St. Pölten (OTS) – „Wer öffentliche Aufträge vergibt, trägt auch
Verantwortung für die
Menschen, die diese Aufträge tagtäglich erfüllen“, stellt Kontroll-
Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich
gemeinsam mit AK-Vizepräsident und vida-Gewerkschaftsvorsitzendem
Horst Pammer klar. Anlass ist die Situation der Buslenkerinnen und
Buslenker im Zuge der Ausschreibung Weinviertel West.
Hergovich und Pammer fordern die NÖVOG und das zuständige
Verkehrsressort von FPÖ-Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer
auf, bei öffentlichen Verkehrsausschreibungen verbindliche Sozial-
und Qualitätsstandards nicht mehr länger als lästiges
Kleingedrucktes, sondern als verbindliche Eignungskriterien
anzusehen: „Jedes Pickerl am Bus kann vorgeschrieben werden. Dann
kann man auch vorschreiben, dass Buslenkerinnen und Buslenker in
ihrer Pause Zugang zu einer Toilette, fließendem Wasser und einem
geschützten Aufenthaltsraum haben.“
Zwtl.: „Mobilität hat keine Sommerpause“
Kritik üben Hergovich und Pammer auch an der massiven Ausdünnung
des Busverkehrs während der Sommermonate. Für die Bevölkerung
bedeutet das weniger Verbindungen, gleichzeitig erschwert die
geringere Fahrleistung eine ganzjährige Beschäftigung des
Fahrpersonals. Von der Ausschreibung Weinviertel West sind nach
Schätzungen rund 100 bis 150 Lenkerinnen und Lenker betroffen. Laut
Arbeitnehmervertretung kann bei der derzeitigen Ausdünnung nur rund
ein Drittel ganzjährig durchgehend eingesetzt werden.
„Wer keinen Führerschein oder kein Auto hat, darf im Sommer nicht
plötzlich Bürger zweiter Klasse sein. Kinder und Jugendliche, ältere
Menschen und alle, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind,
brauchen auch im Juli und August gute Verbindungen. Mobilität hat
keine Sommerpause“, so Hergovich.
Für Pammer ist klar, dass die Lösung nicht auf dem Rücken der
Beschäftigten gefunden werden darf: „Buslenkerinnen und Buslenker im
Sommer beim AMS zu parken, darf kein Geschäftsmodell sein, mit dem
man öffentliche Ausschreibungen gewinnt. Wir brauchen diese
Fachkräfte – also müssen wir ihnen auch Bedingungen bieten, unter
denen sie ihren Beruf gerne und langfristig ausüben können.“
Hergovich und Pammer fordern gemeinsam: Ausschreibungen müssen
ganzjährige Beschäftigung ermöglichen, bei Betreiberwechseln braucht
es eine verpflichtende Personalübernahme samt erworbener Ansprüche.
Verbindlich vorzusehen sind zudem echte Pausenmöglichkeiten mit
Toilette, Wasser und geschütztem Aufenthaltsraum, ausreichender
Hitzeschutz am Fahrerplatz sowie ein besserer Schutz vor Übergriffen.
Gleichzeitig soll der Ticketverkauf stärker auf digitale und
kontaktlose Systeme umgestellt und das Fahrpersonal vom
Bargeldverkauf entlastet werden.
Unterstützt werden die Forderungen aus der betrieblichen Praxis
von Andreas Bramböck, Betriebsrats-Vorsitzender Postbus und FSG-
Gewerkschafter, und Markus Ernst, vida NÖ-Regionsvorsitzender
Weinviertel West. Sie verweisen insbesondere auf die Unsicherheit bei
Betreiberwechseln sowie fehlende Pausen-, Sanitär- und
Aufenthaltsmöglichkeiten entlang vieler Linien.
Hergovich abschließend: „Öffentlicher Verkehr wird mit
öffentlichem Geld finanziert. Deshalb dürfen wir öffentliche
Verantwortung erwarten: Gute Verbindungen für die Bevölkerung und
gute, sichere Arbeitsplätze für jene, die diese Verbindungen jeden
Tag möglich machen.“