Heil- und Gewürzpflanzen sorgen für Wertschöpfung in den Regionen

Wien (OTS) – Mit dem Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen liefern die
heimischen
Bäuerinnen und Bauern wertvolle Rohstoffe für die Lebensmittel-,
Kosmetik- und Pharmaindustrie. Gleichzeitig fördern sie die
Biodiversität und stärken die regionale Wertschöpfung, so auch in
Oberösterreich. Allerdings stellt gerade der Klimawandel die Betriebe
vor große Herausforderungen.

Österreich ist reich an Heil- und Gewürzpflanzen. Auf einer
Anbaufläche von rund 12.000 Hektar kultivieren heimische Bäuerinnen
und Bauern etwa 80 verschiedene Pflanzenarten, die von Küche bis
Medizin Verwendung finden. „Österreichs Landwirtschaftsbetriebe
leisten einen wichtigen Beitrag zur Eigenversorgung mit hochwertigen
Kräutern und Gewürzen, die aufgrund ihrer wohltuenden Inhaltsstoffe
auch außerhalb der Landesgrenzen gefragt sind. Darüber hinaus fördern
die Bäuerinnen und Bauern mit dem Anbau unterschiedlicher Pflanzen
die Biodiversität, verbessern die Bodenfruchtbarkeit und bieten
Bienen sowie anderen Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle“, erklärt
LK-Österreich Präsident Josef Moosbrugger .

Österreichische „Apotheke“ vom Feld

Mit etwa 3.500 Hektar ist Mohn in diesem Produktionsbereich die
flächenmäßig wichtigste Kulturpflanze. Eine große Bedeutung haben
auch Brot- und Feingewürzaromen, wie zum Beispiel Kümmel, Leinsamen,
Koriander, Fenchel und Anis. Die bäuerlichen Betriebe bauen zudem auf
rund 2.700 ha verschiedenste Heilpflanzen an.

„Damit zählen Österreichs Bäuerinnen und Bauern zu wichtigen
Lieferanten natürlicher Rohstoffe für Medikamente, die Millionen
Menschen zugutekommen. Zum Beispiel können durch die österreichische
Produktion von Mariendisteln rund 1 Mio. Patientinnen und Patienten
mit Lebererkrankung versorgt werden. Ebenso bedeutend ist der Anbau
von Schlüsselblumenblüten, die zur Herstellung von Erkältungsmitteln
genutzt werden. Mit der österreichischen Produktion können jährlich
rund zwei Millionen Einheiten hergestellt werden“, streicht
Moosbrugger hervor.

Wertschöpfung durch Partnerschaft

Der überwiegende Teil der Heil- und Gewürzpflanzen wird als
Vertragslandwirtschaft zwischen den bäuerlichen Betrieben und den
Ankäufern bzw. Verarbeitern produziert. Im Österreichischen Verband
für Arznei- und Gewürzpflanzenanbau sind die größten Anbauverbände
und private Anbauer sowie Forschungs- und Versuchseinrichtungen
gemeinsam organisiert.

„Der gemeinschaftliche Anbau sorgt für eine hohe Wertschöpfung in
den Regionen. Da sowohl der Anbau, als auch ein großer Anteil der Be-
und Verarbeitung an einem Ort erfolgt, können Kosten reduziert
werden. Außerdem schonen kurze Transportwege die Umwelt“, erklärt
Josef Wasner vom Österreichischen Verband für Arznei- und
Gewürzpflanzenanbau.

Oberösterreichischer Kräuterhof Aufreiter seit 40 Jahren im
Geschäft

Insgesamt beschäftigen sich hierzulande über 1.000 Landwirtinnen
und Landwirte mit dem Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen. Dazu gehört
auch Familie Aufreiter aus Oberösterreich, die vor 40 Jahren auf den
Kräuteranbau umgestiegen ist und seit 25 Jahren auf biologische
Landwirtschaft setzt. Für den Kräuter-Großhandel, den Apotheken-
Großhandel und für den Direktverkauf produziert die Familie heute
etwa 10 bis 12 verschiedene Kulturen auf einer Fläche von mehr als 20
Fußballfeldern. Für die Direktvermarktung bauen Aufreiters zusätzlich
80 unterschiedliche Kräuter an, die sie zu Tees und anderen Produkten
weiterverarbeiten. Viele davon werden von Hand gepflückt, schonend
getrocknet und verkaufsfertig gemacht.

„Unser Anspruch ist es, Kräuter höchster Qualität zu erzeugen.
Wir wollen einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, indem wir
Produkte liefern, die nur die besten Inhaltsstoffe besitzen und die
Gesundheit fördern“, erklärt Michaela Aufreiter , die gemeinsam mit
ihrem Mann Hans die Kräuterproduktion aufgebaut hat. Neue Ideen
kommen bereits von der nächsten Generation. Die Betriebsübernehmer
Jakob und Vanessa Aufreiter wollen den Weg der Kräuterproduktion und
Direktvermarktung weitergehen und ihre eigenen Ideen, wie Kräuter
destillieren, weiterentwickeln.

Für viele Bäuerinnen und Bauern ist der Anbau von Heil- und
Gewürzpflanzen attraktiv, da sie so im Vergleich zu Marktfrucht-
Kulturen, wie zum Beispiel Getreide, pro Hektar eine höhere
Wertschöpfung erwirtschaften können. Allerdings erfordern
Spezialkulturen ein großes Fachwissen. Gleichzeitig ist die
Mechanisierung aufgrund der kleinen Flächen und der Vielzahl an
unterschiedlichen Kulturen schwierig. Viele Betriebe stecken viel
Zeit und Geld in Spezialapparaturen und sind auf Arbeitskräfte
angewiesen, die bei der Unkrautbekämpfung und Ernte helfen.

Neue Schädlinge und Trockenheit als Herausforderung

Ein zunehmendes Problem sind Schädlinge, die aufgrund der
Klimaveränderung neu oder vermehrt auftreten und große Schäden an den
Kulturen anrichten können. „Es stehen kaum geeignete Wirkstoffe und
Möglichkeiten zur Verfügung, um starken Schädlingsbefall zu bekämpfen
und die Kulturen zu schützen – ob bio oder konventionell. Eine
biologische Wirtschaftsweise ist auch nicht überall möglich. Es
braucht daher auch im Heil- und Gewürzpflanzenbereich entsprechende
‚Werkzeuge‘, um für Ertragsstabilität und -sicherheit zu sorgen“, so
Moosbrugger.

Ein zunehmend wichtiges Thema ist auch die Bewässerung der
Pflanzen, die in vielen Regionen aufgrund der zunehmenden Trockenheit
notwendig ist. „Vor allem in der Jugendentwicklung ist eine
ausreichende Wasserversorgung wesentlich für das Wachstum und die
Qualität der Pflanzen. Nur so können die Bäuerinnen und Bauern
sicherstellen, dass die gewünschten Inhaltsstoffe enthalten und die
Erträge abgesichert sind“, erklärt Wasner und weiter: “Das wäre im
Sinne aller wichtig, da sich die österreichische Qualität unserer
Heil- und Gewürzpflanzen deutlich von ihrer Konkurrenz abhebt.
Heimischer Kümmel weist beispielsweise mit über 3% einen höheren
Gehalt an ätherischen Ölen und Aromen auf als Massenprodukte aus
anderen Teilen Europas.”