinfarkt erlitten wurde,
abzuklären, ob bestimmte Risikofaktoren vorliegen und wie diese durch
Änderung des Lebensstils und/oder bestimmte Medikamente vermieden
werden können. Rauchen, hoher Blutdruck, hohes Cholesterin oder
Diabetes sowie starkes Übergewicht und Bewegungsmangel sind
wesentliche Risikofaktoren. Daher erfolgt laut Leitlinien immer eine
medikamentöse Cholesterin-Therapie, um das Cholesterin stark zu
senken. Auch weitere Medikamente, wie die Antiplättchentherapie, sind
notwendig, damit einerseits der implantierte Stent offenbleibt und
andererseits sich keine neuen Plaques bilden können. Wurde der
Herzinfarkt zu spät behandelt und hat dadurch die Herzmuskelfunktion
gelitten, kommen noch zusätzliche Medikamente hinzu, welche die
erlangte Herzschwäche (Herzinsuffizienz) behandeln. Optimalerweise
geschieht diese Nachsorge in eigenen Rehabilitationszentren.
Zwtl.: „Safe Hearts Plan“: zur Bekämpfung der häufigsten Todesursache
in Europa
Nach wie vor sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste
Todesursache in Europa. Daher wurde nach dem Vorbild „Beating Cancer
Plan“ mit Mitte Dezember 2025 EU-weit der „Safe Hearts Plan“
veröffentlicht, der in den EU-Ländern helfen soll, die Herz-Gefäß-
Gesundheit mehr in den Fokus zu stellen und weiter zu optimieren.
Zwtl.: Über die IAKW-AG und ESC
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien,
Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna
International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna.
Das Austria Center Vienna ist mit 21 Sälen, 134 Meetingräumen sowie
rund 26.000 m 2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes
Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen
Kongresswesen. Die European Society of Cardiology (ESC) ist die
führende Fachgesellschaft mit 58 Mitgliedsländern und über 100.000
Mitgliedern im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nach wie
vor weltweit die häufigste Todesursache sind. Der ESC-Kongress gilt
als größte und einflussreichste kardiovaskuläre Fachversammlung
weltweit. Die ESC organisiert aufbauend auf den Erfolg der ersten
Konferenz des ESC Council of Cardio-Oncology im Jahr 2025 nun auch
heuer die ESC Cardio-Oncology-Konferenz, die vom 19. bis 20. Juni im
Austria Center Vienna stattfindet. Die Konferenz bringt weltweit
führende Experten aus den Bereichen Kardiologie, Onkologie,
Hämatologie, Strahlentherapie und verwandten Fachgebieten zusammen,
um zu erörtern, wie kardiovaskuläre Risiken bei Krebspatienten und
Überlebenden verringert werden können. Die Zusammenarbeit dieser
Disziplinen ist ein entscheidender Faktor für die Verbesserung der
Patientenergebnisse und die Konferenz dient als Forum, um die Zukunft
dieses sich rasch entwickelnden Fachgebiets mitzugestalten.
https://www.acv.at/de/
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